Pinneberg
Kreis Pinneberg

Glasentsorgung sorgt für Streit im Kreis

Foto: Rainer Burmeister

Das für Leerung der Container zuständige Unternehmen und für Reinhaltung der Standorte zuständige GAB werfen sich Versagen vor.

Kreis Pinneberg.  Bei der Entsorgung der Gelben Säcke hat der Protest der Bürgermeister gewirkt. Diese bleibt bis einschließlich 2019 bei der Firma Umwelt-Service-Nord (USM), die zur Gesellschaft für Abfallbehandlung (GAB) in Tornesch-Ahrenlohe gehört, an der der Kreis Pinneberg zur Hälfte beteiligt ist. Dabei hatte der Stephan Bötel mit seiner Firma Elbe-Container Dienst aus Wedel diese Ausschreibung für etwa 10.000 Tonnen Verpackungsmüll im Jahr bereits vor der GAB-Tochter gewonnen.

Anders ist es bei der Glasentsorgung. Die bleibt auch in den nächsten drei Jahren bei dem Wedeler Entsorger. Dabei hatten sich im Vorfeld die Bürgermeister von Elmshorn, Wedel, Schenefeld, Tornesch, Uetersen, sowie die Verwaltungschefs der Ämter Moorrege, Rantzau, Elmshorn-Land schriftlich bei Landrat Oliver Stolz beschwert. Sie klagten, wie Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje, dass die Container von Anfang an nur unregelmäßig geleert worden wären, was das Stadtbild erheblich störe. Die Firma sei „kein verlässlicher Partner“, urteilte Uetersens Bürgermeisterin Andra Hansen.

Stephan Bötel hält das für „üble Nachrede“ und droht juristisch dagegen vorzugehen. Für die Reinhaltung der 350 Container-Standorte im Kreis Pinneberg, wo jährlich 7000 Tonnen Glas anfallen, sei er gar nicht zuständig. Das sei Sache der GAB, die dafür 1,27 Euro je Bürger und Jahr erhalte. „Das ist alles nicht mein Bier“, sagte Bötel dem Abendblatt. GAB-Chef Jens Ohde bestätigt dies insofern, als dass die GAB vom Kreis Pinneberg zum öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger erklärt wurde. Dafür erhalte sie Zuschüsse, um die Bürger mit den Abfallfibeln über die Abfuhrtermine oder die Mülltrennung zu informieren und die Containerstellplätze zu reinigen.

„Das ist völlig korrekt“, sagt Ohde. „Aber das heißt nicht, dass er die Container nicht zu entleeren braucht und alle Flaschen dann auf den Boden gestellt werden können, weil die GAB sie schon abholt.“ Bereits zweimal in diesem Jahr habe die GAB Bötel für die nicht erfolgte Glasentsorgung mit Fristsetzung abmahnen und dann selbst die Entsorgung vornehmen müssen, weil die Wedeler Firma dies nicht erledigt habe.

„Ich habe darauf keine Lust mehr. Bötel ist einfach ein schlechter Dienstleister“, ärgert sich der GAB-Chef. Seit 20 Jahren gebe es Probleme mit dem Wedeler Unternehmen. Aber das eigentliche Problem seien die Ausschreibungsfirmen des Dualen Systems, die immer wieder dieser Firma den Auftrag erteilten. Im Falle der Glasentsorgung sei dies eine andere als bei den Gelben Säcken. „Ich hatte gehofft, dass wir mit der USN diesmal den Zuschlag für die Glasentsorgung erhalten.“

Umso mehr freue ihn, dass die GAB wie seit 1992 weiter für die gelben Säcke zuständig bleibe. So könne das Wertstofftonnen-Projekt in Tornesch weiterlaufen, und es müssten keine Tonnen getauscht werden. „Das erspart meinen Mitarbeitern viel Stress.“

Doch bei der Entsorgung der Gelben Säcke war es offenbar weniger der Protest aus den Kommunen als Bötel selbst, der die Kommunen vor dem vermeintlichen Müllchaos bewahrt. „Mir war das Risiko zu groß“, sagt Bötel. Er hätte eine halbe Million Euro in zusätzliche Fahrzeuge und Personal investieren müssen. Wenn dann irgendetwas schiefgegangen wäre, wäre er womöglich darauf sitzengeblieben, sagt der Unternehmer, der nach eigenen Angaben 50 Mitarbeiter in der Müllentsorgung beschäftigt. Doch auch der Proteststurm, der ihm aus den Kommunen entgegen wehte, ist nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. „Da hat die GAB wegen ihrer Arroganz einen Auftrag verloren. Und dann hetzt sie mir alle Bürgermeister auf den Hals.“

Im Kreis Segeberg hingegen ist Bötels Firma neuerdings für die Entsorgung der gelben Säcke zuständig. Das wurde zwar in der dortigen Politik aufgrund der geäußerten Erfahrungen der Kommunen im Kreis Pinneberg argwöhnisch betrachtet, änderte aber an der Tatsache nichts. Zehn Mitarbeiter und vier Fahrzeuge zusätzlich will Bötel für die Bewältigung des Auftrages dort einstellen beziehungsweise anschaffen.

Ärgern Sie sich auch über einen verdreckten Altpapier- oder Altglas-Containerstandort? In diesem Fall hilft der GAB
Umwelt Service unter 0800/709 70 91 oder der Bürgerservice Kreis Pinneberg unter 04121/45 02 45 02 weiter.