Pinneberg
Bildung

Pinnebergs neue Privatschule legt bald los

Leiterin Mary Wenstrom vor der neuen Privatschule im Pinneberger Stadtteil Eggerstedt

Leiterin Mary Wenstrom vor der neuen Privatschule im Pinneberger Stadtteil Eggerstedt

Foto: Andreas Daebeler / HA

Unterrichtsstart: Hamburger Bildungsträger Wabe investierte 16 Millionen Euro im Stadtteil Eggerstedt. Schule will Stipendien anbieten.

Pinneberg.  Mary Wenstrom ist schon von Weitem zu erkennen. Ihr knallblaues Hemd hebt sich deutlich ab von dem mit Holzfassade versehenen Gebäude, in dem sie künftig ihre Arbeitstage verbringen wird. Ortstermin in der Parkstadt Eggerstedt. Hier wächst eine neue Pinneberger Privatschule. Satte 16 Millionen Euro investiert der Hamburger Bildungsträger Wabe. Wenstrom wird die Internationale Schule leiten. Sie hat in Boston studiert, an einer der berühmtesten Hochschulen Amerikas. Aus Harvard nach Pinneberg – der 36-Jährigen, die in Minnesota aufwuchs, gefällt’s. Sie will sich hier verwirklichen.

Dass eine Schule, die monatlich mindestens 570 Euro Euro von Eltern fordert, nicht von allen begrüßt wird, ist auch Wenstrom klar. Sie betont die pädagogische Qualität, die geboten werden solle. An ihrer Schule würde Bildung ganzheitlich gedacht: „Wir haben nicht nur den Kopf im Blick“, sagt Wenstrom, die schon an Schulen in Südspanien und Peking tätig war und derzeit an ihrem Deutsch feilt. Kindern werde auf dem sogenannten International School Campus eine exzellente Ausstattung geboten. „Wir schaffen etwa Orchesterinstrumente an.“ Zudem würden Jungen und Mädchen mit Tabletcomputern ausgestattet. Pädagogisch nehme die altersübergreifende Projektarbeit eine wichtige Rolle ein. „Und wir holen Filmregisseure und Astronauten in die Schule.“

Die Schule wirbt mit einem innovativen Konzept von Klasse 1 bis 12 mit dem Internationalen Baccalaureate (IB) Abschluss. Anspruch der neuen Privatschule, die bei Besserverdienenden sogar mit einem jährlichen Schulgeld von weit mehr als 10.000 Euro zulangt, sei es, Führungskräfte vom morgen auszubilden. Sozialverhalten sei Kernkompetenz. „Auch Sprache ist ein wichtiger Faktor.“ Die Kinder würden von Beginn an in Englisch und in Deutsch unterrichtet. „Mit der sechsten Klasse kommt eine weitere Fremdsprache hinzu“, so Wenstrom, die in Hamburg lebt.

Der Weg zur Internationalen Schule in Pinneberg war ein kurzer, wenn auch etwas steinig. Anfang 2015 hatte Marcel Graff, Geschäftsführer des Hamburger Bildungsträgers Wabe, seine Vision erstmals im Ausschuss für Stadtentwicklung präsentiert. Ein Bildungszentrum wolle er der Kreisstadt schenken. Investoren stünden Schlage, hieß es. Kindergarten, Sportanlagen, eine Akademie für Erzieher und eben eine mehrsprachige Internationale Schule – die Politik in Pinneberg reagierte begeistert auf das Konzept.

Das änderte sich ein wenig, als eingeplantes Geld für Grundstücke nicht auf dem Konto der Stadt einging. Das Campus-Projekt schien in Frage gestellt. Heute, einige Monate nach den Querelen, ist davon keine Rede mehr. Die Stadt hat sich mit der Wabe auf den weiteren Fahrplan geeinigt. Ziel bleibt, nach der bereits vor einem Jahr eröffneten Kindertagesstätte und der Internationalen Schule auch die Akademie auf den Weg zu bringen.

Wenstrom wird nicht müde zu betonen, dass sie keine elitäre Schule leiten will. Ziel sei es, möglichst vielen Schülern Stipendien zu bieten. Sie könne sich vorstellen, dass große Unternehmen ihren künftigen Führungskräften den Besuch der Einrichtung ermöglichen. Eine Art Kaderschmiede also. Aus Reihen der Gewerkschaft für Erziehung und wird das Projekt dennoch massiv attackiert. Bildung sei keine Ware, sagt deren Vorsitzender Bernd Schauer, sondern ein elementares Grundrecht. Sie solle deshalb auch nicht für viel Geld an Eltern verkauft werden. Schauer malt ein düsteres Bild: „Private Schulen, die von den Eltern 570 Euro im Monat an Schulgeld verlangen, befördern die soziale Spaltung unserer Gesellschaft. Als Konsequenz bleiben dann die Kinder von Eltern mit dickem Portemonnaie unter sich. Für den sozialen Zusammenhalt ist eine solche Entwicklung Gift.“ Peter Brandt, DGB-Vorsitzender für den Südosten Schleswig-Holsteins, äußerte sich ähnlich kritisch: „Dass es im Kreis Pinneberg immer mehr Kommerzschulen geben soll, ist keine gute Nachricht.“

Stadt setzt auf Ansiedlung von neuen Unternehmen

Bürgermeisterin Urte Steinberg hingegen kann die Eröffnung der Internationalen Schule in der Parkstadt Egger-stedt kaum erwarten. „Ich erhoffe mir eine große Strahlkraft“, sagt sie. Das ergänzende Bildungsangebot könne die Stadt als Standort für international agierende Unternehmen attraktiv machen. Das finanziell angeschlagene Pinneberg hofft auf zusätzliche Einnahmen bei der Gewerbesteuer.

Steinberg hat keinen Zweifel daran, dass auch die weiteren Pläne von Wabe-Geschäftsführer Marcel Graff in die Tat umgesetzt werden. So werde etwa die Idee, neben Akademie und Boardinghouse ein Hotel zu bauen, weiterverfolgt. Als möglicher Betreiber sei weiterhin der Hamburger Hotelier Gerd Prantner, der einst das Vier Jahreszeiten an der Alster führte, im Gespräch. „Auch ein Schwimmbad mit 25-Meter-Bahnen ist geplant“, so Steinberg.

Zukunftsmusik. Am 5. September startet erstmal die Internationale Schule in den Betrieb. Und das mit weniger Kindern als ursprünglich geplant. War zunächst mit 45 Jungen und Mädchen kalkuliert worden, liegen aktuell 16 Anmeldungen vor. Mary Wenstrom kann damit leben: „Wir wollten nicht zu groß starten“, sagt die 36-Jährige. Im zweiten Jahr könne auf etwa 100 Kinder ausgebaut werden. Maximal 300 Schüler können in den 19 Räumen unterrichtet werden. Wenn auch der zweite Bauabschnitt in die Tat umgesetzt wird, gibt’s noch mehr Platz.