Pinneberg
Elmshorn

Heroin im Büroschrank — Geldstrafe für Kripo-Beamten

Der Prozess gegen Michael G. endete mit Freispruch in einem Anklagepunkt sowie der Verurteilung zu einer Geldstrafe von 2800 Euro in zwei weiteren Punkten

Der Prozess gegen Michael G. endete mit Freispruch in einem Anklagepunkt sowie der Verurteilung zu einer Geldstrafe von 2800 Euro in zwei weiteren Punkten

Foto: Michael Rauhe

Angeklagter soll schlampig mit Beweismitteln umgegangen sein. Trotz Verurteilung steht fest: Der Fall wird neu aufgerollt.

Elmshorn.  Erneut musste auf der Anklagebank des Elmshorner Amtsgerichts ein Kripo-Beamter Platz nehmen. Der Prozess gegen Michael G. endete nach zwei Tagen mit einem Freispruch in einem Anklagepunkt sowie der Verurteilung zu einer Geldstrafe von 2800 Euro in zwei weiteren Punkten. Das Urteil von Richter Tim Feicke stellte weder Staatsanwaltschaft noch die Verteidigung zufrieden. Beide Seiten haben bereits Berufung eingelegt, sodass der Fall vor dem Landgericht Itzehoe neu aufgerollt werden muss.

Bereits Ende Juli verhandelten die Richter gegen Sven K., einen Kollegen des jetzigen Angeklagten. Beide bildeten bei der Kripo-Außenstelle Elmshorn ein Team – und beide arbeiteten laut Staatsanwaltschaft alles andere als gewissenhaft. Sven K. wurde zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt, weil er nach Auffassung des Gerichts drei Jahre lang in seiner Dienststelle lange Finger machte und beschlagnahmte Dinge wie Handys, Laptops und Geld in die eigene Tasche wandern ließ. Die illegalen Praktiken des 48-Jährigen flogen im November 2013 auf, nachdem es kurz zuvor einen Wechsel in der Leitung der Dienststelle gegeben hatte.

Wenig später geriet auch die Arbeitsweise von Michael G. in den Fokus des neuen Vorgesetzten. So wurden im Schrank des 58-Jährigen 75,5 Gramm Heroin entdeckt, das dieser offenbar während eines Einsatzes gefunden und dort vorübergehend deponiert und schließlich vergessen hatte. Woher die Rauschmittel stammten, konnte nicht mehr geklärt werden. Weil sie sich nunmehr im Besitz von Michael G. befanden, wurde er wegen illegalen Drogenbesitzes verurteilt.

Ein weiterer Vorwurf, in dem es zu einer Verurteilung kam, lautete auf Verwahrungsbruch. So soll der 58-Jährige schlampig mit Beweismitteln umgegangen sein, die er ohne System in seinem Büro aufbewahrte, statt sie zur kriminaltechnischen Untersuchung weiterzuleiten. Ein Vorsatz, wie von der Staatsanwaltschaft angeklagt, mochte Richter Feicke jedoch nicht erkennen. Er ging davon aus, dass der Angeklagte lediglich schlampig gearbeitet, gegen seine Dienstvorschriften verstoßen und teilweise total den Überblick verloren habe. Kriminell sei dies jedoch nicht gewesen. Die Anklagebehörde hatte dem Kripo-Beamten auch Strafvereitelung im Amt vorgeworfen, weil mehrere Beweisstücke auf diese Art und Weise abhanden kamen und daher eine Strafverfolgung der mutmaßlichen Täter erschwert oder gar unmöglich gemacht wurde.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Verurteilung zu einer Geldstrafe in Höhe von 200 Tagessätzen, die Verteidigung einen Freispruch gefordert. Michael G. hatte während des Prozesses mehrfach betont, nur seine Arbeit gemacht zu haben und sich keiner Schuld bewusst zu sein. Seit Bekanntwerden der Vorwürfe Ende Juni 2014 ist der Angeklagte vom Dienst suspendiert. Ob und, wenn ja, wo er später wieder im Polizeidienst eingesetzt wird, ist unklar. Gleiches gilt auch für seinen Ex-Kollegen Sven K., der ebenfalls suspendiert ist.