Pinneberg
Theater

Quickborner Speeldeel glückt Verjüngungskur

Foto: Bibi Maaß / HA

Das Amateurtheater legt mit jungen Nachwuchskräften eine Basis für seine Zukunft und begeistert mit diesen auch das Publikum.

Quickborn.  Die niederdeutschen Amateur-Bühnen sind im Kreis Pinneberg und weit darüber hinaus Institutionen. Seit Jahrzehnten bereichern sie das kulturelle Leben kleiner und großer Gemeinden. Aber wie lange noch?

Immer weniger Menschen verstehen Plattdeutsch, noch weniger können es aktiv sprechen. Die Theater-Vereine stehen somit vor zwei Problemen: Das Publikum wird immer älter, und es ist schwer, schauspielerischen Nachwuchs zu gewinnen. In Quickborn hat sich die Speeldeel darum eine Verjüngungskur verordnet. Bereits vor Jahren wurde eine Jugendgruppe gegründet – mit Erfolg. Die inzwischen jungen Erwachsenen bereichern jetzt das Speeldeel-Ensemble und lernen für die Bühne Plattdeutsch.

Wie jung die Quickborner Speeldeel durch diese Kur geworden ist, durften die Zuschauer des Herbststücks „Rommé to drütt“ von Petra Blume erleben. Die Nachwuchs-Mimen Rahel Dorra (26) und Maja Hennings (35), beide aus der Jugendgruppe hervorgegangen, brillierten in ihren Rollen. Dorra spielte herrlich natürlich und unverkrampft eine junge Frau. Hennings musste sich in eine alte Dame verwandeln und tat dies so überzeugend, dass wohl kaum einer im Publikum ihr tatsächliches Alter erraten hätte.

Nicht das erste Mal standen die beiden jungen Schauspielerinnen gemeinsam mit „älteren Hasen“ des Quickborner Ensembles auf der Bühne. Ganz neu war allerdings, dass auch die Regie in junge Hände gelegt worden war. Mit erst 27 Jahren gab Mirella Maaß ihr Debüt als Regisseurin. Ein Experiment, dass der Vorsitzende Jens Rapude in seiner Begrüßungs-Rede als „Welt-Uraufführung“ bezeichnete. Es war ihm anzumerken, wie stolz und erleichtert er war, dass dieses Experiment mehr als gut funktioniert hatte.

Nur ein männlicher Darsteller wirkt in dem Stück mit

Denn die Inszenierung des Stücks „Rommé to drütt“ hatte durchaus ihre Tücken. Die Herausforderung im ersten Akt lag darin, dass drei ältere, gelangweilte Kartenspielerinnen (Regina Dwinger, Ilse Dorra und Maja Hennings) nur am Tisch zu sitzen und zu klönen hatten. Diese Szene meisterten die Mimen hervorragend, legten den Fokus auf ihren jeweiligen Charakter und bewiesen Spielwitz. Die Besetzung der Rollen mit Regina Dwinger als Oma Herta und Ilse Dorra als ihre Karten-Freundin Agnes war sehr gut gewählt. Das belohnten die Zuschauer im zweiten Akt, als das Stück so richtig Fahrt aufnahm, mit Szenen-Applaus.

Die gelangweilten Rommé-Spielerinnen kommen auf die Idee, eine Bank zu überfallen, um mit der Beute das heimische Altenheim finanziell zu unterstützen. Dazu verkleiden sie sich als Männer. Der einzig echte Mann im Stück, Peter Lange als Norbert, konnte schließlich als falscher Kommissar glänzen.