Pinneberg
Prisdorf

Drehkreuze mit Ketten am Bahnhof blockiert

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Bahnhof Prisdorf: Bundespolizei und Bürgermeister vermuteten Aktion der Bahn, um illegales Überqueren der Gleise zu verhindern.

Prisdorf.  Zwei Stahlketten sorgten am Montag am Prisdorfer Bahnhof für Aufregung. Sie versperrten auf beiden Seiten der Schienen die Drehkreuze, die als Fluchtweg von den Gleisen dienen. Wer diese massiven Ketten angebracht hatte und wie lange sie dort hingen, blieb ungeklärt. Die Bundespolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Am Nachmittag rückte ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn mit einem Bolzenschneider an, um die Hindernisse zu entfernen.

Die Drehkreuze am Bahnhof funktionieren nur in eine Richtung – und zwar von den Gleisen aus. Allerdings werden sie immer wieder von Personen missbraucht, die trotz Rotlichts und geschlossener Schranken noch schnell am Fußgängerüberweg die Schienen überqueren wollen, um einen auf der anderen Gleisseite wartenden Zug zu erwischen. Immer wieder kommt es vor, dass sich Fahrgäste einfach am Drehkreuz vorbeizwängen und so trotz geschlossener Schranke auf den Fußgängerüberweg gelangen.

Die Bundespolizei hatte Ende vergangenen Jahres gleich mehrfach zu den Hauptverkehrszeiten Beamte in Prisdorf postiert – und teilweise liefen Personen direkt unter den Augen der Polizisten verbotenerweise über die Gleise, um noch zum Zug zu gelangen. Unverantwortlicher Leichtsinn, lebensgefährliches Verhalten – so nennt Bundespolizei-Sprecher Hanspeter Schwartz dieses Vorgehen. Er geht nicht davon aus, dass sich in den vorigen Monaten eine Besserung eingestellt hat. „Zwar haben uns zuletzt keine Beschwerden mehr erreicht. Allerdings haben wir seit längerer Zeit dort auch nicht mehr kontrolliert.“

Am Montagvormittag war eine Streife der Bundespolizei mal wieder am Prisdorfer Bahnhof vor Ort. Diesmal ging es jedoch um die fachmännisch montierten Stahlketten, die beide Drehkreuze lahmlegten und damit auch illegale Gleisübertritte verhinderten. So gesehen hatte die Aktion auch etwas Gutes – und selbst die Bundespolizei fiel zunächst darauf herein. „Das war professionell gemacht, sodass wir zunächst davon ausgegangen sind, dass Mitarbeiter der Bahn dafür verantwortlich sein müssen“, erläutert der Bundespolizeisprecher.

Durch eine Nachfrage bei dem Verkehrsunternehmen sei am Nachmittag herausgekommen, dass die Bahn nicht tätig geworden war. „Uns ist mitgeteilt worden, dass die Drehkreuze die einzige Fluchtmöglichkeit von den Gleisen sind und sie immer funktionieren müssen“, so Schwartz weiter. Daraufhin sei sofort gehandelt worden. Am frühen Nachmittag rückte ein Mitarbeiter der Bahn mit einem Bolzenschneider an und durchtrennte die Stahlketten. Sie wurden beschlagnahmt und der Bundespolizei zur Untersuchung übergeben. Im Raum steht ein gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr.

„Aktuell haben wir keine Anhaltspunkte, wer dafür verantwortlich sein könnte“, berichtet Schwartz. Auch eine Anfrage bei der Gemeinde habe ins Leere geführt. Prisdorfs neuer Bürgermeister Rolf Schwarz hat allerdings eine schlüssige Erklärung für die Stahlketten parat – und ist über ihre Beseitigung wenig glücklich. „Es hat vor Kurzem eine Sicherungsschau an dem Übergang stattgefunden, an der Vertreter des Amtes und der Bahn teilgenommen haben. Ich dachte, dass die Ketten das Ergebnis dieses Treffens sind“, sagt Schwarz. Nach seinen Angaben waren die Drehkreuze auf diese Weise mindestens eine Woche versperrt. „Ich habe mich eines Abends gewundert, warum jemand über das Drehkreuz klettert. Da habe ich die Ketten gesehen.“

Ihre Entfernung kommentiert Schwarz mit einem Wort: „Schade!“ Der Bürgermeister will nun an die Bahn schreiben und auf eine Änderung des Systems drängen. „Natürlich muss die Fluchtwegregelung bleiben. Aber es darf nicht sein, dass die Drehkreuze in beiden Richtungen Leute durchlassen.“

Schwarz schweben höhere, gitterartige Anlagen vor, wie sie etwa in Schwimmbädern verbaut sind. Der Bürgermeister, der in der Nähe des Fußgängerübergangs wohnt, spricht von etwa 50 Personen pro Tag, die trotz Rotlichts und geschlossener Schranken noch über die Gleise rennen. „Ich habe mich über die Ketten gefreut und gedacht, jetzt hat endlich jemand bei der Bahn gemerkt, dass die Kreuze in dieser Form Blödsinn sind,.“