Pinneberg
Appen

Kinder tanken auf Erlebnisbauernhof Kraft

Ukrainische Kinder, die mit den Folgen einer Krebserkrankung kämpfen, besuchten den Almthof, wo sie bewirtet wurden, auf dem Trecker mitfahren durften und im Heu toben konnten

Ukrainische Kinder, die mit den Folgen einer Krebserkrankung kämpfen, besuchten den Almthof, wo sie bewirtet wurden, auf dem Trecker mitfahren durften und im Heu toben konnten

Foto: Elvira Nickmann / HA

Verein organisiert Rehamaßnahmen für krebskranke junge Ukrainer in Deutschland. Eine Station: der Almthof in der Gemeinde Appen.

Appen.  Dass Busse auf dem Erlebnisbauernhof Almthof in Appen ankommen, ist an sich nichts Besonderes. Doch die Besucher, die an diesem Nachmittag einem Reisebus entsteigen, unterscheiden sich elementar von den sonstigen Gästen. Es sind 25 ukrainische Kinder zwischen sechs und 14 Jahren, die an einer Rehamaßnahme in Deutschland teilnehmen. Denn sie sind alle vor einiger Zeit an Krebs erkrankt – Spätfolgen der Tschernobyl-Katastrophe. Auf Einladung des Appener Ortsvereins des Roten Kreuzes verbringen sie einen unbeschwerten Nachmittag auf dem Almthof.

Den langen Weg nach Deutschland haben sie auf sich genommen, um das zu finden, was sie zu Hause nicht haben und dringend benötigen: Erholung. Jedes einzelne Kind hat eine lange Leidenszeit hinter sich. Operation, Chemo- oder Strahlentherapie, Isolation – was für Erwachsene schon schwer zu verkraften ist, ist für Kinder ungleich schwerer.

Um so wichtiger, dass es nach der akuten Phase langsam wieder Normalität einkehrt und die Kinder Kraft schöpfen können. Sie bereiten sich darauf vor, in die Schule zu gehen und endlich wieder Freundschaften pflegen zu können. Hier auf dem Almthof wartet erst einmal eine kleine Stärkung auf sie, es gibt Waffeln nach einem Spezialrezept ohne Milch, denn diese ist aufgrund der Medikamentengabe für viele tabu.

Die kleinen Gäste sind diszipliniert, warten geduldig, bis sie dran sind, und bedanken sich noch vor Beginn des Essens bei ihren Gönnern mit einem Lied. Dazu stehen sie auf wie bei der Nationalhymne und schmettern den Titel „Halleluja“, natürlich auf Ukrainisch.

Der Almthof unterstützt die Arbeit des Vereins

Eberhardine Seelig dürfte dieser Titel besonders gefallen haben. Die 75-jährige aktive Christin sitzt ebenfalls an einem der Tische, denn sie ist „24 Stunden dabei“, wenn die Kinder in Deutschland sind, genauer in Neumünster. Dort hat der Verein „Teestube David“, dessen Präsidentin Seelig ist, seinen Sitz. Seit 25 Jahren organisiert, betreut und finanziert er einmal pro Jahr den Aufenthalt junger Ukrainer. Maren Pein, die das Almthof-Café leitet, unterstützt mit kostenloser Verköstigung und Aufenthalt auf dem Hof die Arbeit von Seelig bereits im zehnten Jahr.

Als alle Waffeln aufgegessen sind, gehen die Kinder nach draußen. Nach einer Treckerfahrt entdecken sie den Stall für sich. Dort sind Heuballen gestapelt, ein Tau baumelt von der Decke. Jetzt gibt es kein Halten mehr, wie Tarzan hängt eines nach dem anderen am Seil, auch der zehnjährige Oleg Kordijuk tobt herum. Er hat Knochenkrebs, Knochen aus dem Bein musste in seinen Arm implantiert werden. Die Krankheit merkt man ihm nicht an, er lacht, hat Spaß und kann einfach mal Kind sein. Besonders schön findet
Eberhardine Seelig, wenn die Kinder ihr erzählen, dass sie endlich wieder Freunde gefunden haben.

Unbeschwerte Tage zu verleben ist das, was die Kinder stärkt. Dafür sorgen die ehrenamtlichen Helfer. Dazu gehören auch die Damen des Roten Kreuzes, die nicht nur für das leckere abendliche Büfett, sondern auch neue Schulsachen sorgen. Geschenke vom Appener Rolf Heidenberger kommen dazu.

Die Familien der ukrainischen Kinder sind arm. Viele müssen Haus und Hof verkaufen, um Behandlung und Medikamente für ihr krankes Kind finanzieren zu können. Bringen sie das Geld nicht zusammen, kommt das einem Todesurteil gleich. Eine Krankenversicherung gibt es in der Ukraine nicht.