Pinneberg
Wedel

Friedensreich Hundertwassers Bild vom Reisen

Hundertwasser unternahm etliche Reisen, die ihn zu neuen Werken inspirierten. Kurator Jürgen Doppelstein  mit dem Bild „Irinaland over the Balkans“ im Garten des Museums

Hundertwasser unternahm etliche Reisen, die ihn zu neuen Werken inspirierten. Kurator Jürgen Doppelstein mit dem Bild „Irinaland over the Balkans“ im Garten des Museums

Foto: Elvira Nickmann / HA

Neue Ausstellung im Ernst Barlach Museum in Wedel: Wie der Wiener Künstler seine Eindrücke von Reisen in alle Welt verarbeitete.

Wedel.  Er liebte Reisen und das Meer, den Regen, überhaupt Wasser in jeder Form: Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser, besser bekannt unter dem Namen Friedensreich Hundertwasser. Das Ernst Barlach Museum in Wedel widmet dem österreichischen Künstler (1928-2000) seine neue Ausstellung mit etwa 150 Exponaten aus den Bereichen Grafik, Malerei, Druck, Keramik sowie Architektur. Sie trägt die Überschrift „Wege ins Paradies“ und ist von Sonntag, 17. Juli, an zu sehen.

Hundertwasser war ein Meister der Farben. „An einem Regentag beginnen die Farben zu leuchten. Deshalb ist ein trüber Tag, ein Regentag, für mich der schönste Tag“, lautet eines seiner Zitate. Sein eigenes Schiff taufte er denn auch „Regentag“ und verewigte es in seinem Namen und seinen Bildern.

Eine Serigrafie, die im unteren Stockwerk des Museums an der Wand hängt, trägt den poetischen Titel „Regentag auf Liebe Wellen“ und zeigt das Boot in kräftigen Farben, wobei Rot und Schwarz dominieren. Die kompakte Ausstrahlung des Schiffskörpers findet ihr Pendant im harmonischen Spiel der Wellen unter seinem Bug, die luftig-leicht daherkommen, aber nichtsdestoweniger kraftvoll wirken. Schiffe als Sinnbild des Reisens und des Aufbruchs zu neuen Ufern bedeuteten für das Künstlergenie Hundertwasser eine Verheißung. Die Entdeckung neuer Welten führte ihn in aller Herren Länder, darunter Tunesien, Frankreich, Japan, Marokko, Italien, Griechenland, die Karibik, Spanien. Die so gewonnenen Eindrücke inspirierten den Kunstschaffenden zu neuen Werken.

Mit der „Regentag“, die er 1968 kaufte und nach eigenen Vorstellungen genauso bunt und eigenwillig gestaltete wie alles andere, segelte er unter anderem im Mittelmeer und der Karibik und steuerte sie schließlich auch in die neuseeländische Bay of Islands, seine Wahlheimat. Das Schiff war sein erstes Architekturprojekt.

Nicht nur das Reisen in ferne Länder war Gegenstand seiner Bilder, auch den Aufbruch ins All mittels Raketen thematisierte er. Auf einer Farbradierungs-Bilderserie sind sie abgebildet. Die Serie wiederum veranschaulicht aufeinanderfolgend alle Schritte bis zu einem fertigen Druck. Das Verfahren ermöglichte es Hundertwasser, dem Hype um ihn, der in den 70er-Jahren einsetzte, nachzukommen. „Mit Aquarellen und Malerei hätte er die Nachfrage nicht befriedigen können“, erklärt der Kurator der Wedeler Ausstellung, Jürgen Doppelstein. Hundertwasser habe die Druckgrafik revolutioniert, selbst bei Auflagen von mehr als 1000 Stück sei jedes einzelne ein Unikat.

Der Maler, respektlos gegenüber Autoritäten, gegen jede Form der Unterdrückung, fühlte sich immer als Außenseiter. So exzentrisch er war, so konsequent engagierte er sich, ob im Leben oder für seine Kunst. Seine Plakate zeugen genauso davon wie seine „menschengemäße“ Architektur. Trotzdem bewahrte er den humorvollen Blick, der sich in Details wie immer wieder auftauchenden Gesichtern, die alles zu beobachten scheinen, offenbart. Waren seine Frühwerke noch sehr zeichnerisch, sind spätere Arbeiten vollständig durchkomponiert, durch sein gesamtes Werk zieht sich das Organische, die gerade Linie war ihm zuwider. „Es gibt bestimmte Künstler, die will man einmal in seinem Leben zeigen“, sagt Jürgen Doppelstein. Hundertwasser gehöre definitiv dazu.

Hundertwasser trat im Jahre 2000 seine letzte Reise an, er starb auf einem Schiff, auf der alten „Queen Elizabeth 2“, vor Neuseeland. Trotzdem spricht er noch immer zu uns – durch seine Bilder.

Die Schau ist vom 17. Juli bis 28. Februar 2017 geöffnet, Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, Ernst Barlach Museum, Mühlenstraße 1, Eintritt 8 Euro/ermäßigt 6 Euro