Pinneberg
Investition

Aus Helgolands Aquarium wird Atlantis 4.0

Eine erste Animation zeigt, wie das ehemalige Aquarium auf Helgoland künftig aussehen könnte. Die Ausstellung zeigt

Eine erste Animation zeigt, wie das ehemalige Aquarium auf Helgoland künftig aussehen könnte. Die Ausstellung zeigt

Foto: Holger von Neuhoff / HA

Hologramm-Vitrinen und einfahrbare Touchscreens sollen Ergebnisse der Meeresforschung erlebbar machen. Kosten: 14 Millionen Euro

Helgoland.  Großalgen hinter Glassäulen, Infotafeln mit Touchscreens, 3D-Animationen – alles hydraulisch einfahrbar, wenn gewollt. Das neue Ausstellungshaus auf Helgoland, das bislang den Arbeitstitel Atlantis 4.0 trägt, soll Besuchern auf 600 Quadratmetern Einblicke in Natur und innovative Technologie geben. 14 Millionen Euro wird das Projekt wohl kosten, von dem sich Bürgermeister Jörg Singer auch positive Auswirkungen auf den Tourismus erhofft, aber nicht nur.

Besucher sollen an Meeresforschung teilhaben

„Die Meeresforschung ist direkt mit Helgoland verbunden. Als größter Arbeitgeber auf der Insel ist die Biologische Anstalt Helgoland auch ein wichtiger Teil der Gemeinde“, sagt er. Und deren Forschungsergebnisse werden nun bald in den Räumen des ehemaligen Aquariums für Touristen und Einheimische erlebbar sein.

Vor 125 Jahren gründeten Wissenschaftler die Biologische Anstalt. Forscher von internationalem Rang wirkten und wirken auch heute noch auf der Insel. Vom Standort Helgoland aus senden sie ihre Daten und Erkenntnisse in die weltweiten Netze. Das in den Jahren 1954 bis 1956 nach den Plänen des Architekten Gustav Hassenpflug erbaute Haus musste aufgrund seines baulich desolaten Zustandes Ende 2014 geschlossen werden. Der Betrieb als Aquarium mit Schaubecken ist aus inhaltlichen, wie betriebswirtschaftlichen Gründen von Seiten des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven, dem die Biologische Anstalt Helgoland seit 1998 angehört, nicht mehr vorgesehen. „Nun soll an dieser Stelle eine erlebnisorientierte Ausstellung die Besucher an der Küsten- und Meeresforschung teilhaben lassen, sie für Wissenschaft, Natur und Technologie begeistern und ihnen die besondere Rolle Helgolands vermitteln“, sagt Karin Lochte, seit 2007 AWI-Direktorin.

Themen der Ausstellung seien unter anderen vergangene, gegenwärtige und zukünftige Veränderungen im Klima- und Ökosystem an der Küste und im Schelfmeer (Nordsee), mit Blick auf den globalen Ozean. „Ziel ist es, den Besucher die natürlichen Vorgänge in der Umwelt und die menschlichen Einflüsse zu vermitteln und eine nachhaltige Lebensweise zu entwickeln“, sagt Karin Lochte.

Durch wechselnde Perspektiven sowie eine der Bewegung angepasste Licht- und Soundinstallation werden die Besucher Wissenschaft, Kultur und Geschichte der Insel Helgoland erleben können, so dass Wissen emotional und über verschiedene Sinneseindrücke erfahrbar und fassbar wird. Herzstück der Ausstellung: Hologramm-Vitrinen, in denen sich frei schwebend unter anderem Meeresströmungen, Temperaturkurven, wissenschaftliche Geräte, Forschungsschiffe, Organismen wie Plankton, Hummer oder Fische als Hologramme aufbauen. Wissenschaftliche Daten aus der deutschen Spitzenforschung sollen so für die breite Bevölkerung aufbereitet werden. „Die genauen Inhalte müssen noch erarbeitet werden“, sagt Karin Lochte.

Das Konzept soll im Frühjahr öffentlich vorgestellt werden

Durch das exklusiv für Helgoland entwickelte Format „Moving Exhibition“ (bewegliche Ausstellung) kann der Ausstellungsraum per hydraulischer Steuerung in einen Veranstaltungsraum für Lesungen, Vorträge, Symposien, Workshops oder Konzerte umgewandelt werden. So kann der Raum quasi doppelt genutzt werden.

Denn wenn Helgoland eines nicht hat, dann ist es viel Platz. In ersten Schritten gilt es aber zunächst, den denkmalgeschützten Bau zu erhalten. Für die Sanierung und die Umgestaltung des Aquariums-Gebäudes zum Haus der Meeresforschung auf Helgoland stellt der Bund insgesamt zehn Millionen Euro bereit. 1,5 Millionen kommen von der Gemeinde Helgoland, vom Land 2,5 Millionen.

Einen Vorgeschmack in Form einer Preview gibt es im Frühjahr 2017. „Im Mai wollen wir für drei oder vier Wochen die Ausstellungsräume Besuchern und Helgoländern zugänglich machen und das Konzept öffentlich vorstellen“, sagt Bürgermeister Singer. Mit der eigentlichen Ausstellungseröffnung könne allerdings erst frühestens Ende 2018 gerechnet werden.