Pinneberg
Natur

Seuche bedroht Bienen im Kreis Pinneberg

Die Bienen im Kreis Pinneberg haben mit der Faulbrut zu kämpfen (Symbolbild)

Die Bienen im Kreis Pinneberg haben mit der Faulbrut zu kämpfen (Symbolbild)

Foto: Jan Woitas / dpa

Die Amerikanische Faulbrut ist im Raum Halstenbek/Schenefeld aufgetreten. Für Imker gelten jetzt verschärfte Auflagen.

Elmshorn.  Werner Kuncke piekst mit einem Holzstocher in die Wabe hinein, zieht ihn wieder raus – und schon tropft es aus der sechseckigen Öffnung. Braun, schleimig, ekelhaft. Hier ist etwas gar nicht so, wie es sein sollte, das sieht auch der Laie. Und Kuncke präzisiert das Problem: „Eine Faulbrut.“ Der 47-Jährige ist Obmann für Bienengesundheit in Diensten des Kreises Pinneberg und zurzeit ein gefragter Mann: Die Gesundheit aller fleißigen Insekten in der Region ist in Gefahr, seit ein Fall von Amerikanischer Bienenfaulbrut aus dem Grenzgebiet zwischen Schenefeld und Halstenbek gemeldet worden ist. Eine Seuche. Hoch ansteckend, meldepflichtig. Das letzte Mal ist das im Kreis Pinneberg vor zwei Jahren vorgekommen.

Das Kreisveterinäramt hat nun einen Sperrbezirk ausgerufen, eine etwa vier Quadratkilometer große Fläche, die von der LSE im Süden, der Landesgrenze im Osten und der Bahntrasse im Norden eingefasst ist. Die Dimensionen festzusetzen liegt im Ermessen der Behörde. In diesem Fall ist es ein Kreis mit einem Radius von einem Kilometer um den Fundort, ausgeweitet auf räumlich klar definierbare Grenzen.

Zwölf Imker halten in diesem Gebiet Bienen. „Für die gelten nun besondere Auflagen“, sagt Kreisveterinärin Dr. Antje Lange, „kein Bienenvolk darf raus-, keines darf reintransportiert werden, bis die Angelegenheit geklärt ist.“

Die Angelegenheit zu klären ist nun Werner Kunckes Job; der im Landhandel tätige Haselauer ist selbst Hobbyimker. Er wird nun Kontakt zu den Kollegen im Sperrbezirk aufnehmen, sie besuchen, Proben aus dem sogenannten Futterkranz ihrer Brutwaben entnehmen, das sind Nektar und Honig, etwa zwei Esslöffel voll, die dann in einem Labor untersucht werden.

Oft sieht er schon mit bloßem Auge, wenn ein Volk mit Faulbrut-Bakterien infiziert ist. „Die Wachsdeckel, mit denen die Brutzellen verschlossen sind, verändern sich. Sie fallen ein“, sagt er und macht sich abermals mit dem Holzstocher an einem der befallenen Wabenrahmen zu schaffen; die befinden sich zurzeit im Labor in der Kreisverwaltung. Diesmal befördert er etwas Kleines, Weißes aus einer Zelle ans Neonlicht, das in den Augen eines Nicht-Imkers auch schleimig und eklig aussieht. „Das ist eine Made, die sich normal entwickelt hat.“ Tot ist sie jetzt trotzdem. Befallenen Völkern wird rigoros der Garaus gemacht. Imker Kuncke nennt das „abschwefeln“.

Behörde muss „Wanderung“ von Bienen genehmigen

Wie diese Geschichte für die Imker in der Region ausgeht, ist noch vollkommen offen. Wie sie begonnen hat, ist dagegen geklärt. Als Verantwortlichen hat das Kreisveterinäramt einen Imker ausgemacht, der genau genommen erst noch einer werden will. Und der auf dem Weg einiges falsch gemacht hat. „Wenn man sich Bienen anschaffen will, muss man das beim Kreisveterinäramt anmelden“, sagt Werner Kuncke. Wie die Behörde generell immer dann zu verständigen sei, wenn ein Bienenvolk den Kreis Pinneberg verlassen oder aber „einreisen“ soll. Klassischerweise ist das der Fall, wenn Imker etwa zur Raps- oder zur Heideblüte ziehen. Oder wenn Bienen eben verkauft oder verschenkt werden. Auch in diesen Fällen wird eine Probe genommen, erst dann gibt es die sogenannte Wanderbescheinigung.

Das hat der Neu-Imker alles nicht gemacht, hat später nicht mal den Seuchenfall beim Kreis gemeldet, obwohl er Verdacht geschöpft haben muss: „Er hat selbst bei einem Labor Proben in Auftrag gegeben. Von dort haben wir dann die Informationen bekommen“, sagt Kreisveterinärin Dr. Lange und bringt es auf den Punkt: „Hier hat das System durch Nachlässigkeit versagt.“ Inzwischen ist auf Behördenebene auch der niedersächsische Landkreis informiert worden, aus dem die Bienen stammen.

Welche Konsequenzen seine missglückten Imkerei-Versuche für den nunmehr Ex-Bienenhalter aus dem Halstenbek-Schenefelder Grenzgebiet haben, ist noch nicht abschließend geklärt. Da seine Tierchen „abgeschwefelt“ worden sind, hat sich das Thema Honigproduktion fürs Erste ohnehin erledigt. Theoretisch könnte er ob seines Fehlverhaltens jetzt auch noch Ärger mit dem Kreis bekommen. Dr. Langes Kollegin Dr. Ina Früchtenicht sagt: „Solche Verstöße können mit einem Bußgeld von bis zu 25.000 Euro geahndet werden.“