Pinneberg
Aus nach 13 Jahren

Betreiber kämpfen um Kult-Imbiss Hafensnack Kollmar

Simone und Hartmut Köhler vom Hafensnack Kollmar haben von der Gemeinde die Kündigung bekommen

Simone und Hartmut Köhler vom Hafensnack Kollmar haben von der Gemeinde die Kündigung bekommen

Foto: Anne Dewitz / HA

Die Gemeinde kündigt nach 13 Jahren den Pachtvertrag ohne Angabe von Gründen. 3500 Kunden protestieren mit Unterschrift dagegen.

Kollmar.  Sieben Tage die Woche ist der Hafensnack in Kollmar (Kreis Steinburg) geöffnet, ab 11 Uhr – und das über das ganze Jahr. Hartmut und Simone Köhler betreiben den Kult-Imbiss an der Elbe seit 13 Jahren. Nun könnte damit bald Schluss sein, denn die Gemeinde Kollmar kündigte ihnen unerwartet den Pachtvertrag.

„Das kam aus heiterem Himmel. Unsere Existenz steht auf dem Spiel“, sagt Hartmut Köhler. Gerade erst habe er 40.000 Euro in neue Küchenmaschinen, darunter eine Kaffeemaschine, investiert. Schon in den Jahren zuvor hat der 57-Jährige konstant investiert, Kuschelboxen und andere Sitzmöglichkeiten geschaffen, die Fläche gepflastert, mit einem Container den gut laufenden Imbiss erweitert. Nun soll er alles zurückbauen. „Wie soll das gehen?“, fragt er sich. Kampflos will er das Feld nicht räumen.

Der Kündigung ging ein Streit um die Sitzgelegenheiten vor dem beliebten Imbiss voraus. Die örtlichen Behörden hatten im vergangenen Jahr die Köhlers aufgefordert, die Bänke und Kuschelboxen umgehend zu entfernen, aus Gründen des Deichschutzes. Die Aufstellung war weder mit dem Ordnungsamt noch mit küstenschutzrechtlicher Genehmigung erfolgt. Die Strandkörbe waren dann zwischenzeitlich auch verschwunden, stehen mittlerweile aber wieder auf der gepflasterten Fläche. Ein Grund für die Kündigung?

Bürgermeister Klaus Kruse (SPD) will über die Gründe für die Kündigung nicht sprechen und beruft sich auf das laufende Gerichtsverfahren. Da die Köhlers den Platz nicht fristgemäß am 30. Juni geräumt haben, strengt die Gemeinde eine Räumungsklage an. Die Köhlers wiederum wollen dagegen Einspruch erheben und haben einen Anwalt eingeschaltet. Bis zum 16. September haben sie dafür Zeit. „Das Amt Horst-Herzhorn wollte uns zum 1. Juli sogar den Strom abstellen“, sagt Hartmut Köhler. Er machte ihnen einen Strich durch die Rechnung und besorgte sich ein Notstromaggregat.

Große Unterstützung erfahren die Imbissbetreiber von ihren Gästen, die aus der ganzen Region kommen und das frisch zubereitete Essen und den schnellen Service schätzen. Ein Stammkunde hat eine Petition gegen die Kündigung gestartet. 3700 Unterschriften kamen in zwei Monaten zusammen.

Die Kündigung wurde in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen. „Es hat zuvor keinerlei Beschwerden seitens der Gemeinde gegeben“, sagt Simone Köhler. „Ganz im Gegenteil. Einige Gemeindemitglieder sind bei uns Stammgast.“ An gleicher Stelle soll auch weiterhin einen Imbiss betrieben werden – nur ohne die Köhlers.

Das bestätigte auch Bürgermeister Kruse. „Es gab ein Interessenbekundungsverfahren. Herr Köhler hätte sich ebenfalls bewerben können. Das hat er aber nicht getan“, sagt er. Davon habe ihm sein Anwalt auch dringend abgeraten, sagt wiederum Hartmut Köhler. „Damit hätte ich ja die Kündigung akzeptiert“, so der ehemalige Unternehmensberater. Zudem sei das Verfahren auf zehn Tage begrenzt gewesen. Dabei müsste man schon für das polizeiliche Führungszeugnis drei Wochen einplanen. Köhler vermutet, dass sein Erfolg einigen Menschen in Kollmar ein Dorn im Auge sei. „Unsere Anfragen, warum man uns hier nicht mehr haben möchte, blieben alle unbeantwortet“, sagt er.

Den Zuschlag erhielt der Betreiber des Strandflohs am Bielenberger Hafen nahe Kollmar. Florian Heyn hatte den Imbiss erst im April 2015 eröffnet – und das mit Unterstützung der Köhlers. Der gelernte Bankkaufmann hatte zwei Jahre lang im Hafensnack Kollmar ausgeholfen und pflegte zu den Köhlers bislang ein freundschaftliches Verhältnis. „Mein Mann hat dem Florian sogar beim Aufbau seines Imbisses geholfen, ihm den Kontakt zu den Lieferanten vermittelt“, sagt Simone Köhler. „Er hätte ihn sogar als unseren Nachfolger eingearbeitet, wenn er uns gegenüber Interesse bekundet hätte.“ Denn eigentlich hätten sie ihr Arbeitspensum in drei oder vier Jahren sowieso zurückschrauben wollen. Er sei aber erst am 30. Juni auf sie zugekommen – an diesem Tag endete die Frist für das Interessenbekundungsverfahren – um ihnen zu sagen, dass er den Zuschlag für den Imbiss in Kollmar erhalten hätte. Florian Heyn wollte sich am Freitag nicht zu den Vorgängen äußern.

Die „menschliche Enttäuschung“ mache ihr am meisten zu schaffen, so die 51-Jährige, die früher im Prozessmanagement gearbeitet hat. „Die Bedingung für diesen Pachtvertrag war, dass Hartmut nicht mehr in der Bude stehen darf“, sagt Simone Köhler. Aus ihrer Sicht komme das einem „Beschäftigungsverbot“ seitens der Gemeindevertretung gleich.

Der Hafensnack Kollmar, Am Deich 1, in Kollmar ist bei vertretbarem Wetter Montag bis Sonntag von 11 - 22 Uhr geöffnet. Kontakt unter 04128/94 14 70 und mail@hafensnack-kollmar.de.