Pinneberg
Kreis Pinneberg

Partnerschaft mit Selenogradsk vor dem Aus?

Für Kreispräsident Burkhard E. Tiemann warf der letzte Besuch in Selenogradsk Fragen auf

Für Kreispräsident Burkhard E. Tiemann warf der letzte Besuch in Selenogradsk Fragen auf

Foto: Kerstin Kiesel

Kühler Empfang für Delegation des Kreises Pinneberg zum 25-jährigen Bestehen der Partnerschaft. Russischer Verein aufgelöst.

Pinneberg/Selenogradsk.  Steht die Partnerschaft des Kreises Pinneberg mit dem russischen Rayon Selenogradsk, dem ehemaligen ostpreußischen Cranz, vor dem Aus? Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Partnerschaft war eine Delegation des Kreises mit Kreispräsident Burkhard E. Tiemann an der Spitze nach Russland gereist und, wie es jetzt in einer offiziellen Mitteilung des Kreises heißt, „mit gemischten Gefühlen“ zurückgekommen.

Grund dafür war ein offenbar äußerst kühler Empfang der Deutschen durch die Verwaltungsspitze auf russischer Seite. Den Besuchern sei erklärt worden, dass es den Rayon in seiner bisherigen Form nicht mehr gebe, darüber hinaus gebe es auch den Verein Selenogradsk-Pinneberg nicht mehr, da dieser von einem Gericht wegen angeblichen Nichteinhaltens gesetzlicher Verpflichtungen aufgelöst worden sei.

Bei weiteren offiziellen Programmpunkten hätten sich russische Vertreter entschuldigen lassen, auch bei sonst üblichen gemeinsamen Aktivitäten blieben die Deutschen allein. Möglicherweise ist die neue „Eiszeit“ auf regionaler Ebene Ausfluss der politischen Großwetterlage zwischen Deutschland und Russland. Für Kreispräsident Tiemann, der zum siebten Mal in dem „bisher für seine große Gastfreundschaft bekannten Selenogradsk war“, wirft dieser Besuch jedenfalls Fragen auf.

Beide Seiten profitieren von der Partnerschaft

Seit 1991 besteht die Partnerschaft, die durch Vereine auf beiden Seiten mit Leben erfüllt wurden. So wurde das Kinderheim „Istok“, ein Haus für Straßenkinder des Rayons, mit Sach- und Geldspenden unterstützt. Gemeinsam mit Bewohnern des Kurortes wurden Grünanlagen verschönert, etwa durch das Anlegen einer Freundschaftsallee. Und einmal im Jahr kommen sozial benachteiligte Kinder in den Kreis Pinneberg, wo sie eine Ferienfreizeit verbringen.

Es existieren Schulpartnerschaften mit Selenogradsk. Unterstützung bekommen der Kulturverein und die Musikschule in Selenogradsk, außerdem wurde eine Arbeitsgruppe „Behindertenpädagogik“ in Selenogradsk ins Leben gerufen. Auch Organisationen wie Kreisjugendring und Kreissportverband engagieren sich in Russland. Der Verein unterstützt zudem den Deutschunterricht für Mitglieder des russischen Vereins Pinneberg-Selenogradsk, und einen besonderen Raum nehmen die Gastschulverhältnisse ein. Seit 1996 nehmen vornehmlich russische Gastschülerinnen das Angebot wahr.

Der Kreis hat bisher vielfältige materielle Hilfe geleistet. So entwickelte sich das Krankenhaus Selenogradsk dank Sachspenden und ärztlicher Fortbildung zum modernsten Krankenhaus des Gebietes. Russische Lehrer hospitierten an Schulen des Kreises Pinneberg.

Ganz besonders eng ist die Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren auf beiden Seiten. Mit Geräten und Schulungen sorgen die Deutschen dafür, dass die Berufsfeuerwehr in Selenogradsk hervorragend ausgerüstet ist. Auf deutscher Seite hat der Verein Selenogradsk mehr als 250 Mitglieder, Vorsitzende ist Gabriele Kascha.