Pinneberg
Halstenbek

Bürgermeister nach der Wahl auf Wohnungssuche

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Nach seinem Triumph versprach Claudius von Rüden bis zum Amtsantritt im Februar weiter viele Termine vor Ort wahrzunehmen.

Halstenbek.  Der Sieger kam um kurz vor 19 Uhr – und erhielt minutenlangen Applaus: Claudius von Rüden wird ab Februar 2017 neuer Bürgermeister in Halstenbek. Sein Wahlerfolg war ähnlich triumphal wie sein Einzug in das Foyer der Grund- und Gemeinschaftsschule an der Bek. 4792 Bürger gaben dem 40-jährigen Hamburger am Sonntag ihre Stimme. Mit 73,7 Prozent lag der SPD-Kandidat haushoch vor der Lokalmatadorin Kirsten Sajitz (CDU), die auf 24,4 Prozent (1585 Stimmen) kam. Der dritte Bewerber Hein Gottfried Fischer aus Gangelt bei Aachen erhielt 125 Stimmen (1,9 Prozent).

Das Ergebnis, das um 19.01 Uhr offiziell feststand, zeichnete sich von Beginn an ab. Bereits um 18.13 Uhr, als der erste Wahlbezirk ausgezählt war, lag von Rüden mit 73,3 Prozent weit vor Kirsten Sajitz, die auf 23,7 Prozent kam. Fast im Minutentakt trafen weitere Resultate aus den insgesamt 14 Wahlbezirken ein – und stets lag der 40-Jährige mit über 70 Prozent uneinholbar vorn. Die Wahlbeteiligung lag bei 45,7 Prozent.

Bereits um 18.40 Uhr, als neun der 14 Wahlbezirke ausgezählt waren, holte der SPD-Ortsvorsitzende Jürgen Boller einen Blumenstrauß für den Sieger aus dem Auto. „Das Ergebnis habe ich in dieser Deutlichkeit nicht im Traum erwartet“, so Boller. Ein Albtraum war der Wahlsonntag für Halstenbeks Christdemokraten, die ihre Partei- und Fraktionsvorsitzende Kirsten Sajitz ins Rennen geschickt hatten. Mit versteinerter Miene verfolgten einige CDU-Mitglieder die Ergebnisse.

Kirsten Sajitz erwies sich als faire Verliererin, sie gehörte zu den ersten Gratulanten von Rüdens. „Natürlich hätte ich mir ein anderes Ergebnis gewünscht“, so die 39-Jährige.

Sie habe mit einem knappen Ergebnis gerechnet, nicht jedoch mit dieser Wahlschlappe. „Vielleicht liegt es daran, dass die CDU im Moment nicht sonderlich beliebt ist“, mutmaßt sie. Und fügt hinzu: „Offenbar habe ich mir in 18 Jahren Kommunalpolitik nicht nur Freunde gemacht.“ Persönliche Konsequenzen schloss die Verliererin aus. „Ich mache weiter und will dazu beitragen, dass die CDU bei der nächsten Kommunalwahl in Halstenbek wieder stärkste Kraft wird.“ Eine Zusammenarbeit mit dem Wahlsieger stelle kein Problem dar.

Ein Problem mit seinem Ergebnis hatte der dritte Kandidat Fischer, der bereits nach Vorlage der Zahlen aus den ersten zwei Wahlbezirken fluchtartig die Grund- und Gemeinschaftsschule verließ und nicht einmal dem Wahlsieger gratulierte. Von Rüden, der als erstes die Glückwünsche von Amtsinhaberin Linda Hoß-Rickmann entgegennehmen konnte, sprach von einem „großartigen Ergebnis“ und einer „großartigen Gemeinde“.

Der 40-Jährige, der als Referent für den Binnenhandel in der Hamburger Wirtschaftsbehörde arbeitet, hatte mit Frau und drei Kindern in Schenefeld im Auto gewartet, bis ihm telefonisch die ersten Ergebnisse übermittelt wurden. „Der Abend ist die Krönung dessen, was ich in den vergangenen sechs Monaten in Halstenbek erlebt habe.“ Die Bürger hätten ihn stets willkommen geheißen und mit Herzlichkeit aufgenommen. „Offenbar habe ich die Themen angesprochen, die den Menschen am Herzen lagen.“

Von Rüden versprach, bis zum Amtsantritt im Februar weiter viele Termine vor Ort wahrzunehmen, den Dialog mit den Halstenbekern nicht abreißen zu lassen und sich ab Montag auf die Wohnungssuche in der Gemeinde zu begeben. Erst einmal machten sich der Sieger, seine Familie und seine Unterstützer auf den Weg ins Clubheim des Schützenvereins, wo eine spontane Siegesfeier stattfand.