Pinneberg
Kreis Pinneberg

Soziale Angebote kommen auf den Prüfstand

Landrat Oliver Stolz, Staatssekretärin Anette Langner und Fachbereichsleiter Heiko Willmann

Landrat Oliver Stolz, Staatssekretärin Anette Langner und Fachbereichsleiter Heiko Willmann

Foto: Thomas Pöhlsen / HA

Wo gibt es zusätzlichen, wo geringeren Bedarf? Mit einem Workshop hat die vom Kreistag geforderte Neuausrichtung begonnen.

Kreis Pinneberg.  Hoch hat Landrat Oliver Stolz die Messlatte gelegt. „Vielleicht geht dieser Workshop in die Geschichte der Sozialplanung des Kreises ein“, sagte er vor knapp 70 Teilnehmern, die ins Gartenbauzentrum in Ellerhoop gekommen waren. Und ein Vorab-Lob gab es von Anette Langner, Staatssekretärin im Sozialministerium in Kiel. „Sie gehen einen Weg, der Impulse im ganzen Land setzen kann“, sagte sie.

Es geht um die sozialen Hilfen und Angebote im Kreis, sie sollen neu ausgerichtet werden. Der Kreistag hatte die Verwaltung mit dieser Aufgabe betraut. Dazu wird ein neues Verfahren gewählt. „Wir setzen uns mit den Zahlen, Daten und Fakten nicht ins stille Kämmerlein und arbeiten etwas aus“, sagt der Fachbereichsleiter Heiko Willmann, „sondern wir diskutieren mit Experten darüber.“ Und so waren nicht nur aus der Kreisverwaltung, sondern auch aus Rathäusern und Amtsverwaltungen Mitarbeiter gekommen. Der Einladungen folgten auch Politiker sowie Vertreter von Organisationen, Vereinen und Verbänden.

Dass sich aus Statistiken neue Handlungsbedarfe ergeben, belegte der oberste Sozialplaner des Kreises, Christoph Kennerknecht, mit einem Vortrag. So diagnostizierte er einen „relativen Wohlstand mit Schattenseiten“. Die Bürger im Kreis verdienten durchschnittlich mehr als in Schleswig-Holstein und Deutschland, jedoch gebe es einen relativen geringen Beschäftigungszuwachs – und den insbesondere im Teilzeit- und Minijob-Bereich. Zudem liegt der Dienstleistungssektor unter dem Niveau von Land und Bund. Die Pendlerströme wachsen, insbesondere nach Hamburg. Immer mehr Familien ziehen in den Kreis, vor allem in die Städte und den Hamburg-nahen Bereich. Der ländliche Norden des Kreises profitiert davon kaum. Zudem wird es immer mehr ältere Menschen geben.

Landrat Stolz trat während eines Pressegesprächs dem Verdacht entgegen, die Neuausrichtung könnte zur Streichung von Sozialleistungen führen: „Wir wollen sehen, wo es zusätzlichen Bedarf gibt und wo er vielleicht nicht mehr so groß ist.“ Als ein mögliches neues Handlungsfeld sieht Heiko Willmann den Bereich der Kurzzeitpflege älterer und kranker Menschen an. In jüngster Zeit habe es einige Anrufe bei der Kreisverwaltung mit Hinweisen von Betroffenen gegeben, dass zu wenige Plätze existieren, sagt der Verwaltungsmitarbeiter. Im Gespräch mit Fachleuten aus dem Pflegebereich soll nun geklärt werden, ob das Angebot wirklich nicht ausreicht und wie ein Mangel behoben werden könnte.

Als Beispiel für Menschen, die von der Neuausrichtung profitieren könnten, nannte der Landrat als Beispiel eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern. Von ihren Kindern ist eines entwicklungsverzögert, das andere hochbegabt. Trotz ihrer Qualifikation als Fachkraft findet sie auf dem Arbeitsmarkt im Kreis keinen passenden Job. Es gebe also verschiedene Hilfsbedarfe in der Familie, sagte Stolz.

Ziel sei es, diesen Menschen nicht von einer Stelle zur nächsten zu schicken, sondern möglichst mit einer Stelle als Ansprechpartner zu arbeiten, ergänzte Willmann. „Verwaltung muss sich komplett umstellen.“ Das wäre der Wechsel vom für Behörden bisher typischen Denken in Zuständigkeiten hin zum Denken in Ergebnissen und Lösungen.

Landrat Stolz geht davon aus, dass mit dem Workshop „ein langjähriger Prozess“ begonnen hat. In zwei Jahren soll das Konzept vorliegen.