Pinneberg
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Sie ist die Neue an Pinnebergs Beckenrand

Birgit Vollmar ist die Neue am Beckenrand ins Pinnebergs Hallenbad, das bis Mitte November saniert wird

Birgit Vollmar ist die Neue am Beckenrand ins Pinnebergs Hallenbad, das bis Mitte November saniert wird

Foto: Andreas Daebeler / HA

Birgit Vollmar ist neue Bäderchefin und glaubt an die Zukunft der Schwimmhalle, die bis Mitte November saniert wird.

Pinneberg.  Ein Rentner zieht gemütlich seine Bahnen. Aus der Ecke des Beckens schallt Kinderlachen herüber. Birgit Vollmar sitzt auf einem Startblock. Sie ist die Neue am Beckenrand, hat den Job als Bäderchefin in Pinneberg im Sommer angetreten. Und Vollmar ist die Nachfolgerin eines echten Urgesteins. Arno Nicolaisen, der 32 Jahre lang in Pinneberg die Badehose anhatte, war mit 65 Jahren in den Ruhestand gegangen. „Er kommt ab und zu noch zum Schwimmen vorbei“, sagt Vollmar. „Dieses Bad war ja auch so etwas wie sein Baby.“

Birgit Vollmar ist geprüfte Schwimmleiterin. Nach ihrer Ausbildung in Elmshorn arbeitete sie dort und dann viele Jahre in Barmstedt. Langjährige Stammgäste in Pinneberg kennen die zweifache Mutter aus einem kurzen Vertretungsgastspiel vor einigen Jahren. Künftig ist sie, die sich als „Frau Bademeister“ vorstellt, dafür verantwortlich, die in den vergangenen Jahren immer wieder in Frage gestellte Zukunft des Pinneberger Bads zu sichern. Dass es dabei nur darum geht, das vorhandene Defizit von rund einer Million Euro pro Jahr in Grenzen zu halten, daraus macht die neue Chefin von 18 Angestellten und einem Azubi kein Geheimnis. „Wir stehen noch vergleichsweise gut da“, sagt Vollmar. Schließlich sei Pinneberg kein Spaßbad. Die 50-Meter-Bahn sei durchaus ein Pfund, mit dem gewuchert werden könne. Von halbherzigen Investitionen hält die neue Chefin nichts: „Es reicht nicht aus, mal kurz eine Rutsche zu in-stallieren.“ Wer etwa eine Saunalandschaft anbieten wolle, müsse richtig Geld in die Hand nehmen, um gegen die Konkurrenz in Wedel oder Norderstedt überhaupt ein Chance zu haben. Der Standort Pinneberg punkte eher mit vergleichsweise günstigen Eintrittspreisen zwischen 2,75 und 5,50 Euro und netter Atmosphäre. „Wir sind für die Pinneberger da, für Senioren, Familien und Sportler“

Eines steht für Vollmar fest: Kindern müsse auch weiterhin ermöglicht werden, das Schwimmen zu lernen. Das sei zweifellos eine gesellschaftliche Kernaufgabe. Auch Eltern seien in der Pflicht. Die fänden häufig kaum noch Zeit, ihren Nachwuchs zum Kurs zu kutschieren. „Schwimmen zu können ist lebenswichtig, das ist eine Frage der Sicherheit“, sagt die 52-Jährige.

In Pinneberg kann nur noch in der von den Stadtwerken betriebenen Halle an der Burmeisterallee geübt werden, da sich die hoch verschuldete Stadt von ihren Lehrschwimmbecken an Schulen schon vor Jahren aus Kostengründen getrennt hat. Etwa ein Drittel der 180.000 jährlichen Besucher des Hallenbads kommen über Vereine oder Schulen, die pro genutzter Schwimmbahn zahlen. Ein Sozialprojekt des Vereins Pinneberger Kinder, der sich für benachteiligte Kinder und Jugendliche in der Region einsetzt, sorgt dafür, dass auch Jungen und Mädchen aus weniger betuchten Familien an Schwimmkursen, die oft um die 100 Euro kosten, teilnehmen können. „Eine tolle Initiative“, sagt die neue Bäderchefin. Sie kenne keine Kommune mit vergleichbarem Angebot.

Eines muss Vollmar ihren Gästen ebenso zumuten wie Vorgänger Nicolaisen: In den kommenden Wochen bleibt das Pinneberger Hallenbad dicht. Es stehen dringende Sanierungsarbeiten an, für die das Becken geleert komplett werden muss. „Unsere Halle ist schließlich 40 Jahre alt“, sagt Vollmar. „Da lässt so etwas nicht vermeiden.“

Dass die Bäderleitung kein normaler Job ist, das schreckt Birgit Vollmar, die in ihrer Freizeit lieber rudert als schwimmt, überhaupt nicht. Auf mehr als 50 Stunden pro Woche schätzt sie ihre Arbeitszeit. Kürzlich musste „Frau Bademeister“ sogar nachts raus, weil eineine Spinne ihr Netz etwas ungünstig gesponnmen und darum Bewegungsmelder am Bad Alarm geschlagen hatte. Da klingelt dann das Handy der Chefin. Womit sie leben kann. „Hier ist kein Tag wie der andere, man bekommt von den Gästen viel zurück.“