Pinneberg
Wedel

Ein Supermann für alle Kleinkunstfälle

Foto: Elvira Nickmann / HA

Beim Auftritt in Wedel zeigt Marcel Kösling, dass er als Zauberer, Kabarettist, Comedian und Sänger in keine Genre-Schublade passt.

Wedel.  Was ist ein Zauber-Comedian, der singenderweise kabarettistische Seitenhiebe verteilt? Die Antwort auf diese Frage wissen die Gäste des Kleinkunstfestivals auf dem Wedeler Theaterschiff „Batavia“ spätestens am vergangenen Sonnabend nach Ende des Auftritts von Marcel Kösling. Er ist an diesem Abend mit seinem Programm „Keine halben Sachen! oder: Die Kunst, Frauen zu zersägen“ zu Gast.

Spielte das Multitalent noch vor kurzer Zeit vor ausverkauftem Haus im Schmidtchen auf der Hamburger Reeperbahn, zeigt es jetzt in wesentlich kleinerem Rahmen sein Können vor einem Publikum, das anfangs gar nicht so leicht zu begeistern ist. Vielleicht liegt es an den klimatischen Bedingungen, die alles andere als theaterfreundlich sind. Im Raum unter Deck herrscht noch um 20.30 Uhr zu Vorstellungsbeginn schwüle Hitze.

Der Künstler nimmt das zum Anlass für eine Absichtserklärung der besonderen Art: „Wir werden die nächsten fünf bis sechs Stunden das Vergnügen haben, diese miteinander zu verbringen“, kündigt er gleich zu Anfang an. Dann bedankt er sich artig, aber mit wissendem Lächeln bei den Besuchern, die sich auf die Plätze in der ersten Reihe gewagt haben. Während dem ein oder anderen an dieser Stelle Übles schwanen mag, spricht das erleichterte Lachen des übrigen Publikums Bände.

Kösling ist ein Multitalent, das sich nicht für eine Begabung entscheiden konnte. „Ich liebe Zauberei“, sagt er, „diesen Gesichtsausdruck zu sehen, wenn etwas passiert, das die Menschen nicht verstehen.“ Bereits im Kindergarten habe er mit einem Zauberkasten angefangen und Kinder verschwinden lassen. Einige seien bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Auch wenn Kösling es besonders mag, „wenn Menschen lachen“, ist er kein harmloser Spaßmacher. Er kann auch scharfzüngig sein, politisch, bezieht Stellung, setzt bewusst Spitzen. Themen wie Ausgrenzung oder die Verschwendung von Steuergeldern beim Bau der Elbphilharmonie würzt er mit Fakten und Zahlen. Sein Programm entpuppt sich im Laufe des Abends als eine Veranstaltung zwischen Staunen, kurzweiliger Unterhaltung, Kabarett und Nachhilfe in politischer Bildung. Als sei das alles noch nicht genug, gibt er auch noch drei Songs zum Besten, erzählt Witze und greift zur Stichsäge, denn die Ankündigung mit dem Frauenzersägen steht noch im Raum. Getreu seinem Motto „Keine halben Sachen“ setzt er die Säge dann eben in Ermangelung einer Freiwilligen bei sich selbst an. Zuvor hat er ihre zerstörerische Kraft an einer unschuldigen Gurke demonstriert, einer zuvor in Plastik vollverhüllten Bio-„Gurka“.

Kösling bietet den schönen Schein. Umso mehr macht es ihm Spaß, diesen aufzudecken. „Man will Sie täuschen, erlauben Sie’s nicht“, singt Kösling. Bei ihm allerdings kann man getrost eine Ausnahme machen.

Termine und Tickets: www.marcelkoesling.de/tour