Straßenverkehr

Tornescher Tempo-Warnschild ohne Nutzen

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Fabian Schindler
An der Ahrenloher Straße ist ein Dialog-Display aufgestellt worden – allerdings direkt hinter dem Kreisel

An der Ahrenloher Straße ist ein Dialog-Display aufgestellt worden – allerdings direkt hinter dem Kreisel

Foto: Fabian Schindler

Die Messanlage steht direkt hinter einem Kreisel. SPD-Chef Manfred Mörker spricht von Schildbürgerstreich und fordert Nachbesserung.

Tornesch.  Er hat mehrere Anläufe genommen und ordentlich aufs Gaspedal getreten. Doch ein grünes „Danke“ leuchtet Manfred Fäcke ein ums andere Mal vom sogenannten Dialog-Display am Straßenrand entgegen. „Ich habe es nie geschafft, dort schneller als Tempo 50 zu fahren“, sagt er. Dort – das ist die Ahrenloher Straße in Tornesch, wo das Warnschild aufgestellt wurde, um Autofahrer zum Langsamfahren zu animieren und Daten zu sammeln. Die Krux: Die mehrere Tausend Euro teure Anlage steht, fest einbetoniert, kurz hinter einem Kreisel. Zu schnell kann dort kaum jemand fahren – nützliche Daten fallen auch nicht an.

Die Ahrenloher Straße ist eine Hauptverkehrsachse in Tornesch. Die Zubringerstraße zur Autobahn wird von Tausenden von Fahrzeugen täglich befahren. Etliche von ihnen sind auf der Strecke viel zu schnell unterwegs, berichten Anwohner. Sie beklagen seit langem Verkehrslärm und fordern Maßnahmen. Ein Verkehrsgutachten der Stadt stärkte ihre Position, bestätigt die hohe Lärmbelastung. Die Politik reagierte daher: Mit dem Dialog-Display sollten Schnellfahrer dazu gebracht werden, vom Gaspedal zu gehen. Das wurde im Juni vergangenen Jahres im Bauausschuss beschlossen.

Für den SPD-Vorsitzenden Manfred Mörker und seinen Rats- und Parteikollegen Manfred Fäcke ist die Lösung, die nun präsentiert wurde, ein einziger Schildbürgerstreich. „Eine Messanlage direkt hinter einem Kreisel ist vollkommen sinnlos, da kann nichts gemessen werden“, sagt Mörker. Der Standort sei dermaßen unsinnig, dass man die Anlage auch gleich im Kreisel hätte aufstellen können, sagt Fäcke.

Der Sinn der Dialog-Displays ist inzwischen in Fachkreisen unbestritten, sofern sie richtig aufgestellt sind. Eine Untersuchung der Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat ergeben, dass diese Displays am ehesten zu einem langsameren Fahren erziehen. 9,4 Millionen Geschwindigkeitsmessungen wurden ausgewertet. Das Ergebnis: Bei Dialog-Displays, die mit „langsamer“ und „danke“-Signalen Autofahrer über ihr Fahrverhalten informieren, sei eine Temporeduzierung von bis zu sechs Kilometer pro Stunde festgestellt worden. Der prozentuale Anteil der Fahrer, die die erlaubte Höchstgeschwindigkeit über­schritten hat, hat sich dabei laut UDV um 43 bis 64 Prozent verringert. Diese Ergebnisse lassen sich aber nur erzielen und statistisch festhalten, wenn auf gerader, längerer Strecke gemessen wird. So wie an der Esinger Straße oder der Friedlandstraße in Tornesch. Nicht aber hinter einem Kreisel.

Mörker und Fäcke sind sauer. Wenn es beim jetzigen Standort für das Dialog-Display bleibe, sei Steuergeld sinnlos ausgegeben worden. Insgesamt 13.000 Euro habe die Stadt für die Aufstellung von drei Geschwindigkeitsanzeigeanlagen (GAA) inklusive jenem am Kreisel ausgegeben, sagt Fäcke. Der eigentliche Zweck der Displayinitiative, die die SPD 2015 als Teil eines größeren Verkehrsberuhigungskonzeptes gestartet hatte, werde so jedenfalls völlig zunichte gemacht. Die Anlage sollte Aufschluss geben, wie viele Fahrzeuge zu schnell unterwegs sind. Die Stadt hätte anhand der in einem halben Jahr gesammelten Daten prüfen können, wie hoch die Lärmbelastung real ist und welche Maßnahmen für eine gezielte Reduzierung der Lärmbelastung sinnvoll sind, so Fäcke. Diese Daten kann das Gerät liefern – bei einer sinnvollen Aufstellung.

Wenn alles so bleibe, wie es ist, könne gar der Schluss gezogen werden, es gebe keine übermäßige Lärmbelastung und daher keinen Handlungsbedarf. Diesen Schuh dürfe sich die Stadt nicht anziehen, urteilt Fäcke. Für ihn und Mörker ist es schwer vorstellbar, dass laut der Stadtverwaltung nur dieser eine Standort für die Anlage möglich ist. Das Bauamt verweist in der Sache auf den Landesbetrieb Verkehr- und Straßenbau Schleswig-Holstein (LBV). Der habe nach einer Prüfung den jetzigen Standort vorgegeben. Dem widerspricht Kai-Uwe Schacht, Leiter des LBV in Itzehoe: Eine Anordnung von Seiten des LBV an die Tornescher Stadtverwaltung sei beim Landesbetrieb nicht bekannt...

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