Pinneberg
Kreis Pinneberg

Das sollten Sie über die Kirchenwahl wissen

Haselauer Kirche

Haselauer Kirche

Foto: privat / HA

Protestanten im Kreis entscheiden am 27. November über die Gremien in 31 Gemeinden. Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen.

Egal, ob in der Minigemeinde in Haselau oder der größten Gemeinde in Barmstedt: Überall im Kreis Pinneberg werden am 27. November die evangelischen Kirchenmitglieder zur Wahl gebeten. Und nicht nur im Kreis: Nordkirchenweit werden am ersten Adventssonntag in mehr als 1000 Gemeinden die neuen Kirchengemeinderäte gewählt. Seit Ende September wurden rund zwei Millionen Wahlberechtigte mit einer Benachrichtigung per Brief zur Teilnahme an der Kirchenwahl aufgerufen. Wir sagen Ihnen, was Sie dazu wissen sollten.

Wo wird gewählt im Kreis Pinneberg?

In 31 Gemeinden im Kreis wird gewählt. Die Kirchenkreise sind nicht identisch mit den Kreisen der kommunalen Verwaltung. Das führt dazu, dass die Pinneberger Gemeinden zwei unterschiedlichen Kirchenkreisen angehören und ein Ort wie Brande-Hörnerkirchen eine Kirchengemeinde mit Hohenfelde im Kreis Steinburg bildet, hier wird kreisübergreifend gewählt.

24 Gemeinden – und damit der Großteil Pinnebergs – gehören dem Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein an: Appen, Bönningstedt, Ellerau, Ellerbek, Halstenbek, Haselau, Haseldorf/Hetlingen, Kummerfeld, Moorrege-Heist, Pinneberg (vier Gemeinden), Quickborn-Hasloh, Quickborn-Heide, Rellingen, Schenefeld (zwei Gemeinden), Seester, Tornesch, Uetersen-Am Kloster, Uetersen, Wedel, Schulau. Sieben Gemeinden liegen im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf: Elmshorn (vier Gemeinden), Klein Nordende, Barmstedt und Hohenfelde-Hörnerkirchen.

Die Wahlbenachrichtigung informiert die Gemeindemitglieder darüber, wo das entsprechende Wahllokal eingerichtet wird und in welchem Zeitraum die Wahl möglich ist.

Wer darf eigentlich wählen?

Wahlberechtigt sind alle Gemeindemitglieder, die am 13. November mindestens 14 Jahre alt gewesen sind. Wer keine Benachrichtigung bekommen hat, jedoch zur Gruppe der Wahlberechtigten gehört, sollte bei seiner Kirchengemeinde nachfragen, die das Wahlverzeichnis führt. Im Falle des Verlustes der Wahlbenachrichtigung, würde im Wahllokal auch eine Identifikation mit dem Personalausweis ausreichen.

Ist eine Briefwahl möglich?

Ja. Die Benachrichtigung enthält ein entsprechendes Formular. Der Antrag muss zwei Tage vor dem Wahltermin, also bis zum 25. November, im Gemeindebüro schriftlich oder mündlich gestellt werden. Der Briefwahlumschlag mit Stimmzettel, Stimmzettelumschlag und Briefwahlschein muss dem Kirchengemeinderat bis zum Beginn der Wahl oder dem Wahlvorstand vor Ablauf der Wahlzeit im Wahlraum zugegangen sein.

Was macht ein Gemeinderat?

Im Wahlaufruf der Nordkirche heißt es: „Der Kirchengemeinderat ist für sechs Jahre Amtszeit das zentrale Leitungsgremium Ihrer Kirchengemeinde. Deshalb ist die Kirchenwahl ein wichtiger und wegweisender Schritt im Gemeindeleben.“ Die Mitglieder des Rats, zu denen auch die Pastoren gehören, tragen die Verantwortung für die Gemeinde – in personeller, finanzieller sowie sozialer und kultureller Hinsicht.

In der Kirchengemeindeordnung der Nordkirche ist festgeschrieben, worin die Aufgaben des Rates bestehen. Sie beginnt mit dem Satz: „Der Kirchengemeinderat entscheidet im Rahmen des geltenden Rechtes über die Angelegenheiten der Kirchengemeinde.“ Seine Mitglieder sollten Vorbilder sein, sie vertreten die Gemeinde in der Öffentlichkeit und fördern die kulturellen, sozialen und ökumenischen Beziehungen der Kirchengemeinde vor Ort.

Dem Rat obliegt die Geschäftsführung. Die Mitglieder beschließen Satzungen, Verwalten das Vermögen, Beschließen den Haushalt sowie die Jahresrechnung. Der Rat verwaltet auch kirchliche Gebäude und Grundstücke und kann über die Nutzung – beispielsweise die Widmung oder Entwidmung von Kirchen – entscheiden. Auch an der Besetzung von Pfarr- und weiteren Stellen in der Gemeinde sind die Mitglieder beteiligt.

