Pinneberg
Kreis Pinneberg

Kommunen fürchten Chaos mit gelben Säcken

10.000 Tonnen Verpackungsmüll hat die GAB bisher jedes Jahr entsorgt. Jetzt soll das Elbe Container Dienst aus Wedel übernehmen

10.000 Tonnen Verpackungsmüll hat die GAB bisher jedes Jahr entsorgt. Jetzt soll das Elbe Container Dienst aus Wedel übernehmen

Foto: Burkhard Fuchs

Entsorgung der Leichtverpackungen wurde an Wedeler Firma vergeben. Doch die Bürgermeister halten diese für unzuverlässig.

Kreis PinneberG.  Die Neuvergabe der Entsorgung von Leichtverpackungen in den gelben Säcken sorgt in den Kommunen des Kreises Pinneberg für Ärger. Mehrere Bürgermeister und Amtsdirektoren haben sich schriftlich bei Landrat Oliver Stolz beschwert, dass nun von 2017 bis 2019 die Firma Elbe-Container Dienst GmbH mit Sitz in Wedel diese jährlich 10.000 Tonnen Verpackungsmüll entsorgen soll.

Da Eigentümer dieser Firma die Familie Bötel ist, mit der sie in früheren Jahren oft Probleme bei der Altglasentsorgung gehabt hätten, fürchteten sie „eine deutliche Verschlechterung der derzeitigen Situation“, wie Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof sagt. Dabei ist der Kreis Pinneberg für die Ausschreibung gar nicht zuständig. Stephan Bötel weist auf Nachfrage die Vorwürfe als unbegründet zurück und betont: „Es geht auch billiger. Die Bürger werden es uns danken.“

Bislang war das Tochterunternehmen Umwelt Service Nord (USM) der Gesellschaft für Abfallbehandlung (GAB) in Kummerfeld für die Einsammlung der gelben Säcke zuständig, die je zur Hälfte dem Kreis Pinneberg und dem Abfallkonzern Remondis gehört. Alle drei Jahre wird diese Aufgabe bundesweit für alle Kreise neu ausgeschrieben - und zwar von einem der zehn Systemanbieter des Dualen Systems. In diesem Fall war es das Recycling Kontor Köln, das den Zuschlag für die nächsten drei Jahre an Elbe Container Dienst erteilte.

„Wir haben uns mit der USM auch wieder darum beworben zu ähnlichen Bedingungen wie vorher“,, sagt GAB-Geschäftsführer Jens Ohde. „Leider sind wir nicht zum Zuge gekommen. Aber darauf haben wir keinen Einfluss.“ In der Branche wird gemunkelt, Bötel habe sich mit einem Dumpingpreis den neuen Auftrag gesichert. Dem widerspricht Mitgesellschafter Stephan Bötel. „Der Preis ist super und vollkommen auskömmlich.“ Der Betrag liege zwischen ein und zwei Millionen Euro im Jahr. USM soll etwa 1,8 Millionen Euro abgerechnet haben.

Bötel sieht sich einer „Rufmord-Kampagne“ gegen sein Unternehmen ausgesetzt, die nicht gerechtfertigt sei. „Lassen wir doch mal die Kirche im Dorf“, wundert er sich. „Gelbe Säcke in einen Wagen zu werfen, ist doch keine Kunst. Wir sind nur ein kleines mittelständisches Unternehmen, aber wir werden diesen Shitstorm ertragen.“

Die Verwaltungschefs in den Städten und Gemeinden sind allerdings einhellig von der Qualität bei der bisherigen Abfallentsorgung des Wedeler Unternehmens enttäuscht. So haben außer der Bürgermeisterin von Schenefeld auch ihre Amtskollegen aus Wedel, Elmshorn, Tornesch, Uetersen, Halstenbek und Rellingen sowie die Leiter der Ämter Rantzau, Elmshorn-Land und Moorrege die Vergabe an die Bötel-Firma scharf kritisiert. Sie hätten „negative Erfahrungen“ gemacht, die Depotstandorte seien oft verdreckt, weil die Behälter nicht rechtzeitig entleert worden seien, lauten die Hauptvorwürfe.

Alle diese Einwände werde der Kreis an die Ausschreibungsfirma in Köln weiterleiten, kündigt Kreissprecher Oliver Carstens an. Allerdings dürfte dies zu spät sein, da die Entsorgungsverträge mit dem Elbe Container Dienst bereits abgeschlossen sein sollen. Ansonsten hält sich Carstens mit einer Wertung zurück. „Die Sammelaufträge werden von den Dualen Systemen ausgeschrieben und vergeben. Der Kreis hat auf diese Entscheidung keinen Einfluss.“

„Für die Sauberkeit der Containerplätze sind wir gar nicht zuständig“, wendet Bötel ein. Diese Aufgabe obliege der GAB, die dafür einen sechsstelligen Betrag aus den Müllgebühren bekäme. In 30 Kreisen von Flensburg bis Hildesheim habe sein Unternehmen schon Altglas und Verpackungsmüll entsorgt. Künftig seien es 12.000 Tonnen Altglas von einer Million Bürgern sowie rund 15.000 Tonnen Leichtverpackungen in den Kreisen Pinneberg und Segeberg, so Bötel. Wer die Sortierung der gelben Säcke übernehme, sei noch gar nicht geklärt. Möglicherweise bleibe diese Aufgabe wie bisher bei der GAB in Tornesch-Ahrenlohe.

Diese Neuvergabe der Abfallentsorgung hat auch personelle Konsequenzen. Bei der GAB hätten etwa zehn Mitarbeiter dadurch von 2017 an nichts mehr zu tun, sagt Geschäftsführer Ohde. „Die Arbeit fehlt, aber wir versuchen, neue für sie zu finden und wollen niemanden entlassen.“

Dafür will Bötel nun 22 Mitarbeiter zu seinen bisherigen 70 für die neue Aufgabe einstellen, kündigt er an. Vier seien bereits eingestellt. Er lasse sich auch von einem langjährigen Experten des Dualen Systems beraten. Im Herbst werde auch die Öffentlichkeit umfassend darüber informiert, wie sie die gelben Säcke erhalte und wo die Containerstandorte stünden, verspricht der Wedeler Unternehmer.