Pinneberg/Segeberg

Neuer Versuch für weitere Autobahn-Abfahrt auf der A7

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Burkhard Fuchs
Bekommt die Region eine neue Autobahnanschlussstelle?

Bekommt die Region eine neue Autobahnanschlussstelle?

Foto: Erich Hvßfele / picture alliance / JOKER

Verkehrsminister Meyer für Anschlussstelle zwischen Quickborn und Schnelsen-Nord. Doch dafür müsste sich die Region einig werden.

Kreis Pinneberg/ Kreis Segeberg.  Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer startet einen weiteren Versuch, eine zusätzliche Autobahnanschlussstelle zwischen Quickborn und Schnelsen-Nord zu realisieren. Dort wäre aus verkehrlicher Sicht eine weitere Abfahrt sinnvoll. Dazu werde er jetzt auf die betroffenen Gemeinden Hasloh und Bönningstedt zugehen, kündigte der Minister nach einem Gespräch mit Vertretern der Kreise Pinneberg und Segeberg in Kiel an. „Aber die Region muss sich einig sein, ob man es will und wo man es will“, betonte Meyer. „Wir brauchen die Akzeptanz in der Region.“

Im Jahr 2008 scheiterte das Vorhaben schon einmal am Widerstand aus Bönningstedt und Norderstedt. Ein Verkehrsgutachten lag vor und befürwortete eine zusätzliche Anschlussstelle 22, die zwischen Hasloh und Bönningstedt geplant war und deren Zubringer in Höhe des Gewerbegebiets Ellerhorst im Norden Bönningstedts zur B4 führen sollte. Beide Kreise befürworteten das Projekt, für das sie zusammen mit Norderstedt jeweils 3,3 Millionen Euro hätten zuschießen sollen. Doch nach der Kommunalwahl 2008 drehten sich die Mehrheitsverhältnisse in Norderstedt und Bönningstedt. Beide Gemeindevertretungen zogen ihre Zustimmung wieder zurück. „Damit ist der Autobahnanschluss erledigt“, sagte damals Harald Haase, der immer noch Sprecher des Verkehrsministeriums in Kiel ist. „Wir werden nichts gegen den Willen der Bürger vor Ort entscheiden.“

Jetzt ist diese A-7-Abfahrt durch eine andere Idee weiter im Norden plötzlich wieder in den Fokus gerückt. Im Zuge der Olympiabewerbung Hamburgs im vergangenen Jahr, die eine Austragung des Golfturniers 2024 auf Gut Kaden in Alveslohe vorsah, hatte Verkehrsstaatssekretär Frank Nägele eine zusätzliche A-7-Abfahrt zwischen Ellerau und Alveslohe ins Gespräch gebracht. Doch deren Bürgermeister protestierten gegen ein solches Vorhaben und wurden nun mit den Kreisvertretern ins Ministerium eingeladen. Dort versprach ihnen Minister Meyer, dass diese Idee nicht weiter verfolgt werde. „Da die Olympia-Bewerbung nicht zum Zug kommt, macht eine Abfahrt nördlich Quickborns keinen Sinn mehr.“

Kreisverwaltung steht den Plänen positiv gegenüber

Anders sei es aber mit einer Abfahrt südlich Quickborns, deren Realisierungschancen nun noch einmal abgeklopft werden sollen. Die Meinungen im Kreis Pinneberg gehen dazu stark auseinander. „Der Kreis Pinneberg steht dem grundsätzlich positiv gegenüber“, sagt Fachbereichsleiter Andreas Köhler, der an dem Gespräch in Kiel teilnahm. Schließlich habe die Kreispolitik, die ja schon 2007 dafür stimmte, vor der Sommerpause die Verwaltung beauftragt, darüber mit dem Ministerium zu sprechen.

Auch Quickborns Bürgermeister Thomas Köppl (CDU) hält den zusätzlichen Autobahnanschluss nach wie vor für „dringend erforderlich“. Schon 2008 hatte er es als einen schweren Fehler bezeichnet, darauf zu verzichten. Die Auffahrten Quickborn und Schnelsen-Nord, die etwa 13 Kilometer auseinander liegen, seien schon heute völlig überlastet. Zudem verursachten sie viele unnötige Fahrten von Autofahrern insbesondere aus Richtung Norderstedt, die viel lieber eine dichtere Auffahrt wählen würden. Köppl: „Wenn der überörtliche Bedarf dieser Autobahnanschlussstelle festgestellt ist, darf sie nicht am Veto einer oder zwei Gemeinden scheitern.“

Haslohs Bürgermeister Bernhard Brummund (SPD) hätte nichts gegen eine solche zusätzliche A-7-Anschlussstelle einzuwenden. Im Gegenteil: Sie verspräche der Gemeinde eine Entlastung des Garstedter Weges und die Aussicht auf ein eigenes Gewerbegebiet mit Autobahnanschluss. Das Argument für ein gemeinsames Gewerbegebiet mit Hasloh wäre für Bönningstedts Bürgermeister Peter Liske (BWG) das einzige Argument, das dafür spräche.

Liske fürchtet, dass seine Gemeinde im Dauerstau versinken würde, wenn nach dem achtspurigen Ausbau der A 7 die Autofahrer bei Stau vor dem Elbtunnel nicht mehr erst in Schnelsen, sondern in Bönningstedt über die B 4 ausweichen würden. „Das erleben wir zurzeit während der Bauzeit täglich und können es nicht mehr ertragen.“ Wenn überhaupt, dürfte eine Abfahrt nur zwischen Quickborn und Hasloh gebaut werden. Doch dagegen könnte eine neue Vorschrift des Bundes sprechen, die einen größeren Mindestabstand von Autobahnabfahrten vorsieht.

Bleibt das Votum aus Norderstedt. „Für uns hat sich seit dem Beschluss der Stadtvertretung von 2008 nichts geändert“, sagt Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek, „und die hatte sich seinerzeit gegen eine Autobahn-Anschlussstelle Norderstedt ausgesprochen.“

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