Pinneberg
Verkehr

Bahn-Anbindung für Uetersen 2020 möglich

Reaktivierung der Strecke nach Tornesch wird konkreter. Sogar 20-Minuten-Takt zwischen Hamburg und der Rosenstadt im Gespräch

Uetersen/Tornesch.  Auf der Bahntrasse der neg-Eisenbahngesellschaft, die von Uetersen nach Tornesch führt, könnten bald wieder Züge rollen. Am Dienstag haben die Bürgermeister von Uetersen und Tornesch, Andrea Hansen und Roland Krügel, Gespräche mit der neg Eisenbahngesellschaft und Claudius Mozer von den Pinneberger Verkehrsbetrieben geführt, um die Möglichkeit einer Reaktivierung der Bahnstrecke für den Personenverkehr zu erörtern. Das Fazit am Ende der Gesprächsrunde klingt positiv.

„Alle Teilnehmer sind grundsätzlich für eine Anbindung“, sagt Andrea Hansen. 2020 könnten theoretisch Personenzüge von Hamburg bis nach Uetersen fahren. „Herr Krügel und ich gehen jetzt auf Werbetour“ bei der Landesregierung, den Landtagsabgeordne-ten, den Kreistagsfraktionen und der Deutschen Eisenbahngesellschaft“, sagt Uetersens Bürgermeisterin.

Im Dezember 2015 hatte Hansen die Reaktivierung der Bahnstrecke im Gespräch mit dem Abendblatt als eine Option für eine Entzerrung des Verkehrs in der Region vorgeschlagen. Seitdem ist das Projekt auf wachsende Zustimmung von allen Seiten gestoßen.

Die neg, die auf der Strecke zwischen Tornesch und Uetersen derzeit Güterzüge fahren lässt, will sich einer Reaktivierung der Strecke für den Personenverkehr nicht in den Weg stellen. Im Gegenteil: neg-Geschäftsführer Ingo Dewald ist von der Idee deutlich angetan. „Wir unterstützen sie. Die Infrastruktur ist bereits da, sie müsste lediglich den Anforderungen angepasst werden.“

Langfristig könnte aus Sicht der neg eine S-Bahn im 20-Minuten-Takt nach Uetersen fahren. Der Einsatz sogenannter Zweisystem-S-Bahnzügen – sie fahren bereits auf der S3 nach Stade – wäre auf der Strecke nach Uetersen denkbar. Es könnte aber auch früher ein Bahnverkehr eingerichtet werden. „Kurzfristig wäre eine Triebwagenlösung möglich“, sagt Dewald. Ihm schweben dafür mit Wasserstoff betriebene Fahrzeuge vor. Diese könnten im 30-Minuten-Takt fahren. „Das wäre eine tolle Sache“, meint der neg-Geschäftsführer. Denn einerseits würde ein Signal für Umweltfreundlichkeit gesetzt, zum anderen könnte die Verkehrsbelastung in Tornesch und Uetersen spürbar verringert werden.

Bei dem Bahnprojekt hänge vieles aber davon ab, wie weit die Pläne für den Ausbau des S-Bahn-Netzes reifen. Derzeit wird im Hamburger Umfeld ein groß angelegter Ausbau der S-Bahn geprüft. Die S4 soll im Osten nach Bad Oldesloe führen. Im Westen ist eine Anbindung bis nach Kellinghusen beziehungsweise Itzehoe im Gespräch.

Die West-Anbindung gen Itzehoe ist laut der Verkehrsgesellschaft nah.sh frühestens ab 2027 möglich, wenn ein neuer Verkehrsvertrag für das Netz Mitte ausgeschrieben wird. Dass der Ausbau West nicht früher geplant ist, hängt mit dem Bau der festen Fehmarnbeltquerung für den Güterbahnverkehr zusammen, dieses Projekt will der Bund vorrangig umsetzen. Wenn diese Trasse fertig ist, sollen aufgrund einer Verlagerung eines Teils des Güterverkehrs nach Osten Kapazitäten auf der Strecke Hamburg-Elmshorn frei werden. Die könnten dann für den Personennahverkehr genutzt werden. Doch weder der Bau der Fehmarnbeltquerung ist derzeit vollkommen gesichert noch der Ausbau der S4 nach Osten. Im neuen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 wird der Ausbau der S4 nur als „potenzieller Bedarf“ bezeichnet. Landespolitiker rechnen aber damit, dass nach dem Sommer eine höhere Bewertung erfolgen könnte.

Sicher ist , dass in der Region Uetersen-Tornesch ein Ausbau der Bahnstrecken gewünscht ist. Krügel und Hansen stehen hinter dem Projekt, die Tornescher CDU hat sich ebenfalls zum Ausbau bekannt. „Wenn es sich wirtschaftlich darstellen lässt, ist eine Bahnverbindung zwischen Uetersen und Pinneberg und gegebenenfalls sogar bis Hamburg für die CDU Tornesch die beste Möglichkeit, die Straßen zu entlasten“, sagt Torneschs CDU-Fraktionschef Christopher Radon.

Am 13. September wird das Bahnprojekt zum Thema im Kreisverkehrsausschuss. Claudius Mozer und Ingo Dewald sind für die Sitzung als Experten eingeladen.