Pinneberg
Schenefeld

Einkaufen, während das Elektro-Auto auflädt

Udo Bottländer (Hansewerk, v. l.), Staatsrat Andreas Rieckhof, Landrat Oliver Stolz und Bürgermeisterin Christiane Küchenhof

Udo Bottländer (Hansewerk, v. l.), Staatsrat Andreas Rieckhof, Landrat Oliver Stolz und Bürgermeisterin Christiane Küchenhof

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Am Stadtzentrum Schenefeld wird die erste Elektro-Tankstelle eines bundesweiten Modellprojekts eingeweiht. 50 weitere sollen folgen.

Schenefeld.  Elektroautos sind umweltfreundlich – aber auch schwer verkäuflich. Um das zu ändern, werden mit Millionenaufwand Strom-Tankstellen geschaffen. 50 entstehen im Rahmen des Bundesmodellprojektes „HansE“. Die erste wurde am Mittwoch eröffnet – und zwar in Schenefeld.

Standort ist der südöstliche Parkplatz des Stadtzentrums Schenefeld an der Industriestraße. Dort können zwei E-Autos gleichzeitig mit Wechselstrom geladen werden, pro Ladepunkt werden 22 Kilowatt Leistung bereitgestellt. „Ich freue mich, dass wir als Erste ausgewählt worden sind“, sagte Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof. Die Elektro-Tankstelle passe wunderbar ins Konzept der Stadt, die sich seit 2015 als energieeffiziente Kommune bezeichnen darf. „Für uns und für das Stadtzentrum ist das eine Win-win-Situation, weil etwas für die Umwelt getan wird und die Autobesitzer gemütlich einkaufen gehen können, während ihr Fahrzeug auflädt.“

300 Millionen Euro steckt das Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (BMVI) ab 2017 bundesweit in ein Netz von derartigen Ladesäulen. „Wir sehen in der Verfügbarkeit einer nutzerfreundlichen und leistungsfähigen Infrastruktur den Schlüssel für eine erfolgreiche Entwicklung der Elektromobilität“, sagte BMVI-Vertreter Klaus Bonhoff, dessen NOW GmbH das Programm auf Bundesebene koordiniert.

1,6 Millionen Euro vom BMVI fließen in das Bundesmodellprojekt „HansE“. Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH) übernimmt die wissenschaftliche Begleitung, damit die Projektergebnisse später auf andere Regionen übertragen werden können. Die Experten der Hochschule haben auch die 50 Standorte in der Metropolregion Hamburg ausgewählt. „Die Säulen müssen da platziert werden, wo die Nutzer sind“, sagt Peter Lindlahr von HY Solutions, einem Projektpartner von „HansE“. Das Stadtzentrum Schenefeld sei daher ideal. Weitere Standorte werden in den nächsten Monaten sukzessive folgen.

„Wir als Großstadtregion stehen vor riesigen Herausforderungen“, sagte Andreas Rieckhof, Staatsrat in Hamburgs Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation und Vorsitzender des Lenkungsausschusses der Metropolregion. Angesichts ständiger Verschärfungen der Grenzwerte für Luftqualität durch die EU setze Hamburg nicht auf Fahrverbote oder Umweltzonen, sondern auf einen starken Zuwachs an umweltfreundlichen Fahrzeugen. „Wir müssen den Umstieg auf E-Autos schaffen“, so Rieckhof. Gerade in der Metropolregion sei der Einsatz derartiger Fahrzeuge attraktiv.

„Elektromobilität sollte nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein“, sagte Landrat Oliver Stolz. Zehn Prozent der Dienstwagen der Kreisverwaltung seien bereits reine E-Autos. „Mein Ziel ist es, daraus 50 Prozent zu machen“, so Stolz. Nun müsse es so schnell wie möglich gelingen, auch die Bevölkerung dafür zu begeistern.

Damit das gelingt, stammt der Strom aus den 50 „HansE“-Ladesäulen zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien und ist bis Ende 2017 gratis. Dafür sorgen E.on Hanse und ihr Netzbetreiber Hansewerk als Projektpartner. „Ich hoffe sehr, dass die Ladesäulen intensiv genutzt werden“, so Udo Bottländer, Vorstand von Hansewerk.

Neben dem Bund gibt auch das Land Schleswig-Holstein Geld zum Ausbau der E-Mobilität. Das mit 350.000 Euro dotierte Programm war bereits kurz nach dem Start im Sommer 2016 überzeichnet. Nach einer Erweiterung können nun 65 Ladesäulen in 34 Kommunen finanziell gefördert werden. Dazu soll auch eine Schnellladesäule für bis zu vier Elektroautos auf dem Gelände von Möbel Schulenburg an der A 23 in Halstenbek gehören.

Das Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel aus Berlin hat im Herbst 2015 die Studie „Elektromobilität in Schleswig-Holstein“ herausgegeben, in der 100 Standorte mit dem größten Potenzial zur Errichtung von Ladeinfrastruktur im nördlichsten Bundesland ermittelt wurden. Sie befinden sich in den kreisfreien Städten und vor allem auch am Hamburger Rand.