Pinneberg
Appen

Albig lobt die Appener Modell-Kaserne

6000 Besucher beim Tag der offenen Tür der Unteroffizierschule der Luftwaffe. Ministerpräsident hält Rede bei Vereidigung von 600 Soldaten

Appen.  Der Tag war gut gewählt. Mehr als 6000 Besucher kamen am Wochenende bei hochsommerlichen Temperaturen zum Tag der offenen Tür in die Unteroffizierschule der Luftwaffe der in Appen. Es sollte ein „Tag unter Freunden“ sein. Zahlreiche Vereine und Verbände aus der Region präsentierten sich den Besuchern an Informationsständen. „Wir haben offensichtlich viele Freunde“, freute sich Gastgeber Oberst Markus Kurczyk, der Kommandeur der Schule. „Die Menschen haben viel Spaß und Freude an dem vielfältigen Unterhaltungsprogramm.“

Respekt für die bewusste berufliche Entscheidung

Programmatischer Höhepunkt der Veranstaltung war dann die Vereidigung der Berufs- und Zeitsoldaten sowie das Gelöbnis der freiwilligen Wehrdienstleistenden auf dem Rasen des Uetersener Platzes direkt vor dem Unteroffiziersheim.

Ministerpräsident Torsten Albig zollte in seiner Ansprache den 600 Soldaten seinen Respekt, „sich in bewegten Zeiten bewusst für diesen Berufsweg entschieden“ zu haben. Es sei gut und richtig, dass sich die Bundeswehr wie hier in Appen auf die Menschen zu bewege. „Sie ist nach der Abschaffung der Wehrpflicht auf die Freiwilligen angewiesen. Auch sie steht im Wettbewerb um die besten Köpfe.“

Darum sei es wichtig, dass sie sich auch als familienfreundliche Bundeswehr präsentiere und die Marseille-Kaserne in Appen vom Verteidigungsministerium zu einer „Modell-Kaserne“ mit modernen und familienfreundlichen Unterkünften erklärt worden sei. „Es ist wichtig, sich bei einem Arbeitgeber wohl zu fühlen“, sagte Albig. „Das gilt auch für die Bundeswehr.“

Im Uetersener Zimmer des Unteroffiziersheimes war zuvor dem 20-jährigen Bestehen der Patenschaft der Stadt Uetersen mit der Unteroffizierschule gedacht worden. Diese werde mit zahlreichen gemeinsamen Aktionen und Besuchen offen gelebt, sagte Bürgermeisterin Andrea Hansen. „Das ist eine wirklich gute Patenschaft.“ Zum runden Geburtstag überreichte sie mit Bürgervorsteher Adolf Bergmann Oberst Kur-czyk eine Rose des Rosenzuchtbetriebes Tantau, die am 8. Mai, „dem Jahrestag der Befreiung und des Kriegsendes“, als Friedenslicht getauft wurde.

Oberst Kurczyk revanchierte sich mit einer Urkunde und einer gläsernen Stele. Nachdenklich ging er dabei auf die aktuelle Diskussion um die Flüchtlingspolitik ein. Angesichts des Leids, das die Menschen in Syrien und Afghanistan durch den jahrelangen Krieg ertragen müssten, sei er „entsetzt, was eine unbestimmte Angst aus unserem Deutschland macht“, sagte Kurczyk. „Ich möchte tapfer dienen für ein Land, auf das alle Bewohner stolz sein können und nicht für Menschen, die nur stolz auf sich selbst sind“, so der Schulkommandeur.

Aber sogleich wechselte der Oberst wieder in den Spaßmodus und ernannte Rolf Heidenberger zum ersten Ehrenfeldwebel der Unteroffizierschule. Der langjährige Organisator des Festes „Appen musiziert“ zu Gunsten der Kinderkrebshilfe hatte den Tag der offenen Tür in der Kaserne mitgestaltet. Und da war ein buntes Programm zusammengekommen, das offensichtlich die Menschen in der Region anzog. Schon um 11 Uhr drängten sich die Fahrzeuge auf die Parkplätze.

Ausstellung gegen Gewalt in der Gesellschaft

2000 Besucher waren bis Mittag gekommen. Und sie wurden nicht enttäuscht. Es gab militärische Fahrzeuge zu bestaunen, die Hundestaffel zeigte ihr Können, Wasserwerfer und Löschfahrzeuge waren im Einsatz. Live-Bands spielten auf der Bühne und die Kinder konnten sich auf einer Riesenrutsche oder beim Ponyreiten erfreuen. Im Hörsaal, wo jedes Jahr einige Tausend Unteroffiziere ausgebildet werden, präsentierte Hauptmann Enrico Albrecht eine Ausstellung, die sich gegen Gewalt in unserer Gesellschaft, an Schulen oder gegen Flüchtlingsheime ausspricht. „Das ist unser diesjähriges Motto, auch wenn wir als Bundeswehr natürlich auch Gewalt anwenden müssen“, sagte der Hauptmann.

Für alle Besucher schien es also ein rundum gelungener Tag unter Freunden zu sein. „Es ist alles top organisiert. Die Soldaten sind freundlich und umsichtig“, lobte Mitorganisator Heidenberger. „Aber die Wege sind eindeutig zu lang. Das müssen wir das nächste Mal ändern“, sagte der Ehrenfeldwebel und machte sich wieder auf den schweißtreibenden Weg über das Gelände.