Pinneberg
Quickborn

Bizarrer Streit um Stolperfalle auf Gehweg

Foto: Burkhard Fuchs

Nachbar verletzt sich am Gehweg. Der Anwohner Peter Jacob beschwert sich. Die Verwaltung fordert ihn auf, Baumwurzel zu kappen.

Quickborn.  In Quickborn hat sich ein Streit zwischen Anwohnern und Verwaltung zu einer bizarren Auseinandersetzung hochgeschaukelt. So ist in der Lindenstraße Höhe Hausnummer 30 ein Nachbar über einen Bürgersteigversatz gestolpert und hat sich das Knie aufgeschlagen. Der Anwohner, vor dessen Grundstück es passiert ist, hat daraufhin eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Wegewart der Verwaltung eingereicht, die ihrer Verkehrssicherungspflicht nicht nachgekommen sei. Diese dreht nun den Spieß um und verlangt von ihm, auf seine Kosten Abhilfe zu schaffen, weil die Wurzeln der Eiche auf seinem Grundstück die Gehwegplatten hochdrücken würden.

Damit ist Anwohner Peter Jacob überhaupt nicht einverstanden. Sein Nachbar Siegfried Brunkal war schwer gestürzt über die mehr als zwei Zentimeter abstehende Gehwegplatte vor seinem Grundstück. Jacob hatte das blutende Knie des 80-Jährigen noch erstversorgt. „Aber seitdem habe ich starke Schmerzen“, sagt Brunkal. Er sei ausgerechnet auf jenes Knie gefallen, das vor vier Jahren operiert und mit einer Metallplatte versehen wurde. „Ich hoffe, dass es bald wieder weggeht“, sagt der alte Mann, der weder Streit mit seinem Nachbarn noch mit der Stadt haben möchte und auch kein Schmerzensgeld verlangt.

Doch Anwohner Jacob, der bis zu seiner Pensionierung in der Straßenmeisterei in Quickborn gearbeitet hat und sich mit dem Thema Verkehrssicherungspflicht auf öffentlichen Wegen gut auskennt, hat sofort Beschwerde bei der Verwaltung eingelegt. „Ab einem Höhenunterschied von 20 Millimeter sind Entschädigungsleistungen im Falle eines Personenschadens erforderlich“, heißt es darin. „Dieser Fall liegt vor.“ Die Stadt habe „grob fahrlässig unterlassen“, ihrer Pflicht nachzukommen, was letztlich fahrlässig diese Körperverletzung verursacht habe.

Uwe Scharpenberg vom Tiefbauamt hat sich sogleich vor Ort kundig gemacht und die ominöse Stelle mit Kiessand aufgefüllt, damit es keine Stolperfalle mehr darstellt. Eine grundsätzliche Begradigung des Gehwegs sei aber nur möglich, wenn die Wurzeln des Baumes, der direkt von Jacobs Grundstück an den Bürgersteig grenzt, gekappt würden. „Sie drücken die Gehwegplatten hoch.“ Er werde jetzt mit dem Anwohner klären, wie er diesen Missstand beseitigen lassen wolle. „Entweder er fällt den Baum oder wir lassen die Wurzeln unter den Gehwegplatten kappen.“ Das werde mit Begradigung des Bürgersteigs etwa 1500 Euro kosten, schätzt Scharpenberg. Dafür habe der Eigentümer der Ursache, also der Anwohner Jacob, und nicht die Allgemeinheit aufzukommen.

Dafür hat Anlieger Jacob überhaupt kein Verständnis und verweist auf den gesamten Verlauf des Bürgersteiges, der auch an anderen Stellen hohe Kanten, Versatze und Stolperfallen berge. Inzwischen hat das Rechtsamt seine Dienstaufsichtsbeschwerde abgelehnt mit der Begründung, dass es gar keinen Wegewart in Quickborn gebe und der verletzte Bürger auch keinerlei Ansprüche stelle. Damit dürfte der Fall für Anwohner Jacob noch nicht erledigt sein.