Pinneberg
Uetersen

Vom Alltag zwischen Hebammen und Gesindel

Die Gräfin-Ilse-von Bredow-Scheune im Uetersener Kloster

Die Gräfin-Ilse-von Bredow-Scheune im Uetersener Kloster

Foto: Fabian Schindler

Archivtag im Adeligen Kloster Uetersen gibt am Sonntag Einblicke in den Alltag der klösterlichen Obrigkeit im 19. Jahrhundert.

Uetersen.  Einmal im Jahr gewährt das Uetersener Klosterarchiv einen Einblick in seine Schätze. Die Arbeitsgruppe Klostertage Uetersen lädt daher ein zu einer mit Lichtbildern unterlegten kurzweiligen Reise in die Geschichte des Adeligen Klosters Uetersen. Der sogenannte Archivtag findet statt am Sonntag, 28. August, von 17 Uhr an in der Gräfin-Ilse-von-Bredow-Scheune, die hinter dem Priörinnenhaus liegt, das seit Jahren als Restaurant genutzt wird. Das Tor wird geöffnet um 16.30 Uhr.

Die Reise in die Vergangenheit führt in die Zeit, als Schleswig-Holstein noch vom dänischen König regiert wurde und Probst und Priörin des Adeligen Klosters als „Klösterliche Obrigkeit“ die in Kopenhagen erlassenen Gesetze, Bestimmungen und Verordnungen vor Ort umzusetzen hatten. Probst und Priörin wurden von den Stiftsdamen gewählt. Etliche der einst versiegelten Wahlbriefchen hat das Klosterarchiv bewahrt und werden vorgestellt. Und erzählen Geschichten: Zum Beispiel, weil die Uetersener Klosterdamen es so wollten, gab Kaiser Wilhelm II. 1891 dem Generalstäbler Otto Julius Graf von Moltke in den Abschied, und der Offizier vertauschte daraufhin seine Wohnung in der Hauptstadt mit dem Probstenhaus in Uetersen.

Und wie sah der Alltag der Klösterlichen Obrigkeit aus? Ein gemütlicher Ruhestandssitz war dieser ganz und gar nicht, im Gegenteil. Im Jahre 1830 etwa lief ein verzweifelter Bräutigam hilfeflehend zum Klosterprobsten: die Hochzeit war festgesetzt, aber warum durfte Pastor Höpfner das Brautpaar nicht trauen? Und was hatte die Konfirmation der Uetersener Kinder mit dem Impfzwang zu tun, mit dem König Frederik VI. die Blattern, auch Pocken genannt, ausrottete?

Was landete noch alles auf dem Schreibtisch der Obrigkeit? Hebammen wussten nicht aus noch ein, weil frisch gebackene Väter ihnen den Lohn schuldig blieben oder die Kommune Horst die ihnen zustehende Dienstwohnung gekündigt hatte. Landwirte beschwerten sich über ortsfremdes Gesindel, das des Nachts mit Schweinen, Pferden und Hornvieh über Land stromerte und zertrampelte Deiche, Wegeränder und Gräben zurückließ.

Archivtag: So 28.8., 17 Uhr, Adeliges Kloster Uetersen, Gräfin-von-Bredow-Scheune, 10 Euro