Pinneberg
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Noch brennt Licht im Puff vor der Moschee

In einer der Wohnungen in der Friedenstrasse 16 bieten „Olesja“, „Celin“ und „Elly“ ihre Dienste an – mit Blick auf eine Moschee

In einer der Wohnungen in der Friedenstrasse 16 bieten „Olesja“, „Celin“ und „Elly“ ihre Dienste an – mit Blick auf eine Moschee

Foto: Roland Magunia

Bürgermeisterin Urte Steinberg vermittelt im Streit ums Bordell an der Friedenstraße. Handeln kann jedoch nur der Vermieter.

Pinneberg.  Es ist kurz vor 22 Uhr. Allmählich wird es Nacht über Pinneberg. Die Fenster in dem gelbgetünchten Haus am Ende der Friedenstraße sind zugehängt. Ein leichter Schimmer ist zu erkennen. Was im Inneren vor sich geht – die Nachbarn können es erahnen. Über kein Haus in Pinneberg wird derzeit mehr gesprochen als über den Kubus in Marktplatznähe. Dort empfangen Prostituierte ihre Freier. Gleich gegenüber einem islamischen Gotteshaus. Noch brennt Licht im Puff bei der Moschee. Noch. Nach Abendblatt-Informationen wird hinter den Kulissen an einer Lösung des Streits gefeilt.

Am Dienstagabend saß Bürgermeisterin Urte Steinberg im Rathaus mit Vertretern der türkisch-islamischen Gemeinde zusammen. Deren Mitglieder beten im Gotteshaus gegenüber dem Bordell an der Friedenstraße. Sie klagen über allzu freizügige Damen. Und über Herren, die sich auf der anderen Straßenseite ins Haus stehlen. Nach dem Gespräch gab sich die Bürgermeisterin schmallippig. „Konstruktiv“ nannte sie die Atmosphäre. Man habe sich die Sorgen angehört. „Über die weiteren Gesprächsinhalte haben beide Seiten Vertraulichkeit vereinbart. Mein Ziel ist eine für alle einvernehmliche Lösung.“ Nun soll die Gegenseite zu Wort kommen.

Neben dem Bordellbetreiber, der namentlich nicht genannt werden will, aber bekundet hat, sein Gewerbe angemeldet zu haben, dürfte auch der Vermieter des Gebäudes in die Gespräche miteinbezogen werden. Den erreichte das Abendblatt gestern zwar, Stellung wollte der Pinneberger Geschäftsmann jedoch nicht beziehen: „Ich sage gar nichts zu dem Thema.“

Ihm bieten sich juristische Möglichkeiten, wie der Pinneberger Anwalt Steffen Böhm-Rupprecht aus der Kanzlei Triskatis betont. „Ich habe schon erlebt, dass Hausbesitzer es geschafft haben, Mieter wegen einer derartigen Nutzung rauszuklagen.“ Prostitution in Wohnhäusern werde vor Gericht häufig „als anstößig und unüblich angesehen“. Einem genervten Vermieter empfehle er allerdings, vor einer Unterlassungsklage oder gar einer Kündigung eine Abmahnung auszusprechen. Eine Räumungsklage könne sich bis zu acht Monate hinziehen, so der Anwalt.

Rotlichtalarm in weiterem Wohngebiet

Der Puff gegenüber der Moschee – nicht der einzige Rotlichtalarm in der Kreisstadt. Auch im Westen Pinnebergs gärt es. Dem Abendblatt liegt ein Schreiben von besorgten Anwohnern aus der Mühlenstraße vor. Sie haben sich an Politiker und Stadtverwaltung gewandt – und prangern das Treiben in der Hausnummer 57a an. Die Zustände seien „unerträglich“, so heißt es in dem Brief. In dem Wohnhaus gingen seit sechs Monaten „meist mehr als fünf Frauen der Prostitution nach“. Es handele sich offensichtlich um einen organisierten Bordellbetrieb, der den Namen „Puppenhaus“ trage. Freizügig gekleidete Frauen seien regelmäßig zu beobachten. Eltern sorgten sich um ihre Kinder – nicht weit entfernt sei eine Grundschule. Das „Puppenhaus“ wirbt im Internet mit den Diensten von „Gibsy“, „Sansa“ und „Amanda“.

Ein paar Meter weiter hatte es kürzlich eine Razzia gegeben. Hintergrund war laut Polizei ein laufendes Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Menschenhandels und sexueller Ausbeutung. In herunter­ gekommenen Räumen hatten die Ermittler drei Frauen und zwei Männer aus Bulgarien im Alter zwischen 18 und 40 Jahren sowie einen 67-jährigen Deutschen angetroffen. Konkrete Hinweise darauf, dass die Frauen sich unfreiwillig in dem Haus aufhielten, hatte die Durchsuchung nicht erbracht.

Zwangsprostitution wäre ein Hebel für die Behörden, einzuschreiben. Laut Informationen des Abendblatts gibt es darauf an der Friedensstraße jedoch keine Hinweise. Die Stadt dürfte darauf hoffen, dass der Vermieter handelt. Den muss man im Rathaus gut kennen. Die Stadt bringt in einer benachbarten Wohnung nämlich Flüchtlinge unter – im selben Haus.