Pinneberg
Kreis Pinneberg

Zu viele Katzen: Was die Menschen tun können

Brigitte Maeder, Vorsitzende des Tierschutzvereins Elmshorn und Umgebung, mit einem Jungtier. Sie unterstützt die Kastrationen

Brigitte Maeder, Vorsitzende des Tierschutzvereins Elmshorn und Umgebung, mit einem Jungtier. Sie unterstützt die Kastrationen

Foto: Anne Dewitz / HA

Wilde Katzen können kostenlos kastriert werden lassen. Aber Vorsicht: Nicht jedes streunende Tier ist auch herrenlos.

Kreis Pinneberg.  Immer wieder werden Katzen ausgesetzt. Viele kommen dann in das Tierschutzheim Elmshorn zu Brigitte Maeder (58). So auch beim jüngsten Fall in Tornesch: Im Sommer wurde eine Katze von ihren Besitzern verstoßen. Da es warm war und das Nahrungsangebot ausreichend, stromerte sie eine Zeit lang unbehelligt umher. Sie brachte vier Welpen zur Welt, die sie in einem Schuppen versteckte. Dort wurden sie erst sechs Wochen nach der Geburt von Menschen entdeckt, die das Tierheim Elmshorn verständigten. „Das Muttertier kam von allein auf uns zu, aber die Welpen sind verwildert“, sagt Brigitte Maeder, Vorsitzende des Tierschutzvereins Elmshorn und Umgebung. Nun versuchen die Mitarbeiter dort, sie noch an den Menschen zu gewöhnen. Kein leichtes Unterfangen.

Kommen die Katzen in den ersten Lebenswochen nicht in Kontakt mit Menschen, lassen sie sich nicht mehr domestizieren. „Sie müssen Zeit ihres Lebens frei leben“, sagt Brigitte Maeder. Damit sie sich nicht unbegrenzt vermehren – Katzen sind nach sechs Monaten geschlechtsreif – werden sie in einer landesweiten Aktion kastriert.

Anlässlich des Pilotprojektes konnten bislang seit Herbst 2014 insgesamt 7428 Tiere unfruchtbar gemacht werden. Allein im Kreis Pinneberg waren es 643 Katzen. In diesem Jahr können im Land etwa 2500 Katzen, die in freier Wildbahn leben, kastriert werden. Knapp 250.000 Euro werden dafür vom Umweltministerium, dem Deutschen Tierschutzbund sowie dem Landestierschutzverband Schleswig-Holstein zur Verfügung gestellt. Die Gemeinschaftsaktion wird von Tierschutzverbänden, Tierärzteschaft, Kommunaler Familie, Landesjagdverband und Land Schleswig-Holstein unterstützt.

„Die Aktion ist wirklich sehr wichtig“, sagt Brigitte Maeder. Zwar gibt es „die Fangaktionen schon seit ich denken kann“, merkt Maeder an, doch zu diesem Anlass erfahre das Schicksal der Tiere besondere Aufmerksamkeit.

Nachdem sie kastriert, geimpft und gechippt wurden, werden sie wieder an dem Ort freigelassen, wo sie eingefangen wurden. Oft schon 24 Stunden nach dem Eingriff. Den würden die Katzen schnell wegstecken, so Maeder.

In der Natur werden die Katzen nicht älter als sieben bis acht Jahre – halb so alt wie eine Hauskatze. Nicht selten sterben sie im Straßenverkehr oder an Mangelernährung: „Es gibt nicht genügend Futter. Dadurch sind die Katzen gezwungen, Müll zu fressen, werden krank und bekommen kranken Nachwuchs. Dieser leidet dann unter Parasitenbefall und Infektionen.“

Das fehlende Futter könnten sich die Katzenfänger zunutze machen: In Lebendfallen kommt das Fressen, „darauf springen alle freilebenden Katzen an“. Andere Tiere würden nur selten in diese tappen. „Eher sind es Katzen, die schon kastriert sind“, sagt Maeder. Diese erkenne man an einer dreieckigen Kerbe oder einer TH-Tätowierung am Ohr. Wer sich an der Aktion beteiligen möchte und helfen will, freilebende Katzen zu fangen, kann sich eine Falle im Tierheim leihen. Die gefangenen Tiere können zur Kastration bei einem teilnehmenden Tierarzt abgegeben werden. Allerdings ist Vorsicht vor Verwechslungen geboten: Nicht jede streunende Katze ist herrenlos. „Immer häufiger kommen weinende Besitzer zu uns, weil ihre Katze verschwunden ist. Nicht selten tauchen diese illegal bei Ebay-Kleinanzeigen zum Verkauf auf“, erklärt Maeder.

Offiziell läuft die Aktion bis Mitte November. Maeder erwartet jedoch, dass das Geld wie im vergangenen Jahr nach wenigen Tagen aufgebraucht ist. Sie appelliert aber auch an Katzenbesitzer, ihre Lieblinge unabhängig von der landesweiten Aktion kastrieren zu lassen.