Pinneberg
Kreis Pinneberg

A23: Ab Montag rollt der Verkehr wieder

Verkehrsminister Reinhard Meyer ließ sich von Iris Dautwiz vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr den Fortschritt der Baustelle an der A23

Verkehrsminister Reinhard Meyer ließ sich von Iris Dautwiz vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr den Fortschritt der Baustelle an der A23

Foto: Burkhard Fuchs

Verkehrsminister Meyer besichtigte Baustelle an der Autobahn, wo von Halstenbek/Rellingen bis Hamburg der Flüsterasphalt saniert wird.

Kreis Pinneberg.  Die Autofahrer im Kreis Pinneberg müssen sich zurzeit in Geduld üben, wenn sie die A 23 nutzen. Seit etwa vier Wochen wird der offenporige „Flüsterasphalt“ zwischen Rellingen und Hamburg erneuert. Die Fahrbahnen wurden dafür verlegt, Ausfahrten gesperrt, die Beschilderung geändert. Unfälle und kilometerlange Staus waren in den vergangenen Tagen die Folge.

Ein solcher Stau wäre um ein Haar der Familie Schmieding aus Klein Nordende zum Verhängnis geworden. Die wollte ihre 19-jährige Tochter Johanna zum Flughafen bringen, die ein freiwilliges soziales Jahr in Bolivien absolviert. Drei Stunden vor Abflug seien sie losgefahren, rechtzeitig, wie sie dachten, erzählt Mutter Dorothea Schmieding. Doch plötzlich standen sie hinter der Abfahrt Pinneberg-Nord und nichts ging mehr voran.

Vergeblich versuchten sie den Flug umzubuchen, was auch nicht möglich war. So machten sich Mutter und Tochter kurzerhand bei Regen mit dem Koffer und Rucksack zu Fuß auf den Weg und stießen zufällig auf einen Taxifahrer, der gerade zu Hause Pause machte und sie dann gerade noch rechtzeitig über Ausweichrouten zum Flieger brachte. Von ihrem Vater und der Schwester konnte sich Sarah gar nicht mehr verabschieden, weil die fünf Stunden im Stau steckenblieben. „Aber sie ist gut in Bolivien angekommen“, freut sich die Mutter. „Aber das war ganz schön anstrengend.“

Familie Schmieding steht stellvertretend für Tausende genervte Autofahrer, die Iris Dautwiz vom Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr (LBV) dennoch um Verständnis bittet. Staus und Unfälle ließen sich auf einer so stark befahrenen Autobahn wie der A 23 nie ganz vermeiden. Die Bauarbeiten seien extra in die Sommerferien gelegt worden, um die Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten, erklärt die Bereichsleiterin für Straßenbau. Wegen der Urlaubszeit würden statt der sonst 80.000 Fahrzeuge am Tag aktuell nur 66.000 über das letzte Teilstück der A 23 bis zur Hamburger Landesgrenze fahren.

Am Mittwoch zeigte die Ingenieurin Verkehrsminister Reinhard Meyer den Fortschritt der Bauarbeiten. „Baustellen sind immer eine Zumutung für die Autofahrer“, zeigte der Minister Verständnis für den Ärger mancher Verkehrsteilnehmer. „Das gilt natürlich erst recht an einer solchen, viel befahrenen Autobahn wie hier.“ Wegen der schmalen Fahrbahnbreite von nur elf Metern konnten nur drei Fahrstreifen in der Baustelle eingerichtet werden, die jetzt über die nördliche Fahrtrichtung geführt werden. Da Rückstaus auf die A 7 vermieden werden sollten, die ja gerade sechs- bis achtspurig ausgebaut wird, hätten zwei Fahrstreifen Richtung Heide verlaufen müssen, so dass nur noch einer in Richtung Hamburg übrig blieb.

Aber die gute Nachricht für die Betroffenen sei, dass diese Situation nur noch bis Montag anhalte, sagte Minister Meyer. Ohnehin sollten die Bauarbeiten bis zum Ende der Sommerferien fertig gestellt sein. Nun habe die beauftragte Baufirma noch schneller gearbeitet und werde bereits am 22. August mit der Fahrbahnmarkierung die Bauarbeiten beenden, kündigte LBV-Bereichsleiterin Dautwiz an. „Das hängt aber auch vom Wetter ab. Bei Regen geht das nicht.“

Möglich gemacht haben diesen zügigen Baufortschritt 20 Mitarbeiter, die hier sieben Tage die Woche von 6.30 bis 22 Uhr am Arbeiten sind, sagt Helmut Renze von der Firma Bunte aus Papenburg, die bundesweit 1600 Mitarbeiter beschäftigt und zurzeit vier Baustellen rund um Hamburg betreut. „Den Asphalt für die A 23 haben wir aus unserem Mischwerk in Winsen geholt“, erklärt Renze. 5000 Tonnen des offenporigen Bitumengemischs seien für die fünf Zentimeter dicke Deckschicht benötigt worden, die auf dieser 4,2 Kilometer langen Strecke neu aufgetragen wurden. Weitere 3000 Tonnen herkömmlicher Asphalt wurden für die Auf- und Abfahrten gebraucht.

Der Vorteil des sogenannten OPA-Asphalts sei seine lärmmindernde Wirkung, erklärt Iris Dautwiz. „Der dämpft richtig.“ Er sei fünf bis acht Dezibel leiser als herkömmlicher Belag. „Darüber freuen sich die Anwohner.“ Zudem gebe es kein Aquaplaning auf diesem Asphalt, weil das Wasser sofort versickere. Dafür halte er mit acht bis zehn Jahren nur etwa halb so lange wie die herkömmliche Variante, weshalb er auf der A 23 auch nach neun Jahren ausgetauscht werden musste. Kosten: 1,55 Millionen Euro. Nächstes Jahr komme die andere Seite dran. Wieder in den Sommerferien.