Pinneberg
Kreis Pinneberg

Wo Hamburg draufsteht, ist oft Umland drin

Katharina Wassermann aus Elmshorn entwirft und näht Handtaschen und vermarktet sie unter dem Label Elbschnitte. Sie wirbt offensiv mit der Stadt Hamburg

Katharina Wassermann aus Elmshorn entwirft und näht Handtaschen und vermarktet sie unter dem Label Elbschnitte. Sie wirbt offensiv mit der Stadt Hamburg

Foto: Anne Dewitz / HA

Unternehmen aus dem Kreis Pinneberg haben ihre Wurzeln in der Hansestadt und wissen deren positives Image für sich zu nutzen.

Kreis Pinneberg.  Katharina Wassermann beugt sich über die Nähmaschine und zieht den bunten Stoff gleichmäßig unter der Nadel durch. Sie arbeitet an einer neuen Handtasche, die sie unter dem Label „Elbschnitte Manufaktur Hamburg“ vermarktet. Dabei sitzt die vierfache Mutter im umfunktionierten Kinderzimmer – in ihrem Haus in Elmshorn. Dennoch wirbt sie offensiv mit Hamburg. „Die Stadt ist weltoffen, hipp und attraktiv“, sagt die gelernte Schneiderin. Die Perle an der Elbe hat Strahlkraft, und von der möchte die Unternehmerin profitieren.

Vor 15 Jahren zog sie von Hamburg-Altona nach Elmshorn, weil die Familie eine größere Wohnung brauchte. Doch im Herzen blieb sie Hamburgerin, und das spiegelt sich nicht nur in ihrem Tattoo, dem Hamburger Stadtwappen, wider, sondern auch im Design ihrer bunten Handtaschen, Handyhüllen und Portemonnaies. Die Unikate sind allesamt mit einem Anker verziert, Stoffe und Applikationen variieren. „Meine Taschen sind so bunt wie die multikulturelle Weltstadt“, sagt Katharina Wassermann. Sie verkaufe mit jeder Tasche auch ein Stück Lebensgefühl.

Viele Beispiele: Von Hansewerk bis Kultdisco

Bislang funktioniert ihr Geschäft hauptsächlich über Mund-zu-Mund-Propaganda. Katharina Wassermann präsentierte ihr Label auch schon auf entsprechenden Messen. „Ich bin aber darauf angewiesen, dass man meine kleine Manufaktur auch über Google findet, und das klappt mit Schlagwörtern wie maritimes Design, Elbe und Hamburg besser als mit Elmshorn und Krückau“, sagt sie. Zumindest in der Theorie, denn weit oben wird die Designerin noch nicht gelistet. Dafür muss man schon gezielt die Worte Elbschnitte und Hamburg eingeben, um auf ihre neu gestaltete Homepage zu gelangen. Auf der wirbt Katharina Wassermann mit hanseatischem Flair – und ist mit dieser Strategie nicht die einzige Geschäftsfrau im Kreis Pinneberg.

Beispiele finden sich zahlreich: Die Hansewerk AG sitzt in Quickborn und die Hamburger Transformatorenbau GmbH in Tornesch, anders als es der Name vermuten lässt. Auch Formulierungen wie Hamburg-Schenefeld oder Hamburg-Wedel werden gern genutzt. So hat das „Orthopädiezentrum Hamburg Schenefeld“ seinen Sitz ebenso in Schenefeld wie das „Eberts – Hamburgs Kultdisco“. Und das dort ansässige Geschäft „Dein Bastelfreund“ ist der „Spezialist in Hamburgs Westen“. Und die KWH Küchenwelten Hamburg finden Kunden in Wedel.

Harald Schroers, Geschäftsführer der WEP Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH im Kreis Pinneberg, sieht mehrere Gründe, warum hier ansässige Unternehmen mit Hamburg werben. „Viele Traditionsunternehmen aus Hamburg haben im Umland neu gebaut. Aus der Geschichte heraus identifizieren sie sich weiterhin mit Hamburg, fühlen hanseatisch und führen es im Namen weiter“, sagt der Wirtschaftsexperte. Hamburg habe zudem ein positives Image als Tor zur Welt, sei eine wirtschaftsfreundliche Handelsmetropole und lasse sich gut für die eigene werbliche Darstellung und Marketing nutzen.

Auch das Hanseatische Wein- und Sekt-Kontor Hawesko in Tornesch wurde 1964 ursprünglich in Hamburg gegründet. Vor 20 Jahren zog das Unternehmen, das Weine in etwa 20 Länder verschickt, nach Tornesch. Kein Grund, sich vom Hanseatischen im Namen zu trennen. „Hamburg ist positiv besetzt, als Handelsstadt und Umschlagplatz weltweit bekannt und hat schon einen Werbeeffekt“, sagt Nikolas von Haugwitz, der seit 2008 gemeinsam mit Gerd Stemmann die Geschäfte führt. Hamburg sei international bekannt, während viele Kunden Tornesch lokal nicht einordnen können. „Wenn wir erklären, dass Tornesch an Hamburg grenzt, können uns Geschäftspartner leichter einordnen.“

Ähnlich hält es auch das Unternehmen Panther Packaging, das seit mehr als 100 Jahren Verpackungen aus Wellpappe produziert. Eine der spezialisierten Firmen in der Gruppe ist die Altonaer Wellpappenfabrik in Tornesch. Geschäftsführerin Carin Hilmer-Brenzinger: „Der Name ist historisch gewachsen, weil wir uns 1902 in Altona gegründet haben – zu dieser Zeit gehörte Altona allerdings noch nicht zu Hamburg. Wir verstehen uns zwar als hanseatisches Unternehmen, stellen Hamburg aber gegenüber unseren Kunden nicht offensiv in den Vordergrund.“

Die WEP selbst wirbt für den Kreis Pinneberg mit Hamburg

Harald Schroers von der WEP fällt noch ein dritter Grund ein, warum sich Firmen im Kreis gern mit dem Label Hamburg schmücken: die Verflechtung der Lebenswirklichkeiten. „Wir sind Metropolregion Hamburg“, sagt Schroers. Die Grenze von Großstadt und Umlandgemeinden sei fließend. „Die Betriebe in den Umlandgemeinden nutzen Hamburgs Infrastruktur wie den Flughafen und den Containerhafen. Viele unserer Unternehmer wohnen in Hamburg oder haben Angestellte, die täglich aus Hamburg hierher pendeln.“ In den Köpfen seien die Grenzen längst aufgehoben. „Gefühlt sind wir schon zusammengewachsen. Da wäre es wünschenswert, wenn die Verwaltungsgrenzen auch verschwinden würden.“

Auch die WEP selbst werbe für den Kreis Pinneberg mit Hamburg. „Auf der Gewerbeimmobilienmesse Expo Real in München beispielsweise haben sich Hamburg und Schleswig-Holstein gemeinsam an einem Stand präsentiert“, sagt Schroers. „Die Geschäftswelt sortiert uns im Großraum Hamburg ein.“