Die Gestaltung der Gottesdienste und liturgische Handlungen sowie die Nutzung der gottesdienstlichen Räume obliegt ebenso dem Rat wie die Wahrnehmung von diakonischen Aufgaben und ökumenischen Verpflichtungen. Gemeindeangebote für Kinder, Jugendliche und Konfirmanden, für Senioren sowie für Kirchenmusik und Bildung gehören ebenfalls zu den Aufgaben des Gremiums. Schließlich soll der Rat für die „schrift- und bekenntnismäßige Verkündigung des Evangeliums in der Kirchengemeinde, insbesondere für den öffentlichen Gottesdienst an Sonntagen und kirchlichen Feiertagen“ sorgen. Die Mitglieder sollen den Frieden in der Gemeinde wahren und die Gemeinschaft der Kirche Jesu Christi stärken.

Wer sitzt im Gemeinderat?

Gesetzt sind die Pastoren, die in der Gemeinde ein Pfarramt haben. Hinzu kommen die gewählten Mitglieder. Sie bilden eine Zweidrittel-Mehrheit im Rat. Ihre Gruppe soll mindestens sechs Mitglieder umfassen. Ergänzt werden kann der Rat nach der Wahl noch durch maximal zwei Mitglieder, die vom aktuellen Kirchengemeinderat (nicht dem neu gewählten) in Abstimmung mit dem Kirchenkreisrat berufen werden – das kann auch ein Mitarbeiter der Gemeinde sein. Die Anzahl von Pastoren und Mitarbeitern darf nicht mehr als ein Drittel des Kirchengemeinderat ausmachen.

Wie groß ist der Rat?

Der amtierende Rat legt die Anzahl der Mitglieder im Kirchengemeinderat fest. Vorgegeben ist nur eine Mindestanzahl von sechs gewählten Mitgliedern. So wäre auch in der Konstellation von nur einer Pfarrstelle plus zwei berufenen Mitgliedern der Mehrheitsanteil von zwei Dritteln gewählter Ehrenamtlicher gewahrt. Die Zahl der Ehrenamtlichen ist nicht limitiert, sie orientiert sich für gewöhnlich an der Anzahl der Pfarrstellen. Den größten Rat in der Propstei im Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein wählt Tornesch mit zwölf Mitgliedern. In Barmstedt im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf werden 13 Vertreter gewählt.

Wer wird gewählt?

Wahlberechtigte Gemeindemitglieder konnten bis zum 13. November schriftlich beim Kirchengemeinderat Wahlvorschläge einreichen. Jeder durfte nur einen Namensvorschlag enthalten. Er bedurfte der Unterstützung von mindestens fünf weiteren wahlberechtigten Gemeindemitgliedern. Bereits im Frühsommer ist die Nordkirche mit einer Kampagne auf Kandidatensuche gegangen. In vielen Fällen ist der erfolgreichste Weg aber die direkte Ansprache durch den Pastor oder die Pastoren der Gemeinde.

Angesichts der umfassenden und zeitlich aufwendigen Aufgaben eines ehrenamtlich arbeitenden Kirchengemeinderats und der großen Verantwortung, die die Mitglieder für ihre Gemeinde tragen, ist es nicht einfach, Kandidaten in großer Zahl zu finden. Deshalb stehen nicht selten nur so viele Kandidaten zur Wahl, wie Plätze im Rat zu vergeben sind. Das ist auch in Gemeinden im Kreis Pinneberg zu beobachten. Beispielsweise in Haselau, wo es acht Kandidaten und acht Plätze gibt, oder in der Pinneberger Christusgemeinde, hier sind es zehn Kandidaten für zehn Plätze. In diesen Gemeinden reicht den Bewerbern eine Stimme, um in den Rat einzuziehen. Doch es gibt auch andere Fälle: So stellen sich in Wedel-Schulau 15 Bewerber für elf Plätze zur Wahl.

Im Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein kandidieren mehr Frauen als Männer (55,6 Prozent zu 44,4 Prozent). Verhältnismäßig viele Frauen kandidieren vor allem in Rellingen (acht Frauen, zwei Männer) und in Haseldorf (zehn Frauen, drei Männer). In den meisten Gemeinden ist das Verhältnis ausgewogen. In Halstenbek gibt es drei Kandidaten unter 30 Jahren, in Tornesch vier.

Wie ist die Wahlbeteiligung?

Normalerweise eher gering – bei der letzten Wahl 2008 gaben rund zehn Prozent der Wahlberechtigten auf Kreis Pinneberger Gebiet im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf ihre Stimme ab. Im Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein lag die Wahlbeteiligung in der Propstei Pinneberg zwischen 10 und 24 Prozent. Angesichts der umfassenden Bedeutung des Gremiums der gemeindlichen Selbstverwaltung sind das enttäuschende Werte. Denn die gewählten Räte bestimmen die Geschicke ihrer Kirchengemeinde.

Wie wird gewählt?

Die Stimmzettel enthalten Angaben über die Anzahl der zu wählenden Mitglieder. Es dürfen maximal so viele Namen gekennzeichnet werden, wie Sitze mit gewählten Vertretern zu besetzten sind. Die Häufung mehrerer Stimmen auf einen Namen ist nicht zulässig.