Pinneberg
Halstenbek

Bürgermeisterwahl: Die Kandidatin mit Heimvorteil

Kirsten Sajitz im Kreis ihrer Lieben: Ehemann Otto mit Tochter Elisabeth (1), Maximilian (11, v. l.), Alexander (8), Maja Sophie (6), Felix (10)

Kirsten Sajitz im Kreis ihrer Lieben: Ehemann Otto mit Tochter Elisabeth (1), Maximilian (11, v. l.), Alexander (8), Maja Sophie (6), Felix (10)

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Am 11. September wird in Halstenbek gewählt. Abendblatt stellt die drei Bürgermeister-Kandidaten vor. Hier: Kirsten Sajitz.

Halstenbek.  Wer an der Tür des Gelbklinkerhauses am Eidelstedter Weg klingelt, muss sich auf einen lautstarken Empfang einstellen. Hundegebell und fröhliche Kinderstimmen sind zu hören, ehe Kirsten Sajitz die Tür öffnet. Leise kennt die CDU-Bürgermeisterkandidatin nicht, auch keine Langeweile. Kein Wunder, schließlich umfasst der Haushalt der 39-Jährigen neben Ehemann Otto (50) fünf Kinder zwischen einem und elf Jahren, zwei Hunde, einen Wellensittich und zwei Kaninchen.

Seit 2006, als mit Felix der Zweitgeborene das Licht der Welt erblickte, managt die gelernte Bankfachwirtin den wilden Haufen, der sich im Zwei-Jahres-Abstand vergrößerte. 2004 kam mit Maximilian Kind Nummer eins, es folgten 2006 Felix, 2008 Alexander, 2010 Maja Sophie und – etwas verspätet – 2015 die Nachzüglerin Elisabeth Victoria. „Als das erste Kind da war, kam der Wunsch nach einer Tochter auf. Und so wurden es immer mehr“, sagt die 39-Jährige. Und als mit Kind Nummer vier der Wunsch nach einem Mädchen erfüllt wurde, sollte es nach einer kurzen Kinder-Pause noch ein Nesthäkchen sein.

Jeder Sprössling hat am Eidelstedter Weg ein eigenes Zimmer. „Bei weiteren Kindern müssten sich zwei ein Zimmer teilen, weil es dann zu eng im Haus wird. Dazu wird es aber nicht kommen“, sagt die 39-Jährige. Kirsten Sajitz hat andere Pläne. Ab dem neuen Schuljahr sind vier der fünf Kinder in der Schule, Nesthäkchen Elisabeth kommt 2017 in den Kindergarten. Und Kirsten Sajitz möchte ab Februar 2017 ihre Hausfrauentätigkeit an Ehemann Otto übertragen und das Bürgermeisteramt in Halstenbek übernehmen.

„Wer einen so großen Haushalt organisiert führen kann, der kann auch eine Verwaltung mit mehr als 60 Mitarbeitern leiten“, sagt die Kandidatin, die zu Hause auch mal als Diktatorin auftreten muss. „Eine von uns – Eine für uns“ lautet ihr Slogan, der auf 63 Wahlplakaten über ihrem Konterfei prangt. Denn Kirsten Sajitz liebt nicht nur Ehemann und Großfamilie, sondern auch ihren Heimatort. „Seit meiner Geburt lebe ich in Halstenbek. Das Bedürfnis, von hier wegzugehen, hatte ich nie.“ Grundschule, Gymnasium, Banklehre – all das war vor Ort möglich. „Es gibt hier einfach alles, man kann in Halstenbek wunderbar leben“, sagt Kirsten Sajitz – und zählt auf: Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, S-Bahnhöfe, Autobahnanschlüsse, Naherholungsmöglichkeiten, Arbeitsplätze, freundliche, offene Menschen.

„Ich komme von hier und bin nah dran. Daher weiß ich auch, wo die Probleme liegen, und will mithelfen, sie zu beheben.“ Als CDU-Ortsvorsitzende und seit 2008 auch als Fraktionschefin der Partei ist die 39-Jährige aus der ehrenamtlichen Kommunalpolitik nicht wegzudenken. 1996, kurz nach Beginn ihrer Ausbildung bei der Halstenbeker Bank, kam sie durch ihren damaligen Chef und ihre Klavierlehrerin zur CDU und wurde bürgerliches Mitglied. 1999 folgte die Hochzeit mit Otto Sajitz, den sie in der CDU-Fraktion kennen und lieben lernte. 1998 folgte die erste Wahl in den Gemeinderat, dem sie bis heute ununterbrochen angehört.

„Der Seitenwechsel, den ich jetzt anstrebe, reizt mich sehr. Und ich bin sicher, dass ich als Bürgermeisterin vertrauensvoll mit allen Fraktionen zusammenarbeiten kann“, sagt Kirsten Sajitz. Innerhalb ihrer Partei sei lange darüber diskutiert worden, ob ein eigener Kandidat für die Nachfolge von Linda Hoß-Rickmann Sinn machen würde. „Wir hatten mehrere externe Bewerber in der engeren Auswahl, haben dann aber entschieden, dass nur ein Kandidat aus Halstenbek infrage kommt.“ Nachdem sie mehrfach von Parteifreunden gefragt worden sei, ob sie nicht selbst kandidieren wolle, habe sie sich mit Mann und Familie zusammengesetzt. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir das mit der Kinderbetreuung hinbekommen werden.“

Sollten die Wähler der 39-Jährigen den Sprung ins Bürgermeisteramt erlauben, muss auch Otto Sajitz die Seite wechseln. Er wird seine Anstellung als Gärtner aufgeben, nur noch ein wenig selbstständig tätig sein und sich ansonsten um die Familie kümmern. Und wenn alle Stricke reißen, wohnen die Eltern von Kirsten Sajitz gleich nebenan. Ihr Mann müsste derweil auch politisch kürzertreten, sein Amt als Bürgervorsteher der Gemeinde bei einem Wahlerfolg seiner Frau niederlegen.

Damit das so kommt, macht Kirsten Sajitz seit Wochen fleißig Wahlkampf. Info-Stände auf Wochenmärkten und vor Supermärkten, wo sie ihren Flyer verteilt und viele Gespräche führt („Die Resonanz ist überwiegend positiv“), gehören ebenso dazu wie Hausbesuche. Und auch die CDU-Ortszeitschrift „Halstenbeker Harke“, die sich schwerpunktmäßig mit der Bürgermeisterwahl und der CDU-Kandidatin befasst, ist ein Instrument des Wahlkampfs. „Ich verheimliche meine Parteizugehörigkeit nicht“, sagt die Kandidatin. Ihr sei wichtig, dass die Menschen überhaupt zur Wahl gehen. „Aber natürlich will ich auch gewinnen“, sagt die 39-Jährige. Damit das so kommt, kann sie sich auf die Hilfe ihrer Familie verlassen. Ehemann und die größeren Kinder haben mitgeholfen, das Wahlkampfmaterial zu verteilen – und zwar freiwillig.