Bildung in Pinneberg

„Ein Schlag ins Gesicht der Schulen“

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Andreas Daebeler

Foto: Andreas Daebeler

Lehrer können wegen Finanznot der Kommune nicht in fast fertigen Neubau ziehen. Eltern-Allianz wirft Stadt Versagen beim Sanieren vor.

Pinneberg.  Thomas Gerdes wartet. Das hat er mit den Jahren gelernt. Geduld gehört zu den Tugenden, die Schulleiter in Pinneberg beherrschen müssen. Gerdes ist Rektor im Stadtteil Quellental. An der Grund- und Gemeinschaftsschule, die einer umfassenden Sanierung bedarf. Mit der wurde zwar begonnen. Wann sie abgeschlossen sein wird, steht jedoch in den Sternen. Wie woanders auch. Eine von Eltern initiierte Allianz schlägt jetzt Alarm. Die von Bürgermeisterin Urte Steinberg vorgelegte Etatplanung für 2017 sei desaströs. Sanierungsmaßnahmen würden immer weiter verschoben. „Ein Schlag ins Gesicht der Schulen“, lässt sich Ulrike Graefen zitieren. Sie ist Sprecherin der Schulallianz, die für eine konsequente Umsetzung des 2014 von der Politik verabschiedeten Sanierungsplans kämpft. Der hatte 2018 als Ziel vorgegeben – dann sollten sämtliche Pinneberger Schulen fit sein.

Geht es um Bildung in der Kreisstadt, drängt sich der Eindruck eines Dramas in vielen Akten auf. Immer wieder kommen Arbeiten ins Stocken, weil es an Geld fehlt oder personelle Ressourcen ausgereizt sind. Das Theodor-Heuss-Gymnasium gilt ein Schaustück des Grauens. An der Schule war vor acht Jahren mit Sanierungsarbeiten begonnen worden. Bis heute werden Schüler auf einer Baustelle unterrichtet. Ein dringend benötigter Pausenhof gammelt vor sich hin. An der Johann-Comenius-Schule in Thesdorf werden Schüler in maroden Pavillons unterrichtet, unter denen Ratten hausen.

Doch zurück zu Thomas Gerdes, der jetzt in dem früheren Schwimmbecken an seiner Schule steht. Die Halle ist in den vergangenen Monaten für viel Geld umgestaltet worden. Der Neubau soll den Jungen und Mädchen als Aufenthaltsbereich dienen. Zunächst sollten in den Herbstferien allerdings die Pädagogen einziehen – damit der marode und viel zu enge Verwaltungstrakt der Schule endlich saniert werden kann. Daraus ist bislang nichts geworden. „Uns wurde mitgeteilt, dass kein Geld da ist“, so Gerdes. „Wir mussten auf die Haushaltsgenehmigung warten“, erklärt der im Pinneberger Rathaus zuständige Heiner Koch die Hängepartie. Man arbeite an „einer kurzfristigen Lösung“.

Dass die Pädagogen an der Grund- und Gemeinschaftsschule in ihrem beengten Lehrerzimmer unerträglichen Belastungen ausgesetzt sind, hatte die Unfallkasse Nord schon 2013 bemängelt. Lange her. Gerdes, der betont, dass die Umgestaltung des Schwimmbeckens grundsätzlich ein Gewinn sein werde, muss Fragen der Kollegen beantworten: „Da herrscht Fassungslosigkeit.“ Zumal es an der Schule noch weitere Gebäude gebe, die saniert werden müssten. „Mir fehlt deutlich eine Perspektive.“

Graefen geht das nicht anders. Wer Schülern in Pinneberg eine angemessene Ausstattung und Umgebung bieten wolle, dürfe dem vorliegenden Haushaltsentwurf der Stadtverwaltung nicht zustimmen, appelliert sie an die Politiker. Anderenfalls nehme man in Kauf, dass sich Schulsanierungen mindestens bis ins Jahr 2020 hinauszögen. „Traurig und beschämend“ nennt Graefen die Situation.

Aussagen der Grünen-Fraktionschefin im schleswig-holsteinischen Landtag dürften in Pinneberg noch für Nachhall sorgen. Eka von Kalben will erfahren haben, dass von Kiel zur Verfügung gestellte Zuschüsse bisher nicht abgerufen wurden. Es geht um ein 100-Millionen-Euro-Programm zur energetischen Sanierung, das für finanzschwache Kommunen aufgelegt worden war. Die Stadt Pinneberg habe bislang „keinen Euro abgefordert“, so von Kalben.

Das bestätigt auch Kai Vogel, der für die SPD im Landtag sitzt und den sozialdemokratischen Ortsverein in Pinneberg führt. „Aus diesem Programm ist kein Geld in unsere Stadt geflossen“, sagt er. Er gehe davon aus, dass Anträge zeitnah auf den Weg gebracht würden. Die Stadt könne schließlich 2,1 Millionen Euro abgreifen. „Es wäre ein Desaster, wenn die nicht in Pinneberg landen.“ Vogel mahnt zugleich zur Geduld. Der von Bürgermeisterin Urte Steinberg installierte neue Fachbereichsleiter Heiner Koch, der für Schulen und Kindergärten zuständig ist, sei erst seit wenigen Monaten im Amt. Er gehe davon aus, dass Koch die nötigen Weichen stelle. Zudem sei etwas Druck aus dem Kessel genommen worden, da das Land das Förderprogramm für energetische Sanierung bis ins Jahr 20ß18 verlängert habe.

Im Schulausschuss der Stadt Pinneberg wird an diesem Mittwoch über den Sanierungsplan beraten. Die Sitzung beginnt um 18.30 Uhr im Rathaus, Bismarckstraße 8

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