Pinneberg
Serie Kennzeichen E

Die Tankstelle vor der Haustür ist Gold wert

Martin Oster mit seiner mobilen Wallbox, mit der er sein Auto an einer einfachen Steckdose aufladen kann

Martin Oster mit seiner mobilen Wallbox, mit der er sein Auto an einer einfachen Steckdose aufladen kann

Foto: Anne Pamperin

Risiko Reichweite: In unserer Serie Kennzeichen E stellen wir heute unterschiedliche Möglichkeiten vor, ein Elektroauto aufzuladen.

Ich sitze auf der kleinen Veranda eines Restaurants an einer der belebtesten Kreuzungen Norderstedts. Das Leben pulsiert hier, aber leider auch das benzingetriebene Herz der viertgrößten Stadt Schleswig-Holsteins.

Ich sinniere darüber, wie es wohl wäre, wenn alle schon mit Elektro-Autos unterwegs wären, wie ich es seit einigen Wochen bin. Wie ruhig es hier und allgemein in den Städten wäre. Aber allzu oft wurden mir bei meinen Schilderungen über den Komfort der E-Mobilität dieselben Bedenken entgegengebracht. Allen voran die Reichweite.

Eben dieses vermeintlich so entscheidende Kriterium des Mobilseins ist bei meinem täglichen Arbeitsweg nicht das Problem. 70 Kilometer von Quickborn-Heide nach Bad Oldesloe und zurück bewältigt der Renault Zoe voll geladen spielend, im Sommer auch zweimal. Muss er nicht mal, denn ich habe mir eine mobile Wallbox für die heimische Aufladung zugelegt. Mit dieser Ladestation kann ich von der normalen Haushaltssteckdose mit zehn Ampere und 3,6 kW über mehrere Schritte bis hin zur Industriesteckdose mit 30 A und 22 kW laden. Ich habe den Zoe testweise einmal leer gefahren und an der Haushaltssteckdose neben unserer Haustür angeschlossen.

Nach 17 Stunden war er endlich voll geladen. Für die heimische Treibstoffbefüllung werde ich mich doch um das System mit 22 kW bemühen, dann habe ich schon nach einer Stunde wieder 150 Kilometer Reichweite, und die Ladeverluste sollen auch nicht so hoch sein. Zusätzlich werde ich mich in naher Zukunft mit dem Thema Fotovoltaik beschäftigen. Warum nicht den Treibstoff in Form von Strom direkt auf dem eigenen Dach erzeugen? Einige meiner neuen E-Auto-Bekanntschaften haben das schon vorgemacht. Es gibt viele Ideen, wie die Ladeinfrastruktur der Zukunft aussehen könnte. Ich denke, die Tankstelle vor der eigenen Haustür wird ein wichtiges Kriterium sein. Hierzu gehören mindestens auch Anschlüsse in den Tiefgaragen der Wohnanlagen.

Leider gibt es für diejenigen, die zu Hause nicht über die Steckdose in Parkplatznähe verfügen, im Hamburger Umland aktuell nur vereinzelte Lademöglichkeiten. In meinem Wohnort Quickborn zum Beispiel nur die Ladestation des dänischen Anbieters Clever. In Norderstedt gibt es die Möglichkeit, beim Renault-Händler Lüdemann und Sens an der Hökertwiete und am Hummelsbütteler Steindamm zu laden. Und in der Nähe meiner Arbeitsstätte in Bad Oldesloe gibt es ebenfalls nur eine Stromstation an der Speichertankstelle Jenny an der Lily-Braun-Straße. Öffentliche Ladesäulen sind in allen drei Städten Fehlanzeige. Auch in den gesamten Kreisgebieten von Stormarn, Pinneberg und Segeberg, in denen ich regelmäßig unterwegs bin, sind sie rar gesät. Hamburg geht hier mit gutem Beispiel in Form von rund 150 Lademöglichkeiten voran.

Sinn machen diese Energie-Spender sicherlich an frequentierten Einrichtungen des öffentlichen Lebens, wie zum Beispiel Einkaufsmöglichkeiten und Freizeitanlagen wie Badeanstalten, Stadtparks oder Fitness-Studios. So kann man das Vergnügen mit dem Nützlichen verbinden. „Ich fahre zum Baden, nicht zum Laden.“

Mein Zoe hat mich in den ersten vier Wochen zweimal im Stich gelassen, was aber auch an meiner Unachtsamkeit gelegen haben mag. „Batterieladung unmöglich“ sagte mir das Display jeweils. Einmal hatte ich mein Auto an eine defekte Ladesäule in Henstedt-Ulzburg trotz Fehlerhinweises der Säule angeschlossen. Beim zweiten Mal war es wohl die falsche Reihenfolge des Anschließens an „meiner“ Famila-Säule in Quickborn-Heide. Seit ich den Anweisungen der Säule folge und dann den Zoe anstöpsele, gibt es keine Probleme mehr.

Während der Recherche, wie ich die Meldung abschalte und den Zoe wieder ladebereit bekomme (Fahrzeug abschließen und nach 15 Minuten erneut anschließen), habe ich lesen müssen, dass mein Zoe sich bei falscher Betankung gerne als „Ladezicke“ entpuppt.

Trotzdem ziehe ich nach meinem ersten Monat als E-Mobilist ein positives Fazit. Eine Menge Komfort, eine Sommer-Reichweite bei vorausschauender Fahrweise von rund 180 Kilometern, viele neue Kontakte und jede Menge Fahrspaß sprechen für sich. Eingeschränkt fühle ich mich mit der neuen Art der Fortbewegung überhaupt nicht, und möchte auch nicht mehr darauf verzichten.

Martin Oster vom IT Verbund Stormarn in Bad Oldesloe wird weiterhin über seine Erfahrungen mit seinem Elektroauto berichten. Außerdem schreibt er im Internet einen Blog unter der Adresse www.kennzeichen-e.de.