Pinneberg
Baustellen

Staufalle A 23: Jetzt wird die Standspur freigegeben

Ab sofort ist die Standspur hinter der Anschlussstelle Krupunder auf der A23 für Autofahrer, die in Eidelstedt abfahren wollen, freigegeben

Ab sofort ist die Standspur hinter der Anschlussstelle Krupunder auf der A23 für Autofahrer, die in Eidelstedt abfahren wollen, freigegeben

Foto: Andreas Daebeler / HA

Seit April herrscht Stillstand im Berufsverkehr. Jetzt reagieren die Planer und geben eine verlängerte Ausfahrt für Eidelstedt frei.

Pinneberg.  Und täglich grüßt der Stillstand: Die Nerven von Pendlern, die morgens aus dem Südwesten Schleswig-Holsteins kommend Hamburg ansteuern, werden seit Wochen auf eine harte Probe gestellt. Ende April war die Streckenführung wegen des Ausbaus der A 7 geändert worden. Tag für Tag quält sich seitdem eine Blechlawine über die Autobahn 23. Zeitweise geht in Fahrtrichtung Süden zwischen 6 und 10 Uhr nichts mehr.

Genervte Autofahrer bombardieren die Behörden mit Beschwerdemails. Jetzt reagieren die Verkehrsplaner. Auf einem Teilstück ab der Landesgrenze, kurz hinter der Anschlussstelle Halstenbek-Krupunder, darf der Standstreifen befahren werden – allerdings nur, um die Autobahn an der Ausfahrt Eidelstedt zu verlassen.

41.000 Fahrzeuge passieren laut Karina Fischer von der Hamburger Verkehrsbehörde von der A 23 kommend täglich das Autobahnkreuz Nordwest. 15.000 davon fahren in Eidelstedt ab, um sich von da aus den Weg in die City zu bahnen oder auf die A 7 Richtung Flensburg zu wechseln. Sie können jetzt 1,2 Kilometer früher auf den Abbieger wechseln, was die Situation auf den zwei regulären Fahrspuren Richtung Dreieck entschärfen soll.

Stunde der Trickser: Nicht jeder hält sich an die Regeln

Gerhard Fuchs ist seit April 2014 Verkehrskoordinator für Hamburg und Schleswig-Holstein. Bei dem ehemaligen Wandsbeker Bezirksamtschef laufen die Fäden zusammen, wenn es um den Ausbau der Autobahn 7 geht. Seit Ende April im Bereich des Kreuzes Nordwest die Verkehrsführung geändert wurde, erreichen ihn die Beschwerden. „Es gibt viele Klagen, aber auch Hinweise, die wir in unsere Planungen miteinbeziehen“, sagt der Baustellen-Kümmerer.

Schilder, die in der Nacht zu Donnerstag aufgestellt wurden, sprechen eine deutliche Sprache. Doch nicht jeder hält sich an Regeln. Wie am Morgen zeitweise zu beobachten war, schlägt die Stunde der Trickser. Vereinzelt nutzen Autofahrer den weniger befahrenen Standstreifen, um den Stau links liegen zu lassen und kurz vor der Ausfahrt Eidelstedt wieder in Richtung Stellingen einzuscheren. Für Fuchs jedoch ein Phänomen, das zu vernachlässigen ist. „Die Hamburger Polizei hat am Donnerstag bei drei Erkundungsfahrten festgestellt, dass sich diese Verstöße in Grenzen halten“, sagt er. Die verlängerte Ausfahrt Eidelstedt sei hingegen „seht gut genutzt worden“.

Die Beamten des zuständigen Reviers der Autobahnpolizei in Elmshorn wurden von einer Anfrage am Donnerstag kalt erwischt. „Wir sind nicht über die geänderte Verkehrsführung informiert worden“, so Polizeioberkommissar Philipp Erksleben. Die Situation der vergangenen Wochen beschreibt der Beamte als Zumutung. Zuweilen herrschten kurz vor der Hamburger Stadtgrenze chaotische Zustände: „Sogar am Tag gab es kilometerlange Rückstaus.“

Weitere Einschränkungen ab Ende Juli

Das war auch am Donnerstag so. Trotz der einige Stunden zuvor verlängerten Ausfahrt für Eidelstedt kündete der Verkehrsfunk von bis zu zwölf Kilometer Stillstand. Ein Scheitern könne daraus noch nicht abgeleitet werden, so Fuchs am Nachmittag. Vielmehr habe ein Unfall mit vier Fahrzeugen während des Berufsverkehrs für eine Extremsituation gesorgt. „Das Geschehen hat noch keine Aussagekraft.“ Im Übrigen arbeite ein Professor der Technischen Universität in Dresden derzeit an einer Studie, auf deren Grundlage die gesamte Verkehrssituation im Bereich zwischen den Anschlussstellen Halstenbek-Krupunder und Stellingen neu bewertet werde. Fuchs: „Ziel ist es, die Belastung der A-23-Nutzer dauerhaft zu senken.“

Zuvor wird es allerdings noch mal richtig eng. Verkehrsteilnehmer, die auf der A 23 gen Süden unterwegs sind, werden sich im Hochsommer auf weitere Einschränkungen einstellen müssen. Grund sind Bauarbeiten, die das Land Schleswig-Holstein in Auftrag gibt. Auf einem Teilstück zwischen der Anschlussstelle Halstenbek-Rellingen und dem Kreuz Nordwest wird in Fahrtrichtung Süden der vor zehn Jahren aufgetragene Flüsterasphalt erneuert. Die Arbeiten beginnen laut Fuchs am 22. Juli und sollen bis zum 27. August abgeschlossen sein.

Während dieser Wochen werden Pendler ab Halstenbek mit nur einer Fahrspur auskommen müssen. Doch es gebe auch eine gute Nachricht: Sei eigentlich geplant gewesen, die Auffahrt Halstenbek-Krupunder für die gesamte Bauzeit zu sperren, habe man davon mittlerweile Abstand genommen: „Es wird zwei Bauabschnitte à zweieinhalb Wochen geben, im ersten wird die Auffahrt in Richtung Süden geöffnet bleiben“, sagt Fuchs. Der „Baustellen-Kümmerer“ wird nicht müde, Staugeplagten davon abzuraten, die Autobahn zu verlassen. Hamburgs Straßen seien überlastet. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liege auch bei dichtem Verkehr auf der Autobahn mit 40 Kilometern pro Stunde noch über der, die im Stadtgebiet erreicht werde.