Pinneberg
Kreis Pinneberg

Autoknacker haben’s auf Lenkräder abgesehen

Foto: dpa Picture-Alliance / Polizei Mettmann / picture alliance / dpa

Diebstahlserie nimmt kein Ende. Immer wieder werden Navigationsgeräte und Airbags ausgebaut. Die Polizei ist bisher machtlos.

Kreis Pinneberg.  Sie gehen fast täglich auf Diebestour im Kreis Pinneberg und arbeiten im Schutz der Nacht. Autoaufbrecher haben auch in den vergangenen Tagen immer wieder in unterschiedlichen Orten zugeschlagen und zahlreiche Autos aufgebrochen. Sie haben es dabei insbesondere auf Multimediasysteme, Airbags und sogar ganze Multifunktionslenkräder abgesehen.

„Wir gehen nicht mit jeder Tat an die Öffentlichkeit, wir melden nur größere Serien“, sagt Polizeisprecherin Sandra Mohr. Die letzte größere Serie ist knapp 14 Tage her und spielte im Raum Quickborn. Dort wurden am 20. und 21. Mai fünf Fahrzeuge aufgebrochen. Die Täter bauten in allen Fällen die Navigationsgeräte aus, in einem Fall auch das Lenkrad inklusive Airbag.

Carsten Willms von ADAC Hansa schätzt, dass die Täter nur drei bis fünf Minuten brauchen, um eine Seitenscheibe einzuschlagen, ins Wageninnere zu gelangen und die Geräte fachmännisch auszubauen. „Dafür benötigen sie Spezialwerkzeug und das nötige Wissen“, sagt Willms. Ferner bräuchten sie je nach Automarke und manchmal sogar Modell unterschiedliches Werkzeug, um beispielsweise einen Airbag auszubauen. „Dieses gibt es aber günstig im Internet zu kaufen“, sagt der ADAC-Sprecher, der von professionellen Banden spricht, die auf Bestellung arbeiten. Die gestohlenen Autoteile würden dann ins Ausland gebracht.

Der Schaden geht in die Millionen

„Insbesondere bei den nicht selten gleich in Serie stattfindenden Diebstählen von fest eingebauten Navigationsgeräten und Autoteilen, häufig bei Fahrzeugen der Hersteller BMW und Daimler, geht die Polizei von professionellen Tätern aus dem osteuropäischen Raum aus. Es wird in vielen Fällen wegen bandenmäßigem, gewerbsmäßigem schweren Diebstahl ermittelt“, sagt Polizeisprecherin Sandra Mohr. In Heist gelang es den Beamten in der Nacht zum 23. Juli 2015, einen 38 Jahre alten Mann und einen Mittäter – beide stammen aus Litauen – nach vier Autoaufbrüchen festzunehmen.

Der 38-Jährige gehörte zu einer Bande, die von Dezember 2015 bis zu ihrer Zerschlagung jede Nacht in Schleswig-Holstein mehrere Taten beging. Sie hatte sich auf hochwertige Werkzeuge aus Handwerkerfahrzeugen, aber auch auf Navigationsgeräte spezialisiert. Die gestohlene Ware wird in der Regel ins Ausland gebracht. Europaweite Ermittlungen der Polizei hätten ergeben, dass etwa Werkstätten in Osteuropa ausgebaute Airbags kaufen. Auch im Internet werde die Ware zum Kauf angeboten.

Diese Erfahrung hat zum Beispiel auch ein ADAC-Mitglied gemacht, das unwissend Hehlerware im Internet bestellte. Als der Käufer mit dem Multimediasystem, das unter anderem Navigation, Radio und Handyfreisprecheinrichtung in einem Gerät vereint, zu einer Autowerkstatt fuhr, um es in sein Auto einzubauen zu lassen, schrillten dort die Alarmglocken. Denn eine Codekarte für das Gerät hatte der Mann nicht. „Deswegen sollte man immer beim Internetkauf solcher Geräte darauf achten, dass die Karte dabei ist“, sagt Carsten Willms. Ohne den Code könne eine Werkstadt die Systeme nicht freischalten. Die professionellen Banden hingegen hätten Wege gefunden, den Code zu knacken. „Sie benutzen dafür illegale Software, und in der Regel werden die Geräte im Ausland freigeschaltet“, sagt Willms.

Im Mai sind im Kreis Pinneberg 50 Autoaufbrüche angezeigt worden. In wie vielen Fällen es die Täter auf den Ausbau von Teilen abgesehen hatten, konnte die Polizei noch nicht sagen. Die häufigste Variante, um Zugang zum Innern zu erhalten, ist das Einschlagen einer Seitenscheibe. Sind Profis am Werk, werden die begehrten Bauteile sorgfältig ausgebaut. „Daran erkennt man, dass es professionelle Banden sind. Die achten darauf, dass ihre Beute nicht beschädigt wird“, sagt Willms. Bei der Beschaffungskriminalität rissen die Täter die Navis aus dem Armaturenbrett. „Dabei wird viel größerer Schaden angerichtet als bei den professionellen Tätern“, so der Sprecher.

Autobesitzer können sich kaum schützen

Im Kreis Pinneberg ereigneten sich 2015 insgesamt 1305 Autoaufbrüche. In 224 Fällen wurden Autoteile wie Navigationsgeräte, Lenkräder, Multimediasysteme oder Airbags ausgebaut. Den Wert der Beute beziffert Polizeisprecherin Mohr auf 520.000 Euro. Hinzu kämen die Reparaturkosten. Schützen können sich Autofahrer gegen die professionellen Banden nicht. „Gegen die ist kein Kraut gewachsen“, sagt Carsten Willms und fügt hinzu: „Es werden Autos nachts aufgebrochen, die direkt am Haus vor dem Schlafzimmerfenster stehen.“ Deswegen rät der ADAC insbesondere bei hochwertigen Fahrzeugen, das Auto gut zu versichern.