Pinneberg
Klein Offenseth

Die Frau, die den Duft der Rosen übersetzt

Parfümeurin Claudia Valder riecht bei Rosen Kordes in Klein Offenseth-Sparrieshoop an Rosen, um Käufern ihren Duft zu beschreiben

Parfümeurin Claudia Valder riecht bei Rosen Kordes in Klein Offenseth-Sparrieshoop an Rosen, um Käufern ihren Duft zu beschreiben

Foto: Thomas Proll / HA

Geruch einer Blume wird immer wichtiger. Aber wie lässt er sich beschreiben? Parfümeurin Claudia Valder findet Worte für Gerüche.

Klein Offenseth-Sparrieshoop.  Wonach duftet eine Rose? Nach Rose, denkt sich der Laie. Nach reifer Banane, Impressionen frischer Luft an einem warmen Sommertag, einem Hauch von Litschi oder Rhabarber bis hin zu Anis oder Myrrhe, frisch geriebenem Apfel, reife Mirabelle oder dem pudrigen Aroma von Heliotrop, sagt Claudia Valder. Die Parfümeurin erschnuppert exklusiv für die Rosenzüchter W. Kordes’ Söhne in Klein Offenseth-Sparrieshoop Duftrosen und beschreibt sie. So bekommen die Kunden eine Vorstellung von dem Produkt, das sie kaufen sollen.

„Für viele Rosenliebhaber ist auch der Duft bei der Wahl entscheidend“, sagt Claudia Valder, die in Flintbek nahe Kiel lebt. An mehreren Tagen im Sommer ist sie vor Ort, um mit Thomas Proll, dem Züchtungsleiter der Rosenschule Kordes, die Reihen der Neuzüchtungen abzuschreiten. Mehrere Tausend neue Rosensorten wachsen es auf den Testfeldern. Die Züchter müssen entscheiden, welche Sorte es später in den Verkauf schafft. „Der betörendste Duft nutzt nichts, wenn die Rose sehr anfällig ist und schnell ihre Blätter verliert“, sagt Thomas Proll. Er sortiert die kranken und schwachen Rosen aus.

Von 200.000 Sämlingen bleiben nach acht bis zehn Jahren Arbeit lediglich zehn Stück übrig. Zählt man die Schnittrosen dazu, kommt man sogar auf eine halbe Million Sämlinge. Nach intensiver Selektionsarbeit ist dem Züchtungsbetrieb ein Sortiment mit blattgesunden, unproblematischen und intensiv duftenden Rosen gelungen. Insgesamt 250 Rosensorten hat der Betrieb in seinem Sortiment. Jedes Jahr kommen acht bis zehn neue hinzu.

Das Beschreiben der unterschiedlichen Duftnoten ist eine ebenso anspruchsvolle Aufgabe wie das Züchten neuer Sorten. „Oft blickten deutsche Züchter neidvoll auf ihre französischen Kollegen, die im Land der großen Parfümhersteller scheinbar stets einen Duftexperten zur Seite hatten“, sagt Thomas Proll. Umso glücklicher kann er sich schätzen, seit 2012 mit Claudia Valder zusammenzuarbeiten. Denn viele ihres Kalibers gibt es nicht. Nach Angaben des Deutschen Verbandes der Riechstoff-Hersteller arbeiten weltweit rund 800 Parfümeure, 60 in Deutschland.

Ein glücklicher Zufall brachte das Züchterhaus Kordes mit der deutschen Parfüm-Expertin Claudia Valder zusammen. Ein gemeinsamer Bekannter machte sie mit Thomas Proll bekannt. Die Parfümeurin mit dem Spezialgebiet natürliche Riechstoffe und Naturparfüms ist auch Apothekerin. Nach einem Studium der Pharmazie an der Universität Bonn erforschte Claudia Valder für ihre Diplomarbeit Sandelholzstoffe. Im französischen Grasse sammelte sie praktische Erfahrungen an der Wiege der Parfümindustrie.

Claudia Valder visualisiert die Gerüche mit Hilfe eines Duftkreises, den sie speziell für Kordes entwickelt hat. „Der Duftkreis stellt alle Nuancen des Duftes von der Kopfnote über die Herznote bis hin zur Basisnote bildlich dar, wie bei einer platt gedrückten Pyramide.“ In ihren Beschreibungen schöpft sie aus einer poetischen Schatzkammer. „Ich stelle mir beim Riechen die breite Palette eines gut gefüllten Obstregales vor“, sagt sie. Manchmal geht sie mit Sträußen von Neuzüchtungen heim. Dann riecht sie tagelang an ihnen, legt dazwischen Pausen ein, bis die Rose verblüht ist.

Lange achteten Züchter nur auf Blattgesundheit

Zur rosafarbenen Edelrose Beverly schreibt sie beispielsweise: „Ein junger, erfrischender und dennoch starker Duft mit einer prickelnd-zitronigen Kopfnote, welche auch bei nicht ganz geöffneter Blüte betört. Vor allem bei voll geöffneter Blüte überwiegt die vollmundige Herznote aus fruchtiger, reifer Litschi und weißem Pfirsich, die durch Birnen- und Mirabellenaspekte ergänzt wird. Nur ganz zart wirkt die Basisnote durch erdige Aspekte nach Patchouli und frischen Myrtenzweigen.“ In ihren Beschreibungen sagt die Expertin auch, wann die Rose am intensivsten wahrnehmbar ist, denn das ist abhängig von der Tageszeit. Auch Bodenbeschaffenheit und Feuchtigkeit spielen eine Rolle.

Viele Jahre war die Blattgesundheit das oberste Züchtungsziel. Insbesondere bei Schnittrosen litt der Duft, weil die Haltbarkeit im Vordergrund stand. Dabei ist der Duft die Seele der Rose. „In unserer neuen Kollektion Parfuma-Rosen finden sich Züchtungen, die sich sowohl durch intensiven Duft als auch durch eine zuverlässige Blattgesundheit auszeichnen“, sagt Wilhelm-Alexander Kordes, der nach dem Tod seines Vaters Wilhelm Kordes III im Januar dieses Jahres mit Tim-Hermann und John Kordes die Geschäfte führt. Fünf Sorten sind bislang in der neuen Parfuma-Serie aufgenommen, im Herbst kommen zwei weitere dazu.