Pinneberg
Gastronomie

Pinnebergs City wird zu einer Dönermeile

Abendblatt-Mitarbeiterin Sarah Stolten isst in der Pinneberger Fußgängerzone einen Döner. Zuvor hatte sie die Qual der Wahl

Abendblatt-Mitarbeiterin Sarah Stolten isst in der Pinneberger Fußgängerzone einen Döner. Zuvor hatte sie die Qual der Wahl

Foto: Alexander Sulanke / HA

5000 Beschäftigte wollen satt werden. Eine Imbiss-Welle in der Innenstadt, weil es in den Firmen keine Kantinen gibt.

Pinneberg.  Stefan Krappa steht auf dem Lindenplatz. Mitten in der Pinneberger City. So recht hat der Wirtschaftsförderer an diesem Morgen noch keinen Hunger. Wäre dem so, hätte Krappa allerdings die Qual der Wahl. Im Umkreis von 100 Metern locken mehrere Bäckereien, ein Asia-Imbiss, eine ausliefernde Pizzeria, ein „Alleskocher“ und gleich drei Gastronomen mit anatolischen Drehspießen. Spätestens seit Februar, als im Einkaufszentrum PIZ ein Kebap House seine Pforten öffnete, hat Pinneberg eine Döner-Meile. Grund genug, bei Krappa nachzufragen, wo da der richtige Branchenmix bleibt.

Und Krappa ist auf diese Frage vorbereitet. Er verweist auf die Nachfrage nach Imbissen, die zweifellos herrsche. „Kaum einer weiß, wie viele Beschäftigte es in den Unternehmen im Umkreis der City gibt“, sagt er. „Und mir ist keine Firma bekannt, die über eine Kantine verfügt.“ Daher machten sich Arbeitnehmer in die Innenstadt auf, um den schnellen Hunger zu stillen – und ließen manchen Euro in den Kassen der Gastronomen. Was die Vielfalt der Angebote angeht, macht Pinnebergs Wirtschaftförderer aus seinem Herzen keine Mördergrube: „Viel Döner, mehr Abwechslung wäre gut.“ Krappa würde sich Jungunternehmer wünschen, die Nischen besetzen. „Sandwiches, Smoothies, frische Salate – so etwas fehlt.“ Einfluss hat Pinnebergs Wirtschaftsförderer nur sehr beschränkt. Allenfalls kann er zwischen Gastronomen und Vermietern vermitteln. Für kleine Start-ups sind die Mieten häufig zu hoch – in Pinnebergs City werden noch in B-Lage weit mehr als zehn Euro pro Quadratmeter verlangt.

Krappa hat die Zahl der in Pinnebergs City beschäftigten Arbeitnehmer genau ermittelt. Dabei kam er auf die stattliche Anzahl von 5000 Arbeitnehmern. Allein bei den vier Banken in der City verließen mittags 317 hungrige Menschen ihren Schreibtisch. Die Zahl der bei Stadtverwaltung, Finanzamt und Amtsgericht tätigen Behördenmitarbeiter summiere sich auf 602. Hinzu kämen der Bereich Dienstleistung und rund 3500 Schüler, die sich in die City aufmachten, um ihren Hunger zu stillen. „Ja, Lindenplatz und Fahltskamp entwickeln sich zum Schwerpunkt, wenn es um schnelle Gastronomie geht“, sagt Krappa. Schlecht sei das jedoch nicht. „Das generiert auch für die im Umfeld ansässigen Einzelhändler Frequenz“, sagt der Wirtschaftförderer. Spontankäufe seien ein nicht zu unterschätzender Faktor für den regionalen Handel. Auch City-Manager Dirk Matthiessen ist die Dönermeile kein Dorn im Auge: „Wir sollten uns nicht beklagen, es muss darum gehen, den Interessen von jungen Menschen in der Stadt nachzukommen.“

Piz-Chef sieht sogar Potenzial für noch mehr Imbissbetriebe

Walter Steiger, der das am Lindenplatz beheimatete Einkaufszentrum Piz leitet, hat dem Kebap House eine Heimat gegeben. Der im Februar eröffnete Betrieb, der von Volkan Özdemir, Önder Karahan und Seyran Erdoganoglu geführt wird, ist der letzte Neuzugang in Pinnebergs Dönermeile. Schon jetzt planen die Inhaber eine Erweiterung des Betriebs. Außengastronomie, ein Holzkohlegrill, mehr Platz für Veranstaltungen – in Pinneberg soll investiert werden. „Wir haben nicht bereut, aus Hamburg hergekommen zu sein“, sagt Özdemir. Um sich gegen Mitbewerber durchzusetzen, seien Qualität und Herzlichkeit gefragt.

Sait Polat ist Geschäftsführer des benachbarten Deal Döner. Er räumt ein, dass der Konkurrenzkampf um die Geldbörsen der Geschäftsleute und Schüler in der City ordentlich Fahrt aufgenommen hat. „Das spielt schon ein Rolle, wir müssen versuchen, konkurrenzfähig zu bleiben“, sagt er. Ehrlichkeit und Qualität setzten sich langfristig durch. „Wir konzentrieren uns auf unser Geschäft.“ Das tut auch Volkan Özdemir vom Mitbewerber im Piz. Von einem drohenden Döner-Krieg könne keine Rede sein. Ab und an werde mal gelästert. „Aber die Mitarbeiter der anderen Imbisse kommen auch zu uns zum Essen.“

In Pinnebergs City gebe es sogar Potenzial für weitere Gastronomie, sagt Steiger, in dessen Piz auch die Wirtschaftsakademie mit vielen hungrigen Mitarbeitern untergebracht ist. „Der Kebap-Laden bei uns brummt.“ Wettbewerb sei gut. Qualität werde sich durchsetzen. Die Abwanderung der Kreisverwaltung 2011 nach Elmshorn habe auf die Gastronomie keineswegs so negativ durchgeschlagen, wie das zunächst befürchtet worden war. Der Kreis ist nun in einem Gewerbegebiet beheimatet. Die zahlreichen Dönerläden in der Elmshorner City profitieren davon übrigens nicht – der Weg zu ihnen ist viel zu weit.