Pinneberg
Kreis Pinneberg

Kritik an Einsatz von Laubbläsern wächst

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Umweltverbände im Kreis Pinneberg üben scharfe Kritik: Die Geräte schaden Mensch und Natur. Mehrere Kommunen rüsten bereits um.

Kreis Pinneberg.  Der Herbst ist da und mit ihm Laub, das Bürger und Kommunen entsorgen müssen. Diese Aufgabe lässt viele Städte, Gemeinden und Privatleute zu Laubbläsern und Laubsaugern greifen. Die Umweltverbände im Kreis üben daran scharfe Kritik, denn die Geräte sind laut Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und Naturschutzbund (Nabu) eine Gefahr für Natur und Mensch. Einige Kommunen im Kreis Pinneberg rüsten deshalb bereits um.

„Diese Geräte schädigen die Umwelt und die Gesundheit durch Lärm und Schadstoffe und stören den Naturhaushalt“, sagt Bernd Biggemann, Vorstand der BUND-Kreisgruppe Pinneberg. Der Schallpegel von mehr als 100 Dezibel entspreche der Lärmentwicklung eines Presslufthammers. Das belästige Anwohner, die Gesundheit der Bürger werde geschädigt.

Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass eine dauerhafte Lärmbelastung von 85 Dezibel und mehr zu irreparablen Hörschäden beim Menschen führen könne. Zudem würden die Bürger bei einem Einsatz solcher Geräte besonders schädlichen Abgasen wie Kohlenwasserstoff, Stickoxid und Kohlenmonoxid ausgesetzt.

„Laubgebläse und Laubsauger sind grausige Erfindungen mit viel zu hohen belastenden und zerstörerischen Effekten“, urteilt auch Uwe Langrock, Vorsitzender der Nabu-Ortsgruppe Pinneberg. Die Lautstärke, so ist er überzeugt, sei auch nicht mit geltenden Lärmschutzverordnungen vereinbar.

Nicht nur der Mensch leide unter den Maschinen. „Auch die Bodenbiologie wird durch Laubsauger gravierend beeinträchtigt“, sagt Langrock. Die lauten Laubwerkzeuge, einige Modelle haben einen eingebauten Häcksler, saugten neben den welken Blättern auch Kleintiere wie Spinnen und Insekten auf. Pflanzensamen würden ebenfalls vernichtet. „Der Einsatz von Laubbearbeitungsgeräten ist daher nicht zu tolerieren“, sagt Langrock. Die Politik solle sie verbieten.

Nabu und BUND beklagen negative Folgen für das ökologische Gleichgewicht. Laubhaufen seien wichtige Winterquartiere für Tiere wie Igel, Spinnen, Würmer, Insekten und auch Mikroorganismen. Die Laubentsorgung zerstöre wichtige Lebensräume. „Hält man der überwinternden Vegetation immer wieder diese Laubschicht fern, beginnt über die Jahre hinweg der Nährstoffmangel zu greifen“, sagt der Nabu-Ortsvorsitzende.

„Uns ist die Kritik hinsichtlich der Lärm- und Schadstoffemissionen sowie der Gefahren für die Tierwelt selbstverständlich bewusst“, sagt Thomas Kruse, Leiter des Betriebshofes in Elmshorn. Daher würden die Geräte auch „nur sehr eingeschränkt“ und lediglich auf befestigten Straßen eingesetzt.

„In der Grünpflege wird vorwiegend per Hand gearbeitet, Blasgeräte werden hier nur zur Endreinigung befestigter Flächen nach einem Grün- oder Heckenschnitt oder der Rabattenpflege genutzt“, sagt Kruse. Auf Grünflächen oder Kinderspielplätzen würden die Geräte generell nicht eingesetzt. Schreddergeräte würden gar nicht genutzt.

Auch in Wedel sind laut Verwaltung keine Schreddergeräte im Einsatz, zudem würde von Zwei- auf Viertakter und zunehmend auf Elektromotoren umgerüstet, wie Sönke Ferch von der Stadtverwaltung erklärt.

In Quickborn wird gänzlich auf Laubsauger verzichtet. Nicht nur bei den Laubbläsern, auch bei sogenannten Freischneidemaschinen werde auf Akku-Betrieb gesetzt, um die Belastungen zu minimieren, sagt Fachbereichsleiter Uwe Scharpenberg.

Ganz verzichten könne die Stadt auf die motorbetriebenen Geräte bislang aber nicht, denn nicht alle akkubetriebenen Geräte seien momentan leistungsstark genug.