Pinneberg
Bürgermeisterwahl

Claudius von Rüden wirbt mit der Erfahrung

Die Familie: Claudius von Rüden mit  Tochter Marieke (3) auf dem Arm, Ehefrau Marlena hält Sohn Felix (1). Rechts der achtjährige Lukas

Die Familie: Claudius von Rüden mit Tochter Marieke (3) auf dem Arm, Ehefrau Marlena hält Sohn Felix (1). Rechts der achtjährige Lukas

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Am 11. September wird in Halstenbek gewählt. Abendblatt stellt die drei Bürgermeister-Kandidaten vor. Hier: Claudius von Rüden.

Halstenbek.  Der Wohnblock an der Langelohstraße in Hamburg-Osdorf ist eingerüstet. Das Dachgeschoss wird ausgebaut, die Arbeiter machen trotz später Stunde mächtig Krach. „So ruhig ist das hier sonst nicht“, sagt Claudius von Rüden, als er die Wohnungstür öffnet. Der 39-Jährige spricht nicht von den Bauarbeiten, sondern von seiner abwesenden Familie. Ehefrau und die drei Kinder machen zum Zeitpunkt des Interviews Urlaub auf einem Bauernhof.

Der Hausherr gönnt sich keine Ferien, arbeitet am Projekt Wahlsieg. Ein Projekt, an dem Ehefrau Marlena (38), eine Grundschullehrerin, und die Kinder Lukas (8), Marieke (3) und Felix (1) ihren Anteil haben. „Als ich im Frühjahr gefragt worden bin, ob ich zur Bürgermeisterwahl in Halstenbek antreten möchte, habe ich mir erst einmal meine Familie geschnappt, und wir haben uns die Gemeinde ganz genau angeguckt“, sagt von Rüden. Es musste passen. Und es passte – für den Kandidat und seine Lieben. „Wenn ich gewinne, wird Halstenbek unser Mittelpunkt“, sagt der 39-Jährige. Er halte es für unerlässlich, dass ein Bürgermeister in seiner Gemeinde wohnt – und werde nach einem Erfolg für sich und die Familie vor Ort auf Wohnungssuche gehen. Die geräumige Sechs-Zimmer-Wohnung in Osdorf gehört dann bald der Vergangenheit an.

„Meine Familie nimmt einen großen Raum in meinem Leben ein“, sagt der Kandidat. Seiner Frau und ihm sei immer klar gewesen, dass sie Kinder haben wollen. „Und als wir zwei hatten, fühlten wir uns nicht komplett.“ Mit der Geburt des dritten Kindes sei die Familienplanung abgeschlossen. Der Berufsweg des dreifachen Vaters ist noch nicht komplett – könnte es bald jedoch sein. „Ich sehe Halstenbek nicht als Zwischenstation. Ich strebe nach einer erfolgreichen Wahl auch eine Wiederwahl an.“

Doch zunächst muss erst einmal am 11. September ein Erfolg her. Daran arbeitet der Referent für den Binnenhandel in der Hamburger Wirtschaftsbehörde mit aller Kraft. „Vor meiner Kandidatur kannte ich von Halstenbek nur die Wohnmeile.“ Das ist fast sechs Monate später anders. Mehr als 40 Tagebucheinträge auf seiner Homepage zeugen vom Marathonprogramm des Kandidaten. Wirtschaftskreis, Bürgerstiftung, Feuerwehr, Ideenwerkstatt, Musikzug, Arbeiterwohlfahrt, Schützenverein, SV HR – nur einige seiner Stationen. Wer von Rüden nach seinen Besuchen fragt, erhält detailliert Bericht – und den Eindruck: Der 39-Jährige kennt Halstenbek – und kann Halstenbek. „Ich bin von der Gemeinde und ihren Menschen sehr angetan. Es war die richtige Entscheidung, hier als Bürgermeister zu kandidieren.“

Und doch ist von Rüden einer, der von außen kommt. „Ich sehe das als Vorteil. Dadurch habe ich einen unverstellten Blick auf die Dinge, ich kann neutraler auftreten, und ich schulde keinem was.“ Von Rüden ist in Krefeld geboren, in Duisburg aufgewachsen. Er hat in Münster Politikwissenschaft, Geschichte und Öffentliches Recht studiert, sowohl als Prokurist mit Personalverantwortung in der freien Wirtsschaft gearbeitet als auch diverse Stationen in der Hamburger Verwaltung durchlaufen.

„Für mich wäre es ein Traum, als Bürgermeister zu arbeiten.“ Er halte den Job für interessanter als etwa in Hamburg als Senator zu wirken. „Ein Bürgermeister ist das Aushängeschild der Gemeinde, ein Senator einer von vielen.“ Von Rüden, der zwei Tage vor der Wahl 40 Jahre alt wird, legt großen Wert auf das Wort Bürger, das in Bürgermeister steckt. „Ich habe Interesse an Menschen, ich gehe auf sie zu und höre ihnen zu. Ich will ein Bürgermeister zum Anfassen sein.“ Der 39-Jährige will im Sinne der Gemeinde und ihrer Bewohner Akzente setzen. Aber er sagt auch: „Die Verwaltung legt vor, die Politik entscheidet.“ Jedoch könne und müsse die Verwaltung dank ihrer Arbeit dafür sorgen, dass die Politiker gute Entscheidungen treffen.

Er will ein All-Parteien-Bürgermeister sein, vertrauensvoll mit allen Fraktionen zusammenarbeiten. Aufgestellt hat ihn die SPD. Vorgestellt hat er sich allen Fraktionen – außer einer. „Die CDU hat kurzfristig abgesagt. Das fand ich schade.“ Der Name der Partei, die ihn ins Rennen schickt, findet sich weder auf den Wahlplakaten noch auf den Flyern. „Ich bin Sozialdemokrat und werde auch nach einem Wahlsieg nicht austreten“, sagt von Rüden. Auch auf dem Wahlzettel werde seine Parteizugehörigkeit deutlich. Im Wahlkampf wolle er jedoch signalisieren, für alle da zu sein. „Ich trete nicht im Namen der SPD an. Ich muss mit meiner Person überzeugen.“ Er bewerbe er sich nicht um ein politisches Mandat, sondern um ein Amt.

Um den Chefsessel im Rathaus zu erobern, sucht von Rüden den Dialog mit den Bürgern. „Jedes Gespräch bringt mir die Gemeinde näher.“ Auf Wochenmärkten steht er, vor den Supermärkten in Krupunder und in Halstenbek-Ort ebenso. Hausbesuche gehören auch zum Wahlkampf. Aus den Gesprächen hat der Kandidat Punkte mitgenommen, die ihm für die Zukunft wichtig sind. Etwa bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, damit Jung-Erwachsene in Halstenbek bleiben können. Von Rüden will da mit seiner Familie erst noch hinkommen – und dann möglichst lange bleiben.