Pinneberg
Marketing

Provinz? Wie Pinneberg sich gegen Schnapswerbung wehrt

Das ist die Antwort des Pinneberger Stadtmarketings auf die Werbung von Fernet Branca

Das ist die Antwort des Pinneberger Stadtmarketings auf die Werbung von Fernet Branca

Foto: Gruppe drei / HA

Ein Schnapshersteller nutzt angekratzten Ruf der Stadt für Werbung. Doch das Pinneberger Stadtmarketing kontert die Aktion geschickt.

Pinneberg.  Schwarzer Hintergrund. Eine Flasche. Offenkundig Alkohol. Daneben zwei kurze Sätze. „Endlich wirst du befördert. Und versetzt nach Pinneberg.“ Ergänzt um den Slogan „Life is bitter.“ Bitter sei das Leben zuweilen also. Wie das Getränk, um das es geht. Seit Mittwoch spricht Pinneberg über die Werbung des Schnapsherstellers Fernet-Branca, der in seiner aktuellen Kampagne mit dem fragwürdigen Image der Kreisstadt spielt. In den sozialen Netzwerken wird die zunächst übers Internet verbreiteten Anzeige kräftig geteilt und kommentiert.

Eine Kampagne auf Kosten der Stadt Pinneberg? Wirtschaftsförderer Stefan Krappa entlockt das zunächst ein genervtes Stöhnen. „Och nee, was soll das denn jetzt?“, fragt er. Um nach kurzer Überlegung nachzusetzen: „Ach, das halten die Pinneberger aus.“ Auch bei den fürs Stadtmarketing Verantwortlichen ist die PR-Aktion der Schnapswerber kein Grund für einen anhaltenden Kater. Citymanager Dirk Matthiessen: „Das verletzt mich nicht. Das trifft mich nicht. Ich kann sehr gut darüber lachen.“

Matthiessen war es gewesen, der vor etwas mehr als zwei Jahren eine PR-Kampagne angeschoben hatte, um das angekratzte Image der Kreisstadt aufzupolieren. Mit dem Slogan „Wir können auch anders“ hatte die vom Citymanager beauftragte Agentur Gruppe Drei in ihrer kontrovers diskutierten Kampagne auch auf Provokation gesetzt. Bürgermeisterin Urte Steinberg hatte gar als Punkerin posiert. „Wenn sich nun sogar eine Weltmarke mit Pinneberg befasst, ist das doch eine gute Sache“, so Matthiessen mit einem Augenzwinkern.

Auch Carolin Doderer von der Gruppe Drei verspürt nach dem kräftigen Schluck aus der Pulle der Schnapswerber keinen „Brand“. Ganz im Gegenteil. „Pinneberg wird auf diesen Zug aufspringen, wir gehen mit der Kampagne charmant um“, so Doderer. Wie das aussieht, lässt Doderer ab Mittwochnachmittag aus dem Sack. Nach enger Abstimmung mit dem Stadtmarketing geht eine von ihrer Agentur umgestaltete Fernet-Branca-Anzeige raus, bei der der Rotstift angesetzt wurde. Vom Text ist nur noch „Endlich Pinneberg“ geblieben. Ergänzt um den ebenfalls abgewandelten Slogan „Life ist better“. Ein besseres Leben also – an der Pinnau. Wirtschaftförderer Krappa: „Eine passende Replik.“

Vertrieben wird die Marke Fernet Branca in Deutschland von dem Hamburger Unternehmen Borco, das jede Menge Hochprozentiges im Angebot hat. Eine Mitarbeiterin der Firma bestätigte am Mittwoch auf Abendblatt-Anfrage, dass die Pinneberg gewidmete Anzeige aus ihrem Hause stammt. Einzelheiten zu der Kampagne würden nur nach Anfrage per E-Mail beantwortet. Antworten auf die nunmehr schriftlich gestellten Fragen – etwa, ob man sich Pinneberg überhaupt mal angesehen habe – blieb das Unternehmen bis Mittwochabend schuldig.

Den Marketingexperten beim Schnapshersteller dürfte die binnen Stunden kreierte Antwort aus Pinneberg jedenfalls zupasskommen, schließlich ist auch auf der überarbeiteten Version das angepriesene Produkt zu erkennen. Darauf, den Schnaps unkenntlich zu machen, wurde verzichtet. Geht es um das Kernziel von Werbung, haben die Verantwortlichen also zweifellos einen Coup gelandet. Der italienische Kräuterschnaps ist in Pinneberg in aller Munde.

Mit der Grundidee hinter der Fernet-Branca-Kampagne kann Carolin Doderer übrigens durchaus etwas anfangen. „Die Idee ist an sich gut.“ Allerdings sei der Pinneberg-Bezug doch etwas beliebig. „Dergleichen funktioniert auch mit etlichen weiteren Städten am Rande einer Metropole“, sagt die PR-Strategin, deren Agentur in Baden-Württemberg beheimatet ist. „Bei uns etwa mit Heidenheim“, sagt Doderer weiter.

Und wer ein wenig recherchiert, der stellt fest, dass die Schnapsverkäufer tatsächlich nicht nur Pinneberg durch den Kakao ziehen. Duisburg, Chemnitz, Offenbach – lauter Städte, in die es nach Ansicht der Autoren des Slogans offenbar nicht lohnt, befördert zu werden. Und die derzeit mit demselben Slogan verulkt werden.

Pinneberg und sein Image als hinterwäldlerisches Nest – das ist ein immer wieder gern bespieltes Feld. Selbst in der Region verwurzelte Promis wie der Fernsehkoch Tim Mälzer können nicht davon lassen, ihrer Heimat zuweilen öffentlich einen einzuschenken und mit spöttischen Bemerkungen beim Rest der Republik zu punkten. Satirikern dient die Kreisstadt gern mal als Inbegriff aller Provinzialität, wie kürzlich in der Jubiläumssendung des NDR-Magazins Extra 3 zu beobachten. Moderator Christian Ehring beschrieb die Reise nach Pinneberg als Steigerung einer Fahrt zur Hölle. Ein Kalauer, der das Publikum begeisterte.

Matthiessen hat eine Meinung zu solchen kleinen Gemeinheiten auf Kosten Pinnebergs. Der Citymanager sagt: „Auseinandersetzung ist in jedem Fall besser, als ein schlechtes Image totzuschweigen.