Pinneberg
Einsatzfahrten

So schnell ist die Polizei im Kreis Pinneberg

Die Polizeiobermeister Stephan Timm (34, l.) und Joschka John (21) sind bei der Polizei in der Stadt Pinneberg im Einsatz

Die Polizeiobermeister Stephan Timm (34, l.) und Joschka John (21) sind bei der Polizei in der Stadt Pinneberg im Einsatz

Foto: Andreas Daebeler / HA

Neun Minuten bis zum Einsatzort sind spitze im Vergleich der Kreise in Schleswig-Holstein. Nur in zwei Städten geht’s noch schneller.

Kreis Pinneberg.  Es ist Mittwochnachmittag, 15.15 Uhr: Pinnebergs Polizei wird zu einem schweren Unfall an die LSE gerufen. Eine Minute und 28 Sekunden später sind Beamte am 2,5 Kilometer entfernten Einsatzort, sichern dort die Unfallstelle. Kein Zufall: Wenn Leib und Leben in Gefahr sind, ist die Polizei im Kreis Pinneberg besonders schnell vor Ort. Das geht aus der Antwort auf eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion beim Innenministerium hervor. Demnach dauerte es zwischen Mai und Juli dieses Jahres, als landesweit rund 180.000 Einsätze untersucht wurden, im Durchschnitt nur 9,4 Minuten vom eingehenden Notruf bei der Leitstelle in Elmshorn bis zu dem Zeitpunkt, zu dem der Streifenwagen am Einsatzort eintraf.

Nur in Flensburg und Neumünster reagierte die Polizei noch schneller. Betrachtet man die reinen Fahrtzeiten der Streifenwagen, ist die Polizei im Kreis Pinneberg im Vergleich zu 2015 sogar schneller geworden. Damals hatte die Landespolizei einen Wert von 5,5 Minuten angegeben. 2016 sind es durchschnittlich 4,2 Minuten.

Andererenorts dauert es teils deutlich länger, bis die Einsatzkräfte vor Ort sind. Einschließlich der Bearbeitung des Notrufs durch die Disponenten in der Leitstelle sind es im Landesschnitt 12,1 Minuten. Dieser Wert liegt zwei Minuten über der Vorgabe, die sich die Landespolizei selbst gegeben hat. Für die FDP ist das die negative Folge daraus, dass sich die Polizei zunehmend aus der Fläche verabschiedet, indem kleinere Polizeistationen geschlossen werden. Dem widerspricht Michael von Malottki von der Leitstelle der Polizei in Elmshorn, die mit 50 Beamten rund um die Uhr jährlich etwa 200.000 Polizeieinsätze von Heide bis Bad Segeberg für die 850.000 Bewohner der vier Kreise Pinneberg, Segeberg, Steinburg und Dithmarschen zu koordinieren hat. „Entscheidend ist, wie viele Streifenwagen unterwegs sind“, sagt der stellvertretende Leiter der Leitstelle. So habe er 50 Fahrzeuge in den vier Kreisen, 30 für Pinneberg und Segeberg zur Verfügung, die ständig unterwegs seien. Bei großen Lagen ordere er noch Streifenwagen von anderen Polizeidirektionen hinzu, erklärt von Malottki. „Da habe ich schon mehrfach ganze Landkreise von Polizei entvölkert.“

Vor sechs Jahren seien die ehemals 15 Leitstellen in Schleswig-Holstein auf vier reduziert worden. „Jetzt haben wir die vierfache Zahl an Notrufen, aber sind nicht viermal so viele Kollegen“, erklärt er. Wenn früher ein entlaufener Hund auf der Autobahn von ein oder zwei Menschen über die Notrufsäulen gemeldet wurde, seien es heute 30 Autofahrer, die mit ihrem Handy die Leitstelle anriefen. Dies sei ja richtig. „Die Leute sollen uns anrufen.“ Aber das koste eben auch wichtige Zeit.

Die moderne Technik mache den Kollegen die Arbeit inzwischen in anderen Bereichen aber auch einfacher, erklärt von Malottki. So bräuchten sie nicht unbedingt Ortskenntnisse zu haben, um den Einsatzort zu ermitteln. Das System zeige diesen sofort auf einer Karte. Allerdings müsse der Anrufer dazu auch wissen, wo genau er sich befindet. Häufig erreichten die Leitstelle vage Angaben der oft aufgeregten Anrufer, die einen Unfall meldeten, aber erst nach minutenlangem Nachfragen lokalisiert werden könnten, erklärt der Leitstellen-Vizechef. „Wenn die Leute wissen, wo sie sind, sind wir ganz schnell da.“

Einmal habe es anderthalb Stunden gebraucht, um herauszufinden, auf welchem Bahngleis sich ein lebensmüde Mann befand, der der Polizei seinen bevorstehenden Selbstmord ankündigte. „Am Ende haben wir ihn in Kaltenkirchen erwischt und konnten den Lokführer noch rechtzeitig informieren“, sagt von Malottki.

Ein weiterer Vorteil der Computertechnik in den Leitstellen sei, dass der angerufene Beamte ständig mit dem Anrufer weitertelefonieren könne, betont Jan Lewering, stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Bad Segeberg. Denn sobald ihm ein schwerer Unfall oder Überfall gemeldet wird, gebe er dies ins System für alle anderen Kollegen ein. Dann übernehme ein Funker die Aufgabe, den Streifenwagen zu beauftragen, der am dichtesten dran ist. Auch dies zeige das System ihm an.

Das System sei zugleich unnachgiebig, sagt Lewering. Sobald der Streifenwagen am Einsatzort sei, müsse die Besatzung über Funk die Zahl Vier drücken. Erst dann ist seine Ankunft registriert. Wenn der Beamte aber zu einem schweren Verkehrsunfall mit Verletzten komme, kümmere er sich zunächst um die Opfer und nicht um die interne Rückmeldung. Da das nachträglich nicht mehr zu ändern sei, habe es Auswirkung auf die Statistik, erklärt der Polizeidirektor. „Wir müssen uns den Einzelfall genau ansehen, was wir bei jedem größeren Einsatz auch tun, um besser zu werden.“