Kreis Pinneberg

Die neun gefährlichsten Sünden der Radfahrer

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Arne Kolarczyk
Radfahrer sind oft die schwächeren Verkehrsteilnehmer. Bei diesem Unfall ist wie durch ein Wunder kaum etwas passiert

Radfahrer sind oft die schwächeren Verkehrsteilnehmer. Bei diesem Unfall ist wie durch ein Wunder kaum etwas passiert

Foto: © Michael Arning

Viele Radler halten sich nicht an Verkehrsregeln. Schlimme Folgen: 510 Unfälle in einem Jahr. Zahl steigt, Schwerpunkt ist Elmshorn.

Kreis Pinneberg.  Tatort Elmshorn, Heidmühlenweg: Dort fährt am Sonnabend eine Radfahrerin, 48, auf dem Radweg der falschen Straßenseite – und wird von einem Auto erfasst. Die „Geisterradlerin“ landet mit einer Fraktur im Krankenhaus.

„Das Rechtsfahrgebot scheint für Radfahrer nicht mehr zu gelten“, sagt Frank Hesse, Leiter der Präsenzgruppe beim Polizeirevier Elmshorn. Er ist fast täglich auf den Straßen der größten Stadt im Kreis unterwegs, um Radler zu kontrollieren. „Wir ahnden jedes Vergehen konsequent“, sagt der Beamte. Und er sagt weiter: „Die Radfahrer lernen nur, wenn es ihnen ans Geld geht.“

Besonders auf die „Geisterradler“ haben es Hesse und Co. abgesehen. Denn das Fahren auf dem Rad- oder Fußweg auf der falschen Straßenseite gilt inzwischen als häufigste Unfallursache bei Radfahrern – schätzungsweise jeder zweite Unfall soll darauf zurückzuführen sein. Und die Zahl der verunglückten Radler im Kreis Pinneberg steigt. 510 kamen im vorigen Jahr zu Schaden, 2014 waren es 478. Die einzige Stadt des Kreises, in der die Zahl der Radfahrunfälle im Vorjahr dreistellig war, ist Elmshorn. 112 verunglückte Radfahrer bedeuten eine Zunahme von 21,7 Prozent gegenüber 2014. Und die hohe Zahl setzen sich 2016, was Elmshorn angeht, fort: 42 Unfälle mit Radlern nahm die dortige Polizei von Januar bis Mai auf. Und voriges Wochenende landeten drei Radfahrer mit Brüchen oder Kopfverletzungen in der Klinik.

„Der Weg wird zurückgelegt, egal wie. Radfahrer führen sich moralisch stets im Recht und sagen sich, es wird schon irgendwie gut gehen“, sagt der Leiter der Präsenzgruppe. Die meisten Radfahrer, die in Elmshorn an Unfällen beteiligt sind, sind zwischen zehn und 15 Jahren alt – also Fahranfänger. Diese Gruppe liegt auch in den anderen großen Städten des Kreises in der Unfallstatistik auf den vorderen Plätzen. Woran das liegt? Hesse kann darüber nur mutmaßen. Er verweist darauf, dass in den dritten Klassen eine Fahrradprüfung durch die Verkehrslehrer der Polizei erfolgt. „Danach kommt dann aber nichts mehr.“

Hesse, der selbst häufig auf dem Rad unterwegs ist, sieht ein gesamtgesellschaftliches Problem. Häufig führe die Gruppendynamik („Alle fahren auf der falschen Seite“) zum Fehlverhalten, zudem sei ein Unrechtsbewusstsein kaum noch vorhanden. Wenn er die Verkehrssünder auf zwei Rädern zur Kontrolle bitte und sie frage, welchen Fehler sie ihrer Meinung nach gemacht haben, würden diese meist so tun, als wüssten sie es nicht besser.

Gerade die „Geisterradler“ sind eine permanente Gefahr – zumeist für sich selber. „Autofahrer, die aus einer Seitenstraße oder einer Grundstückszufahrt kommen, schauen häufig nur nach links, bevor sie losfahren. Sie rechnen einfach nicht damit, dass ein Radfahrer auf der falschen Seite unterwegs ist“, sagt Holger Cordes vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC), Ortsgruppe Elmshorn. Gemeinsam mit Hesse gehört Cordes der Arbeitsgruppe Radverkehr in Elmshorn an, die sich viermal im Jahr trifft.

Auch die hohen Unfallzahlen aus 2015 waren Thema. „Es gibt, was Elmshorn angeht, keinen Schwerpunkt. Die Unfälle verteilen sich proportional auf das gesamte Stadtgebiet, es gibt keinen Ausreißer“, sagt Hesse. Stadt, Polizei und ADFC haben im vergangenen Jahr Piktogramme auf vier Radwege im Stadtgebiet aufgemalt, auf denen „Geisterradler“ zum Wenden aufgefordert werden. Inzwischen sind die Bildmarkierungen verblasst. In diesem Sommer soll die Aktion wiederholt werden.

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