Pinneberg
Kreis Pinneberg

Die Pinneberger bauen die meisten Unfälle

Mitte Mai übersah ein 85 Jahre alter Autofahrer in Quickborn das Rotlicht eines Bahnübergangs. Sein Wagen wurde vom Zug mitgeschleift

Mitte Mai übersah ein 85 Jahre alter Autofahrer in Quickborn das Rotlicht eines Bahnübergangs. Sein Wagen wurde vom Zug mitgeschleift

Foto: Feuierwehr Quickborn / FF Quickborn

Mit der Regionalklasse 8 ist der Kreis Pinneberg der Spitzenreiter in Schleswig-Holstein bei Kfz-Haftpflichtschäden.

Kreis Pinneberg.  Auf diesen Titel wird die automobile Bevölkerung im Kreis Pinneberg nicht stolz sein. So hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) den bevölkerungsreichsten Kreis erneut in die höchste Regionalklasse 8 eingestuft, die für die Pkw-Haftpflichtversicherung maßgeblich ist. Das hat zur Folge, dass der Kraftfahrzeughalter in Pinneberg etwa 20 Prozent mehr Versicherungsprämie zahlen muss, als er es für das gleiche Fahrzeug in Heide tun müsste, weil der Kreis Dithmarschen mit der Regionalklasse 1 in der niedrigsten und damit preisgünstigsten Kategorie in der Haftpflichtversicherung eingestuft ist.

In die Statistik der Regionalklassen, die der Verband jedes Jahr aufs Neue auch für Voll- und Teilkaskoschäden erhebt, flössen die verursachten Schäden der rund 45 Millionen angemeldeten Personenkraftwagen ein, erklärt GDV-Sprecherin Kathrin Jarosch. Zu dieser Schadensbilanz gehörten alle Kosten eines Unfalls vom Fahrzeugschaden bis zu Abschlepp- oder Mietwagenkosten sowie Sach- und Personenschäden, also Schmerzensgeld für verletzte Personen, Heil- und sogar die Begräbniskosten. Diese Daten würden für die jeweils letzten fünf Jahre erhoben und für insgesamt 415 Zulassungsbezirke in Deutschland berechnet.

Dabei spiele es keine Rolle, wo der Unfall passiert, sondern nur, wo das Auto angemeldet ist, betont die Verbandssprecherin Jarosch. „Wenn also ein Pinneberger in München einen Unfall verursacht, fließt das in die Schadensbilanz der Region Pinneberg ein.“

Fünf Prozent mehr Unfälle als im Bundesschnitt

Und so wirkt sich für den Kreis Pinneberg hierbei negativ aus, dass die hiesigen Autofahrer offenbar mehr Unfälle bauen als in allen anderen Kreisen in Schleswig-Holstein. Nach der GDV-Statistik liegt dieser Wert aktuell bei 70,9 Promille. Das bedeutet, dass etwa 71 von 1000 zugelassenen Fahrzeugen in den Jahren 2011 bis 2015 in einen Unfall verwickelt waren. Bei aktuell 171.495 im Kreis Pinneberg zugelassenen Pkw wären das rund 12.200 Unfallfahrzeuge in diesem Zeitraum.

Zum Vergleich: Im Nachbarkreis Steinburg liegt dieser Wert nur bei 61,1 Promille, was dort zur Einstufung in die zweitniedrigste Haftpflichtklasse 2 führt. Bundesweit beträgt der Wert 63,7 Promille. Pinneberger verursachen fünf Prozent mehr Unfälle als im Bundesdurchschnitt, während Steinburger 13 Prozent darunter liegen.

Im Durchschnitt entstehen bei jedem Unfall im Kreis Pinneberg 3068 Euro Kosten, woraus sich mit der Unfallhäufigkeit der Schadensbedarf für die Kfz-Versicherungen ergibt. Im Kreis Pinneberg liegt der aktuell bei 217,50 Euro für jedes versicherte Fahrzeug. In Itzehoe beträgt der Bedarf nur 180,80 Euro, in ganz Deutschland 207 Euro. „Für die Versicherungen ist es die entscheidende Kennzahl“, erklärt Verbandssprecherin Jarosch. „Sie bedeutet, dass sie bei jedem versicherten Fahrzeug eines Pinnebergers mit 217,50 Euro Haftpflichtkosten jährlich rechnen muss.“

Zwar wären die Daten des Verbandes unverbindlich für die Versicherungen, gleichwohl werden sie von allen angewandt. „Die Provinzial übernimmt die Regionalklassen des GDV sowohl für Neuverträge als auch für bestehende Verträge“, sagt deren Sprecherin Bärbel Reichelt. Das gelte auch für den Branchen-Primus HUK Coburg, der allein mehr als zehn Millionen Fahrzeuge versichert hat, wie Sprecher Stefan Eichhorn sagt.

Wie sich diese landesweit höchste Haftpflichtklasse für die Pinneberger konkret auf die Versicherungstarife auswirkt, rechnet Jan Müller-Tischer von der Itzehoer Versicherung am Beispiel eines VW Golf V vor. So müsste ein Autofahrer mittleren Alters, der zehn Jahre lang keinen Unfall hatte und 20.000 Kilometer im Jahr fährt, im Kreis Pinneberg 458 Euro in der Teilkasko und 750 Euro in der Vollkasko pro Jahr zahlen. In Dithmarschen wären dies 388 Euro (18 Prozent weniger) und 660 Euro (14 Prozent weniger).

Pinneberger fahren noch günstiger als die Hamburger

Immerhin fährt der Pinneberger dabei günstiger als der Hamburger, der im Schnitt über 20 Prozent mehr Unfälle verursacht als der Bundesbürger und somit in der allerhöchsten Regionalklasse 12 liegt. Dort würde dieser Golffahrer 540 beziehungsweise 922 Euro an die Itzehoer Versicherung zahlen müssen. Da in die Versicherungsprämien außer dem Alter und dem Schadensfreiheitsrabatt die Typklasse des versicherten Fahrzeugs einfließt, wobei die Versicherungen die Schadensbilanz von 27.000 verschiedenen Modellen unterscheiden, bringt es ein Versicherungsvertreter auf den Punkt. „Am teuersten ist es zurzeit, einen Land-Rover in Hamburg versichern zu lassen.“