Pinneberg
Kreis Pinneberg

Bäder verbieten Smartphones am Beckenrand

Lars Engelmann macht in der Badebucht in Wedel immer wieder Gäste darauf aufmerksam, dass sie nicht fotografieren dürfen

Lars Engelmann macht in der Badebucht in Wedel immer wieder Gäste darauf aufmerksam, dass sie nicht fotografieren dürfen

Foto: Alexander Sulanke / HA

Badegäste befürchten, unbemerkt fotografiert zu werden. Mobiltelefone müssen daher draußen bleiben – oder künftig abgeklebt werden.

Kreis Pinneberg.  Gleich einer Meerjungfrau gleitet die junge Dame im dunkelroten Schwanzflossenkleid knapp unter der Oberfläche durchs Wasser. Sie hat die Arme weit ausgebreitet, sie strahlt. Eine Aufnahme von ausnehmender Schönheit. Und doch nur ein Schnappschuss mit einem handelsüblichen Smartphone. Weiß die Badenixe, dass sie gerade abgelichtet worden ist? Ja, in diesem speziellen Fall weiß sie es, und sie hat der Veröffentlichung an dieser Stelle zugestimmt. Genauso gut aber hätte ein ihr unbekannter Fotograf von ihr unbemerkt auf den Auslöser drücken, das Bild womöglich sofort ins Internet stellen können.

Dessen ist sie sich bewusst. Die Verantwortlichen in den fünf Schwimmbädern im Kreis Pinneberg sind es sich auch. Sie sehen in der Smartphonenutzung längst ein großes Problem, und sie handeln entsprechend. Ihre Ansätze mögen sich teilweise voneinander unterscheiden, die Stoßrichtung ist dieselbe: Mobiltelefone sind im Badebetrieb nicht gern gesehen. Ähnliche Bedenken gibt es wie berichtet auch in der Lüneburger Salztherme SaLü.

Pinneberger Hallenbad verbietet Mobiltelefone

Im Pinneberger Hallenbad an der Burmeisterallee sind sie seit Anfang dieser Woche komplett verboten, Kameras ebenso. „Manche Gäste fotografieren und filmen alles, was nicht niet- und nagelfest ist“, sagt die neue Bäderchefin Birgit Vollmar. Das habe vielen Gästen nicht gefallen. „Aber sie sollen sich bei uns ja wohlfühlen.“ Insbesondere die neue Generation der auch unter Wasser einsetzbaren Handys sorge für Irritationen. Vollmar: „Man weiß ja gar nicht, ob jemand nur auf sein Telefon guckt, ob er fotografiert, filmt oder schon was online stellt.“ Ihre Einschätzung: Ohne generelles Verbot komme es nur zu Komplikationen.

Ganz ähnlich stellt sich die Lage seit Kurzem auch in der Uetersener Jürgen-Frenzel-Schwimmhalle und in der Barmstedter Badewonne dar. André Bilitewski, im Uetersener Rathaus fürs Bad zuständig, sagt: „Handys sind bei uns generell nicht mehr erlaubt. Wenn der Schwimmmeister einen Gast mit Mobiltelefon sieht, bittet er ihn, es in die Garderobe zu bringen.“ Die Begründung auch hier: Schwimmbäder seien „sehr sensible Bereiche“. Niemand, der nur leicht bekleidet ist, wolle sich der Gefahr ausgesetzt sehen, heimlich fotografiert zu werden.

Keine Ausnahme für Eltern

Das Nachsehen haben in so einem Fall etwa Eltern, die nur ihre eigenen Kinder beim Planschen fotografieren wollen. „Es gibt keine Ausnahme“, sagt die in Barmstedt für die Badewonne zuständige Stadtwerke-Mitarbeiterin Janina Lohse. „Wir können nicht sagen: Der eine darf fotografieren, der andere nicht.“

Keine Ausnahmen: Wenn es ums Fotografieren und Filmen geht, gilt das auch in der Wedeler Badebucht. Smartphones dürfen nichtsdestotrotz genutzt werden. „Der Gast muss die Fotolinse gut sichtbar mit einem kleinen Pflaster abkleben“, sagt Badleiter Karsten Niß. Seine Mitarbeiter an der Kasse verteilen entsprechende Sticker. Niß erläutert die Problematik, die noch nicht mal etwas mit krimineller Energie zu tun haben muss: „Selbst wenn Mütter nur ihre eigenen Kinder beim Schwimmunterricht fotografieren wollen, sind doch fast immer auch andere Kinder mit auf dem Bild.“ Und das gefalle anderen Müttern nicht zwangsläufig. Zumal ein Foto heutzutage kein Papierabzug allein fürs private Fotoalbum mehr ist, sondern oft über digitale Netzwerke quasi mit der ganzen Welt geteilt wird. Niß’ Mitarbeiter Lars Engelmann schätzt, dass er fünf- bis sechsmal pro Tag Besucher auf die Regeln hinweisen muss.

Auch im Saunabereich haben Kameras nichts zu suchen

Im Saunabereich der Badebucht sind Smartphones und Tabletcomputer gänzlich verboten – auch deshalb, um die Ruhe nicht zu stören. „Wir stellen aber fest, dass die Gäste vermehrt ihr Handy nutzen wollen. Und das sind nicht nur die Jüngeren“, sagt Badleiter Niß. Deshalb gibt es nahe der Sauna nun einen Multimediaraum.

Das kreisweit liberalste Reglement hat der Badepark Elmshorn. „Grundsätzlich gilt: Es darf fotografiert werden, aber nur die eigene Familie, das eigene Kind“, sagt Betriebsleiter Jürgen Gerweler. Sollte sich jemand nicht an diese Vorgabe halten, greift ein genau geregelter Ablaufplan. „Kommt es zu einer Beschwerde, muss der Fotograf seine Bilder zeigen und gegebenenfalls löschen. Weigert er sich, rufen wir die Polizei.“ Das ist allerdings ein theoretisches Gedankenspiel, so weit sei es noch niemals gekommen. Nur im Saunabereich haben auch in Elmshorn Telefone und Kameras nichts zu suchen.

Mit einem generellen Handyverbot im Bad tut sich Jürgen Gerweler schon aus praktischen Gründen schwer: „Wer soll das überwachen? Unsere Schwimmmeister müssen aufs Wasser achten, nicht auf Handys.“