Pinneberg
Pinneberg

Nach Bus-Drama: Frau erhält Entschädigung

Ein Vertreter der VHH hat Anne-Marie Ackermann Informationsmaterial im Haus gelassen

Ein Vertreter der VHH hat Anne-Marie Ackermann Informationsmaterial im Haus gelassen

Foto: Andreas Daebeler / HA

Die Verkehrsgesellschaft VHH räumt nach dem Sturz einer 86-jährigen Pinnebergerin ein Fehlverhalten des Busfahrers ein.

Pinneberg.  Anne-Marie Ackermanns „Horn“ ist immer noch zu sehen. So nennt sie selbst die Schwellung überm rechten Auge, die von einem heftigen Sturz herrührt. Mitte August war die 86-Jährige durch den Gang eines Busses der Linie 549 geschleudert worden, hatte sich später mit schweren Verletzungen und dem Verdacht auf ein Blutgerinsel im Krankenhaus wiedergefunden.

Ackermanns Vorwurf, der Busfahrer habe keine Hilfe angeboten, hatten die zuständigen Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) zunächst infrage gestellt. Nachdem das Abendblatt über den Fall berichtetet und sich Zeugen gemeldet hatten, kann die 86-Jährige jetzt mit einer Entschädigung rechnen. „Ja, wir wollen den Schaden regulieren“, sagt Martin Beckmann, Sprecher der VHH. „Das kann aber noch etwas dauern, die Mühlen mahlen nicht so schnell“, wirbt er um Geduld.

Rückblick: Es ist 9.35 Uhr am 17. August, als die 86-Jährige am Mittelkamp in Pinneberg den Bus der Linie 594 besteigt. Sie will nach Wedel, hat dort einen Arzttermin. Kurz darauf liegt sie auf dem Boden des Mittelgangs. Gestürzt, womöglich wegen einer plötzlichen Bremsung.

Genau weiß sie das hinterher nicht mehr. Die Erinnerung an den Sturz ist der Seniorin abhandengekommen. Was sie noch weiß: dass hilfsbereite Fahrgäste sich nach dem Unfall um sie kümmerten. Der Busfahrer nicht, sagt sie. Der habe nicht angeboten, einen Arzt zu rufen.

Die zuständigen VHH stellen die Darstellung der Seniorin zunächst infrage. Sprecher Beckmann lässt vernehmen, dass der aus Quickborn stammende Busfahrer angehalten habe, nachdem die Frau im vorderen Teil des Busses gestürzt sei. Er habe die Leitstelle informiert und sei auch erst weitergefahren, als klar gewesen sei, dass sich Fahrgäste um die Frau kümmerten. Der Fahrer habe zudem nach eigenen Angaben mehrmals gefragt, ob er einen Rettungswagen rufen solle. Dies habe die alte Dame allerdings verneint. Beckmann empfahl der 86-Jährigen, an einem speziellen Training für Senioren teilzunehmen, dass die VHH anböten.

Zwei Zeuginnen, die mittlerweile auch mit der Geschädigten in Kontakt stehen, meldeten sich später, um der Darstellung der VHH zu widersprechen. Die Behauptung, der Busfahrer habe sich um die gestürzte Pinnebergerin gekümmert, verwiesen sie ins Reich der Fabel. Ein Rettungswagen sei nie angeboten worden.

VHH-Sprecher Beckmann hat sich nicht nehmen lassen, der 86-Jährigen inzwischen selbst einen Besuch abzustatten. „Mit einem riesigen Blumenstrauß“, wie Anne-Marie Ackermann betont. Videoaufnahmen aus dem Bus seien mittlerweile ausgewertet worden. „Allerdings verfügen Mitschnitte nicht über einen Ton“ so Beckmann. Somit sei die genaue Rekonstruktion des Vorfalls nur bedingt möglich.

Klar sei mittlerweile, dass der Bus gebremst habe, als die Seniorin im Gang unterwegs gewesen sei. Ob der Mann hinterm Lenkrad angeboten hat, einen Rettungswagen zu rufen, sei mit dem Video nicht abschließend zu klären. Richtig sei allerdings, dass zumindest ein Zeuge sich bei den Verkehrsbetrieben darüber beklagt habe, dass eben dieses Angebot ausgeblieben sei.

Dass der Busfahrer sich nicht vollkommen korrekt verhalten hat, räumt Beckmann ohnehin ein. „Er hätte mit der Frau aussteigen können, um sich nach deren Befinden zu erkundigen.“ Das sei nicht geschehen. „Mehr Fingerspitzengefühl wäre in diesem Fall angebracht gewesen“, sagt Beckmann. Das sei dem verantwortlichen Mann am Steuer auch klargemacht worden. „Der Fall wird in künftigen Schulungen für Busfahrer eine Rolle spielen.“

Hausärztin von der Schweigepflicht entbunden

Die Kleidung voller Blut, die Brille kaputt, Taxifahrten zum Arzt – Anne-Marie Ackermann sind wegen des Sturzes im 594er Kosten entstanden. Die Verkehrsbetriebe sind für solche Fälle versichert. Die 86-Jährige hat ihre Hausärztin von ihrer Schweigepflicht entbunden, ihre Stellungnahme liegt den VHH vor. „Diese Unterlagen werden jetzt der Versicherung zugestellt.“ Er sei sicher, dass dann eine gütliche Einigung folge. Und auch das markante „Horn“ dürfte dann von der Stirn Anne-Marie Ackermanns verschwunden sein.