Pinneberg
Straßenverkehr

Hier wächst die Pinneberger Westumgehung

Aus der Luft betrachtet: Pinnebergs Westumgehung soll Ende 2018 für den Verkehr freigegeben werden.

Aus der Luft betrachtet: Pinnebergs Westumgehung soll Ende 2018 für den Verkehr freigegeben werden.

Foto: Reimer Wulf / HA

29 Millionen Euro werden bis 2018 in den Bau der Umgehungsstraße investiert. Im November soll der Bau einer Brücke beginnen.

Pinneberg.  Staubig ist es. Der Boden hart und trocken. Die Hitze der vergangenen Tage hat Spuren eines regnerischen Frühlings beseitigt. Ortstermin mit Bürgermeisterin Urte Steinberg. An Pinnebergs größter Baustelle. Hier, wo die Mühlenstraße auf den Wedeler Weg trifft, beginnt die 2,8 Kilometer lange Trasse der Westumgehung. Einer Straße, über die Jahrzehnte gestritten wurde und deren für 2018 geplante Freigabe zum Fanal für bessere Zeiten werden soll. Neue Gewerbegebiete, vom Durchgangsverkehr entlastete, für Neubürger attraktivere Stadtteile sowie als Folge höhere Steuereinnahmen – in dieses Projekt werden große Hoffnungen gesetzt. „Wir richten uns für die Zukunft aus“, sagt Steinberg.

Sie steht vor meterhohen Sandbergen, blickt in Richtung Norden. Knapp 3000 Meter Schneise, dahinter die Autobahnauffahrt, an der diese Umgehung enden wird. „Unsere City wird von Verkehrslärm und Abgasen entlastet, auch Menschen in Umlandkommunen wie Prisdorf, Appen und Kummerfeld werden von der Achse zwischen Autobahn 23 und Landesstraße Schenefeld-Elmshorn profitieren“, betont die Bürgermeisterin, die den Baubeginn im Dezember erleben durfte. Das hatten sich mehrere Rathauschefs vor ihr vergeblich erhofft. Und das kann ihr keiner mehr nehmen.

Klaus Stieghorst ist ebenfalls an die Mühlenstraße gekommen. Auch für den Bauamtschef, der seit vielen Jahren mit dem Infrastrukturprojekt betraut ist, dürfte das Geschehen dieser Tage Genugtuung mit sich bringen. Immer wieder waren Planung und Finanzierung des größten Infrastrukturprojekts in der Region angezweifelt worden. Jetzt rollen die Bagger. Stieghorst arbeitet eng mit den Ingenieuren des Hamburger Büros Inros Lackner zusammen. Die berichten der Politik regelmäßig über den Baufortschritt. So auch in der kommenden Woche während der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung. Hiobsbotschaften wird es dann nicht geben. „Die Arbeiten sind im Zeitplan“, sagt Stieghorst. War 2015 das Baufeld freigeräumt und am 10. Dezember der symbolische Spatenstich gesetzt worden, sind längst die Straßenbauer angerückt. An mehreren Stellen gleichzeitig wird gearbeitet. Der Bau einer Brücke über Pinnauniederung und Bahn wird voraussichtlich im November in Angriff genommen. „Wir schreiben derzeit aus“, sagt Stieghorst.

Dabei drohte die Geschichte der Millionen-Straße zu einer unendlichen zu werden. Bereits in den 1950er-Jahren war über deren Bau diskutiert worden. Nachdem ein südliches Teilstück, der Westring, bereits 2004 von einem Investor fertig gestellt worden war, folgten gerichtliche Auseinandersetzungen. Mehrere Unternehmen, deren Firmengrundstücke an der Trasse liegen, versuchten, den 2012 veröffentlichten Planfeststellungsbeschluss zu Fall zu bringen. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz schaltete Juristen ein. Letztlich waren Klagen und Einsprüche abgewiesen worden.

Aktuell wird mit Gesamtkosten von 29 Millionen Euro gerechnet. Das Land stellt 18,8 Millionen Euro aus Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes und des Finanzausgleichsgesetzes bereit. Zahlen, die mit Vorsicht zu genießen sind. Das hat die Vergangenheit gezeigt. Kostenprognosen hatten sich immer wieder als hinfällig erwiesen. So war zunächst von geschätzten 22,9 Millionen Euro ausgegangen worden. Später war von 26,9 Millionen Euro die Rede gewesen. Noch vor dem Spatenstich war bekannt geworden, dass Brückenbauwerke teurer werden als zunächst vermutet. Entwicklungen beim Baupreisindex sowie Vorgaben aus dem Planfeststellungsverfahren, die umgesetzt werden müssen, wurden als Gründe für die Kostensteigerung genannt. „Seit dem Beschluss sind schließlich schon vier Jahre vergangen, und die darin enthaltene Kalkulation war noch älter“, erklärt Stieghorst.

Wo es jetzt staubt, war noch vor Wochen viel Wasser. Niederschläge hatten die Niederung in eine Seenlandschaft verwandelt. „Das hat uns zwei Monate gekostet“, sagt Stieghorst. Dennoch wird das dritte Quartal 2018 weiterhin als Termin für die Fertigstellung angepeilt. Pinneberg sollte diesen Termin einhalten, denn sonst sind Fördergelder in Gefahr. Manch einer fürchtet angesichts der aktuellen Misere um Pinnebergs Finanzen und einen vom Land verhängten Investitionsstopp, dass die Bauarbeiten ins Stocken und Zuschüsse in Gefahr geraten könnten. Eine Angst, die Steinberg offenkundig nicht teilt. „Wir sind optimistisch, rechtzeitig fertig zu werden.“

Zu einer Schnellstraße wird Pinnebergs in beide Richtungen einspurige Umgehung übrigens nicht werden. Angepeilt ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 Kilometer pro Stunde. Anwohner der Trasse, die laut Planfeststellung einen Anspruch auf passiven Lärmschutz haben, würden in Kürze von der Stadt kontaktiert. „Wir gehen auf die Menschen zu“, so Stieghorst. Jede Fassade werde einzeln untersucht, die Kosten trage die Stadt.