Uetersen/Rissen

... muss die Freiheit wohl grenzenlos sein

| Lesedauer: 5 Minuten
Katy Krause
Für Schülerin Nele Bernaschek war der erste Flug ein unvergessliches Erlebnis

Für Schülerin Nele Bernaschek war der erste Flug ein unvergessliches Erlebnis

Foto: scuetersen / HA

Eine außergewöhnliche Projektwoche erleben Hamburger Jugendliche auf dem Flugplatz Uetersen-Heist: Dort lernten sie das Segelfliegen.

Uetersen/Rissen.  „Ein tolles Team“, „sehr talentierte Schüler“, „eine der besten Aktionen seit Langem“: Wenn Robert Martens von den vergangenen Tagen berichtet, kommt er ins Schwärmen. Martens ist Vorsitzender des SC Uetersen, ein Segelclub mit 110 Mitgliedern – und vielleicht werden es in Zukunft ein paar mehr. Denn nicht nur Martens ist begeistert, auch die zehn Schüler, die während einer Projektwoche auf dem Flugplatz Uetersen-Heist das Segelfliegen lernten, haben Feuer gefangen. „Einige der Kinder haben schon gesagt, dass sie das gern weitermachen möchten.“

Schuld daran, dass der Holmer überhaupt in der vergangenen Woche zum (Flug-)lehrer für zehn Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahren wurde, ist sein Sohn Luca. Der besucht das Gymnasium in Rissen und hatte seinen Vater gefragt, ob er nicht ein Projekt rund ums Segelfliegen anbieten könnte. Er konnte.

Schon im Vorhinein war die Begeisterung groß. Laut Martens meldeten sich 78 Jugendliche für den Kursus an. Das Los entschied dann über die zehn Plätze. Fünf Jungen und fünf Mädchen hatten somit das Glück, den Himmel zu erobern. In Theorie und Praxis lernten sie, was es bedeutet, ohne Motor durch den Himmel zu gleiten. Weil Martens weiß, wie beeindruckend gerade der erste Moment ist, wenn das Flugzeug abhebt, nahm er eine Kamera mit an Bord. Die hielt die Reaktionen der Schüler fest. Aufregung, Staunen, Freude zeichneten sich auf den Gesichtern ab, wenn das Flugzeug in zwei Sekunden auf Tempo 90 beschleunigt und den Boden unter sich zurücklässt. Später zeigen die Aufnahmen, wie konzentriert die Jugendlichen den Segelflieger lenken. Am Ende soll aus den Szenen ein kleiner Film für die Gruppe und vielleicht auch für den Verein zu Werbezwecken entstehen.

Ja, die Schüler durften an den Steuerknüppel und eigenständig das Flugzeug lenken. Allerdings war immer ein Fluglehrer dabei. Der saß im Sitz dahinter und konnte wie beim Fahrschulauto dank eigenem Steuerknüppel und Pedal eingreifen. Damit die Schüler fliegen durften, mussten die Eltern schriftlich ihre Erlaubnis dazu geben und der Verein die Jugendlichen als Mitglieder auf Zeit aufnehmen. Zudem meldete der Segelclub sie bei der Behörde als Flugschüler an.

Zehnmal gingen die Schüler jeweils in die Luft, und das trotz des teilweise schlechten Wetters. Doch Schüler und Fluglehrer Martens waren flexibel genug, sich den Begebenheiten so anzupassen, dass jeder seine Flugzeiten absolvieren konnte.

Anfangs ging es für die Fluganfänger, allein angetrieben durch Wind und Thermik, geradeaus. Hatten die Jugendlichen die Wirkung des Ruders verstanden, konnten erste Kurven und Manöver geflogen werden. „Manche sind so talentiert, die haben ein so gutes Gespür für den Luftdruck, dass sie nach zehn Starts so weit waren wie andere nach 50“, schwärmt Martens.

Als wäre das Segelfliegen an sich nicht schon aufregend genug, durften die zehn Schüler auch noch mit dem Auto fahren. Denn auf dem privaten Gelände konnten sie in Begleitung eines Erwachsenen ans Steuer. Mussten sie auch. Denn für das Fliegen braucht es Ausrüstung und Material, das von der Halle zum Flugplatz geschafft werden musste.

Das stille Gleiten hoch oben über dem Hamburger Umland war natürlich trotzdem der Höhepunkt für die Jugendlichen. Nebenbei lernten sie aber noch so einiges mehr. „Segelfliegen ist ein sehr sozialer Sport. Es braucht immer mindestens fünf Leute, um ein Flugzeug in die Luft zu bekommen. Jeder muss jedem helfen“, erklärt der Vorsitzende des SC Uetersen. Dabei kommt es auf Teamfähigkeit und auf Verantwortungsbewusstsein an.

Denn die Schüler mussten vor den Starts die Flugzeuge checken. „Ein kaputtes Teil kann enorme Auswirkungen haben und zum Unfall führen“, so Martens. Natürlich war immer noch ein Fluglehrer dabei, trotzdem nahmen die Jugendlichen ihre Aufgabe ernst. Die gemeinsamen Erfahrungen und das gegenseitige Helfen schweißte die Gruppe zusammen. „Anfangs kannten sich die Schüler gar nicht. Aber inzwischen sind sie zu einem eingeschworenen Team zusammengewachsen“, berichtet Martens.

Das Projekt war aber auch harte Arbeit. So mussten die Jugendlichen Theorie büffeln. Wie funktioniert ein Segelflugzeug, welche Technik steckt dahinter? Zudem gab es vor und nach dem Flug einiges zu tun.

Morgens um 10 Uhr war Treffpunkt an der Halle auf dem Flugplatzgelände. Zusammen mit einem zweiten Fluglehrer und weiteren freiwilligen Helfern aus dem Verein wurde dann erst einmal gearbeitet. So mussten die doppelsitzigen Segelflugzeuge zum Start auf das Flugfeld geschleppt, Winde und Startwagen aufgebaut werden. Von 11 bis 18 Uhr flogen die Schüler, verfrachteten dann alles wieder in die Halle und putzten die Flugzeuge.

Martens ist sich nach dem Erfolg sicher: „Diese Aktion war so toll, das machen wir noch einmal.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Pinneberg