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Es gibt auch ein Leben nach der Castingshow

Vanessa Rojas aus Tornesch schaffte es 2014 unter die Top 10 der DSDS-Kandidaten. Heute arbeitet sie als Erzieherin im Kinder- und Jugendzentrum JottZett ihrer Heimatstadt

Vanessa Rojas aus Tornesch schaffte es 2014 unter die Top 10 der DSDS-Kandidaten. Heute arbeitet sie als Erzieherin im Kinder- und Jugendzentrum JottZett ihrer Heimatstadt

Foto: Anne Dewitz / HA

Vanessa Rojas aus Tornesch arbeitet nach der Teilnahme bei DSDS wieder in ihrem alten Beruf. Doch sie hält am Musiker-Traum fest.

Kreis Pinneberg.  „Beim Auftritt der DSDS-Kandidatin Vanessa Rojas...“: Mehr als zwei Jahre nach ihrer Teilnahme an der RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) mag Vanessa Rojas diesen Satz nicht mehr lesen oder hören. Die Tornescherin möchte als ernsthafte Musikerin verstanden werden. Doch die Teilnahme an der Gesangstalentshow steht dem paradoxerweise im Wege.

Dass sie singen kann, bewies die 25-Jährige mehr als einmal. Davon überzeugte sie in der elften Staffel unter anderem Juror Dieter Bohlen und schaffte es unter die besten Acht. Dann flog sie raus und von Kuba, Schauplatz des sogenannten Recall, zurück in ihre Heimatstadt Tornesch. Von jetzt auf gleich, ohne Nachbetreuung durch Sender oder Agentur. „Am liebsten hätte ich mich erst mal verkrochen, um das Erlebte sacken zu lassen.“

Doch andererseits wollte die junge Frau ihre Bekanntheit nutzen, um ihre musikalische Karriere voranzutreiben. Sie arbeitete mit Hochdruck an neuen Songs, reiste für Auftritte durch Deutschland und nach Mallorca. Die Beziehung zu ihrem damaligen Freund hielt das nicht aus. Trotz der Opfer blieb der Erfolg aus. „Es folgten zwei Jahre mit Höhen und Tiefen“, sagt die Tornescherin.

Heute gehe es ihr wieder gut. Privat ist sie wieder in festen Händen, beruflich passt es auch. Die Erzieherin ist seit einem Jahr bei der Stadt Tornesch angestellt, arbeitet im Jugendzentrum JottZett mit Kindern und Jugendlichen zusammen. „Viele von ihnen träumen
davon, bei einer Castingshow mitzumachen“, sagt Vanessa Rojas. Davon rät sie ab, versucht, ihnen zu verdeutlichen, wie wichtig Schule und Ausbildung sind und dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Sie selbst hatte ihren Job im Kindergarten 2014 hingeschmissen. „Die Aufnahmen für die Show zogen sich beinahe ein Jahr hin. Das macht kein Arbeitgeber mit“, sagt sie.

Die letzten zwei Jahre seien eine Achterbahn der Gefühle gewesen, hätten sie aber auch stark gemacht. Doch ohne Familie und Freunde wäre es schwer geworden, in den Alltag zurückzufinden. Sie ist ihren Eltern dankbar, dass sie sie davon abgehalten haben, sich schon als 16-Jährige bei einer Castingshow zu bewerben. „Als so junger Mensch hätte ich den Rummel gar nicht verkraften können.“

Vanessa Rojas verteufelt weder RTL noch das Sendeformat. Aus heutiger Sicht würde sie aber nicht noch einmal an einer Castingshow teilnehmen. „Die Musikbranche nimmt dich danach nicht mehr ernst.“ Dabei hatte sie so viele Ideen. „Es ist schwierig, konstant dabei zu bleiben, wenn man durch den DSDS-Stempel ausgebremst wird“, sagt sie. Radiosender würden sich sogar weigern, die Songs der Sieger zu spielen. Manchmal glaubte sie sich kurz vor dem Durchbruch, wurde dann wieder enttäuscht. Verbiegen ließ sie sich für den Ruhm aber nicht. Schlager zu singen komme für sie nicht infrage, ebenso wenig Formate wie „Dschungelcamp“ oder „Big Brother“. Eine solche Anfrage hatte es gegeben. „Mein Ziel ist es nicht, um jeden Preis berühmt zu werden, sondern Musik zu machen.“

Auch wenn sich ihr Traum, von der Musik leben zu können, bislang nicht erfüllt hat, so ist sie durch DSDS ihrem Ziel auch ein Stück näher gekommen. Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen macht ihr Freude und bietet Freiräume, die Musik auszuleben. Sie tritt auf Benefizkonzerten und Hochzeiten auf, gibt an der VHS Gesangsunterricht. Mit dem Sänger Zcalacee hat sie den Song „Ewigkeit“ veröffentlicht. Das Video wurde mehr als 280.000-mal aufgerufen. Und sie arbeitete schon an einer neuen Single. Aufgeben kommt für Vanessa Rojas eben nicht infrage. Dafür sei sie zu sehr Kämpferin.