Pinneberg
Kreis Pinneberg

Stadtteiltreffs erleben eine Renaissance

Die Leitungen der Familienzentren im Kreis Pinneberg setzen auf Vernetzung

Die Leitungen der Familienzentren im Kreis Pinneberg setzen auf Vernetzung

Foto: HA

Neues Konzept: Vom Land initiierte Familienzentren werden gut angenommen, setzen auf Vernetzung und bieten auch Musikschulen Raum.

Kreis Pinneberg.  Winfried Richter strahlt. Pinnebergs Musikschulchef kann gar nicht anders. Er ist Zeuge eines ganz besonderen Platzkonzerts. Neun kleine Instrumentalisten haben sich versammelt, um eine Kostprobe ihres Könnens zu liefern – in den Räumen des vor anderthalb Jahren eröffneten Familienzentrums an der Aschhooptwiete. Die Musikschule kooperiert mit der vom Land Schleswig-Holstein initiierten Einrichtung. In zwei Gruppen können Drei- bis Sechsjährige sich in musikalischer Früherziehung üben. Ein Angebot, das gut ins Portfolio von Svea Steingrube passt. Sie leitet eines von zehn Familienzentren in der Region – und muss Jahr für Jahr hoffen, dass das Land weiterhin ihr Gehalt bezahlt.

Das Land stellt jährlich 2,5 Millionen Euro bereit

Das Land stellt bislang jährlich insgesamt 2,5 Millionen Euro bereit. Landesweit würden mehr als 100 Einrichtungen gefördert, so Oliver Carstens, Sprecher der Kreisverwaltung in Elmshorn. „Bis Ende 2017 steht die Finanzierung, wie es danach weitergeht, ist allerdings unklar“, sagt Steingrube. Die Initiative war von der schleswig-holsteinischen Sozialministerin und früheren Pinneberger Bürgermeisterin Kristin Alheit (SPD) ausgegangen. Sie hatte einen finanziellen Grundstock gelegt. Der Kreis Pinneberg profitierte im vergangenen Jahr mit 275.000 Euro aus Landesmitteln, Stadt und Kreis sind nicht an der Finanzierung des Familienzentrums beteiligt „Ein Etat für Sachmittel steht uns allerdings nicht zur Verfügung“, sagt Steingrube.

Daher ist die Leiterin des Familienzentrums auch dankbar für Kooperationspartner wie die Pinneberger Musikschule, die mit ihren Angeboten für Frequenz sorgen. Nachfrage gebe es in Pinneberg genug: „Bei uns wird eben Basisarbeit geleistet, wir haben uns mittlerweile zu einer Art Stadtteiltreff entwickelt“, sagt Steingrube, die Fachwirtin für Kindergärten ist. Sie bietet unter anderem Sprachkurse für Flüchtlinge an. Es gibt einen Spiel-und Lerntreff für Grundschüler, Krabbelgruppen und nicht zuletzt Beratung, wenn es um Probleme im Familienalltag geht. Eltern und Kindern wird Raum gegeben, in geschützter Atmosphäre gemeinsam etwas zu erleben.

Eine Heimat hatte die Einrichtung nur gefunden, weil die Arbeiterwohlfahrt (Awo) das Konzept unterstützt. Die Awo stellt Räume an der Kita Dolli-Einstein-Haus zur Verfügung, weil der Grundgedanke eines Familienzentrums zum pädagogischen Konzept des Hauses passt. Die Angebote des Familienzentrums richten sich nicht allein an Eltern, deren Kinder die Awo-Kita Dolli-Einstein-Haus besuchen. Jeder aus dem Viertel, das in den vergangenen Jahren mit Entstehung des Neubaugebiets Rosenfeld und der Entwicklung einer Parkstadt auf dem Areal der ehemaligen Eggerstedt-Kaserne gewachsen ist, kann kommen. Und Kurse wie den von Jasmin Rafii besuchen.

Rafii musiziert im Pinneberger Familienzentrum mit Drei-bis Sechsjährigen. Und freut sich mit ihrem Chef Richter über Menschen wie Thea und Hans Bruns. Das Ehepaar aus Uetersen hat gemeinsam mit der Volksbank eine Treuhandstiftung aufgelegt, aus der soziale Projekte finanziert werden. Kürzlich konnten so mehrere Musikinstrumente, darunter eine Pauke, für die musikalische Früherziehung an der Aschhooptwiete angeschafft werden. „Musik hilft Kindern, Empathie zu entwickeln und ihre sprachlichen Fähigkeiten auszuschöpfen“, sagt Richter.

Svea Steingrube ist optimistisch, dass ihr kleines Stadtteilzentrum im Westen der Kreisstadt auch über 2017 hinaus eine Zukunft haben wird. Sie geht davon aus, dass das Finanzierungsprogramm verlängert wird. Das Konzept blühe schließlich überall im Land. Um sich für die Zukunft besser aufzustellen, haben die Leitungen der zehn Familienzentren im Kreisgebiet kürzlich während eines Workshops ein gemeinsames Leitbild entworfen – und eine stärkere Vernetzung auf den Weg gebracht. „Diese Arbeit bildet die Basis für eine gemeinsame Qualitätsentwicklung der Einrichtungen“, so Oliver Carstens.