Pinneberg
Bönningstedt

Gerichtstermin am neuen Araber-Pferdestall

Christina Krumm mit einer ihrer seltenen Araber-Tameri-Stuten auf ihrem Areal im Außenbereich von Bönningstedt. Im Hintergrund das Stallgebäude, an das eine Baumreihe grenzt

Christina Krumm mit einer ihrer seltenen Araber-Tameri-Stuten auf ihrem Areal im Außenbereich von Bönningstedt. Im Hintergrund das Stallgebäude, an das eine Baumreihe grenzt

Foto: Burkhard Fuchs

Verwaltungsgericht Schleswig soll klären, ob ein Knick oder ein Wald ans Gebäude grenzt. Ein Nachbar hat gegen Baugenehmigung geklagt.

Bönningstedt.  Ungewöhnlicher Ort für einen Gerichtstermin. Jetzt hat Richter Roland Weiß-Ludwig von der Zweiten Kammer des Verwaltungsgerichts Schleswig eine Verhandlung am neuen Pferdestall in Bönningstedt abgehalten, in dem die Hamburgerin Christina Krumm seit einem Jahr hochwertige Araberpferde züchtet. Wie berichtet, hatte der benachbarte Landwirt Karsten Blohm gegen die im Herbst 2014 vom Kreis Pinneberg erteilte Baugenehmigung geklagt und im Dezember 2014 in einer Eilentscheidung vor dem Verwaltungsgericht einen Baustopp erwirkt, den das Oberverwaltungsgericht vier Monate später wieder aufhob.

Im Kern geht es bei dem Rechtsstreit darum, ob es zulässig war, dass das Gebäude dichter an die nächsten Bäume herangebaut wurde, als es das Landeswaldgesetz erlaubt. Demnach sollen neue Gebäude mindestens 30 Meter von einem Wald entfernt errichtet werden, um eine Brandgefahr zu vermeiden. In diesem Fall sind es etwa zwölf Meter. Die Forstbehörde hatte dem Kreis Pinneberg eine Ausnahmegenehmigung erteilt, weil die Brandgefahr für den Laubwald auch bei diesem geringeren Abstand zum Gebäude zu vernachlässigen sei.

Pferdezüchterin Krumm argumentierte zudem, dass es sich wohl eher um einen Knick in einem „verwahrlosten Biotop“ handele als um einen regulären Wald. Und so wollte sich Verwaltungsrichter Weiß-Ludwig vor Ort selbst ein Bild vom Bau und der umgebenden Natur hier im Außenbereich von Bönningstedt direkt an der Ortsgrenze zu Hasloh verschaffen. Etwa zwei Stunden dauerte der Termin, an dem Vertreter der Bauaufsichtsbehörde des Kreises, die Pferdezüchterin Krumm, der Kläger Blohm und seine Frau Resy de Ruijsscher sowie eine weitere Politikerin der Grünen aus Bönningstedt teilnahmen.

Dabei machte der Richter deutlich, dass er die Baumgruppe aus Erlen und einer Eiche sehr wohl als Wald einstufen würde. Was auf die Entscheidung des Gerichts, ob die Baugenehmigung zu Recht erteilt wurde, noch keinen Einfluss haben müsse, wie Gerichtssprecher Harald Alberts sagt. Im September werde der Richter zunächst darüber befinden und es jetzt mit den Beobachtungen vor Ort begründen, ob und warum es sich um einen Wald handele, der an den 1600 Quadratmeter großen Stall mit Pferdeboxen für die Araberpferde grenzt – oder nicht. Falls nein, würde das Waldgesetz nicht zur Geltung kommen, und die Baugenehmigung wäre rechtens. Falls ja, werde er einen Termin für das Hauptsacheverfahren festsetzen, erklärt Sprecher Alberts. Dieser würde dann aber erst Ende des Jahres oder auch erst Anfang 2017 sein können.

Dabei sei dann zu klären, ob die Ausnahmegenehmigung vom Kreis zu Recht erteilt wurde oder nicht. Falls dies vom Gericht verneint werden würde, wäre die Baugenehmigung aufgehoben, und es würde sich „um einen großen Schwarzbau“ handeln, dessen Abriss der Kläger verlangen könnte, so Alberts. Gegen den Beschluss wäre aber von beiden Seiten dann wieder Beschwerde vor dem Oberverwaltungsgericht möglich.

Sie würde auf jeden Fall die nächste Instanz anrufen, sollte sie beziehungsweise der Kreis Pinneberg als Beklagter den Prozess verlieren, versichert Christina Krumm. Die Zucht der seltenen Vollblut-Araberpferde sei ihre berufliche Existenz. „Schon jetzt hat uns dieser Rechtsstreit wegen der Bauverzögerung einige Hunderttausend Euro gekostet“, klagt Krumm. Auch die Banken hielten sich bei der Kreditvergabe zurück, solange der Rechtsstreit anhält. „Aber ich mache mir keine Sorgen, dass es schiefgeht.“

So hat das Verwaltungsgericht zwar in seiner Eilentscheidung zum vorläufigen Baustopp eine mögliche Brandgefahr eingeräumt, weil das Haupttragwerk des Gebäudes aus Holz bestehe. „Doch es steht auf einem Betonsockel, und die Außenwände sind komplett aus Wellblech“, sagt Christina Krumm. Nur der Dachstuhl sei mit Holzleimbindern konstruiert, die eine sehr hohe Brandschutzresistenz aufwiesen. Für sie sei es „reine Schikane“, dass der benachbarte Landwirt erst im letzten Moment gegen die Baugenehmigung geklagt habe, obwohl seine Frau als Mitglied des Bauausschusses von Bönningstedt schon Monate zuvor über das Bauvorhaben umfassend informiert gewesen sei. „Die sind ja täglich hier gewesen und haben den Baufortschritt fotografiert und gefilmt. Geklagt haben sie erst, als das Dach fast fertig war“, so Krumm.

Resy de Ruijsscher, Ehefrau des Klägers Blohm, wollte sich am Donnerstag auf Nachfrage des Abendblatts weder zu dem Gerichtstermin noch dazu äußern, inwiefern der benachbarte Pferdestall sie beeinträchtige und wann sie davon erfahren hat. Der beklagte Kreis Pinneberg hält sich mit Hinweis auf das laufende Verfahren mit einer weiteren Bewertung zurück. Kreissprecher Oliver Carstens sagt aber: „Wir sind überzeugt, dass unsere Rechtsauffassung richtig ist und sind an einer schnellen Klärung in der Sache interessiert.“

Das gilt natürlich auch für Pferdezüchterin Krumm, die sich endlich in Ruhe und mit vollem Einsatz um die Aufzucht der Vollblutpferde kümmern möchte. 16 Stuten und vier Fohlen der edlen Tameri-Rasse hat sie zurzeit in dem neuen Stall, der bereits bei internationalen Pferdeliebhabern Aufmerksamkeit erregt habe. So erwarte sie demnächst Gäste aus Ägypten und Kuwait, die sich diese schönen Tiere anschauen möchten.

Bönningstedts Bürgermeister Peter Liske (Währergemeinschaft BWG) sagt: „Ich finde es toll, dass wir diese Möglichkeit der Araber-Pferdezucht bieten können. Das ist auf jeden Fall eine Bereicherung für unseren Ort.“