Pinneberg
Straßenverkehr

So gut sind Fahrschüler im Kreis Pinneberg

Fahrlehrer André Mehlhorn von der Fahrschule NiceDrive in Pinneberg und Fahrschülerin Maria Oberreiter üben die Bedienung der zahlreichen Funktionen des Autos

Fahrlehrer André Mehlhorn von der Fahrschule NiceDrive in Pinneberg und Fahrschülerin Maria Oberreiter üben die Bedienung der zahlreichen Funktionen des Autos

Foto: Max Weinhold / HA

Nicht mal jeder Vierte fällt durch die praktische Prüfung. Ausbilder wundert nicht, dass Nachbarstadt Hamburg schlechter abschneidet.

Kreis Pinneberg.  „Den Blinker an! Hier links abbiegen! Gefahrenbremsung!“ Die Anweisungen von Fahrlehrer André Mehlhorn (31) fliegen Maria Oberreiter geradezu um die Ohren. Sie ist 18 Jahre alt, hat vor kurzem ihr Abitur bestanden und ist im klassischen Alter, um den Führerschein zu machen.

Die junge Frau sitzt schon sehr souverän hinter dem Lenkrad des schwarzen 1er-BMW und geht voller Zuversicht in die bald anstehende Fahrprüfung. Das kann sie auch frohen Mutes tun, denn als Kreis-Pinnebergerin hat sie zumindest statistisch gesehen ziemlich gute Karten. Seit 2010 haben mehr als 76 Prozent der Fahrschüler aus dem Kreis bestanden.

Damit erreicht der Kreis Pinneberg eine wesentlich bessere Quote, als die Nachbarstadt Hamburg sie aufzuweisen hat. Wie das Hamburger Abendblatt kürzlich berichtete, fallen in der Hansestadt in der praktischen Prüfung mehr als 40 Prozent durch. Und auch in der Theorie sieht es nicht gerade rosig aus: Die Durchfallquote liegt in diesem Bereich bei 31 Prozent.

Die schlechtesten Fahrschüler im Land sind die Kieler

Solch schlechte Zahlen hatten in den vergangenen fünf Jahren kein einziger Kreis und keine kreisfreie Stadt in Schleswig-Holstein zu vermelden. Während Kiel mit jeweils knapp 30 Prozent einsames Schlusslicht der Tabelle ist, sind beispielsweise Flensburg, Neumünster und Rendsburg-Eckernförde stets deutlich besser unterwegs. Dort liegt die Erfolgsquote durchgehend in der Nähe der 80 Prozent.

Aber zurück nach Pinneberg: Seit dem Jahr 2010 pendelt der Kreis zwar zwischen Platz zwei und zehn der elf Kreise und vier kreisfreien Städte, stand jedoch immer wesentlich besser da als der südliche Nachbar. Selbst im schwächsten Jahr lag die Quote der bestandenen Prüfungen bei knapp über 75 Prozent.

Doch wieso sind die Pinneberger Fahrschüler so viel erfolgreicher als die in Hamburg?

Das liege vor allem an den einfacheren Grundvoraussetzungen im Land Schleswig-Holstein, sagt Michael Kurtz von der Fahrschule Golchert & Kurtz in Pinneberg. „Hier gibt es noch ein geordnetes Miteinander.“ Es werde einfach ganz anders kommuniziert. „Wenn hier vor der Prüfung noch jemand eine wichtige Frage hat, dann kann er zur Not bei seinem Fahrlehrer anrufen und sich Hilfe holen.“ Das sei in einer Großstadt schwieriger, weil dort die Vielzahl der Prüflinge, die nicht immer regelmäßig kämen, eine vernünftige Zusammenarbeit zwischen Lehrer und Schüler oft erschwerten. Auch die Sprachbarriere könne in der Multikulti-Metropole eine Rolle spielen, fügt er hinzu.

Das würde die schwächeren Ergebnisse zumindest teilweise erklären. Trotzdem sind diese bedenklich: „Bei Zahlen wie in Hamburg würde bei uns sofort das Straßenverkehrsamt vor der Tür stehen und unsere Arbeit auf den Prüfstand stellen“, ist sich der Pinneberger sicher.

Ähnlich bewertet auch Oliver Löding, Chef der Pinneberger Fahrschule NiceDrive, die Situation im Kreis. Für den vergleichsweise höheren Erfolg bei praktischen Prüfungen kennt er aber noch einen weiteren Grund: Die Straßen des Kreises sind weniger frequentiert und kleiner als in der Hansestadt. „In Wedel gibt es ja zum Beispiel kaum mehrspurige Straßen, das ist dann eben einfacher.“ Außerdem habe man hier im Gegensatz zu Hamburg „noch genügend funktionierende Autobahnen, die nicht so verengt und voller Baustellen sind. Das kommt im Ernstfall der Prüfung den Prüflingen entgegen“.

Abgeklärt und ruhig nimmt die Abiturientin Oberreiter die Auffahrt zur A 23. Bei Uetersener Fahrschülern falle sogar die Autobahn ganz aus der Prüfung. „Der Weg dorthin nimmt in einigen ländlichen Gegenden so viel Zeit in Anspruch“, merkt André Mehlhorn an, einer von fünf Fahrlehrern in Lödings Schule, „dass man es in 90 Minuten Prüfzeit gar nicht schafft“.

In Hamburg dauert die Ausbildung bis zu einem Jahr

Aber auch grundsätzlich unterscheide sich die Situation. In Hamburg dauere es oftmals schon mehrere Wochen, bevor überhaupt ein Termin zur Anmeldung für die Prüfungen ausgemacht werden könnte. „Wir hingegen haben kürzlich eine Schülerin in einem Monat komplett ausgebildet“, sagt Löding. Auch bekomme man hier sofort einen Platz, ohne sich in eine lange Warteliste bei der Fahrschule eintragen zu müssen.

So ziehe sich die Fahrausbildung bei Hamburgern nicht selten über ein ganzes Jahr hin, weil sie so selten die Fahrschule besuchten. Und auch die theoretischen Prüfungen nähmen viele junge Leute allzu oft auf die leichte Schulter.

Der passionierte Autofahrer spricht aus Erfahrung. Insgesamt drei seiner Lehrer – Löding selbst ist einer von ihnen – haben ihr Handwerk auch in Hamburg betrieben. „Dagegen ist das hier wie Urlaub“, sagt er lachend.

An Urlaub kann Maria Oberreiter derzeit nicht denken. „Ich gucke mir jetzt bis zur Prüfung noch ganz viele Videos an und nehme noch einige Fahrstunden, damit ich wirklich fit bin, wenn es so weit ist.“ Vermutlich wird die Statistik für den Kreis Pinneberg ganz bald noch etwas besser aussehen. „Ganz bestimmt“, ist sich auch Fahrlehrer Mehlhorn sicher.