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Rellingen

Trampe: „Ich will eigene Impulse setzen“

Marc Trampe will Bürgermeister in Rellingen werden. Einen Gegenkandidaten hat der 34-Jährige nicht

Marc Trampe will Bürgermeister in Rellingen werden. Einen Gegenkandidaten hat der 34-Jährige nicht

Foto: WOLFGANG GAEDIGK / HA

Marc Trampe, einziger Bürgermeister-Kandidat in Rellingen, spricht im Abendblatt-Interview über Ziele, Motivation und seinen Wahlkampf.

Rellingen.  Als einziger Kandidat geht Marc Trampe am 29. Mai bei der Bürgermeisterwahl in Rellingen ins Rennen. Das Abendblatt traf ihn in seinem Haus in Pinneberg zum Interview und sprach mit dem 34-Jährigen über seine Pläne, über seine neue Wirkungsstätte und seinen künftigen Wohnsitz. In das Interview sind auch Fragen unserer Leser an Marc Trampe eingeflossen.

Hamburger Abendblatt : Was reizt Sie an der Aufgabe in Rellingen?

Marc Trampe: Ich bin in Rellingen aufgewachsen und habe hier meine Kindheit verbracht. Mich reizt es, jetzt Bürgermeister meiner Heimatgemeinde zu werden. Angesichts meines beruflichen Werdegangs glaube ich, dafür über die notwendigen Voraussetzungen und Qualifikationen zu verfügen.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Bürgermeister?

Trampe : Mein Anspruch als Bürgermeister ist es, eigene Impulse zu setzen – wohl wissend, dass die Entscheidungsgewalt bei der Politik liegt. Dennoch sehe ich es als meine Aufgabe an, Vorschläge und Beschlussvorlagen in die entsprechenden Gremien einzubringen.

Welchen Fahrplan haben sie für die ersten 100 Tage im Amt?

Trampe : Zunächst werde ich viele Gespräche mit den Mitarbeitern im Rathaus, mit Vertretern von Vereinen, Verbänden und aus der Politik führen. Am Anfang ist es mir wichtig, ganz viel zuzuhören. Aus dieser Bestandsaufnahme wird sich ergeben, welche Themen ganz dringend angegangen werden müssen.

Wie wollen Sie als Bürgermeister mit den Bürgern in Kontakt treten?

Trampe : Natürlich werde ich offene Sprechstunden anbieten. Darüber hinaus wird jeder, der mich sprechen will, auch einen Termin erhalten. Ich möchte verstärkt soziale Medien nutzen, um mit den Bürgern zu kommunizieren und sie über Themen der Gemeinde zu informieren. Ich kann mir auch eine Veranstaltungsserie namens ,Rathaus on tour’ vorstellen, mit der wir regelmäßig in die Ortsteile gehen.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus den vielen Gesprächen, die Sie mit Bürgern während des Wahlkampfes geführt haben?

Trampe : Ich habe gemerkt, dass die Identifikation der Bürger mit ihrer Heimatgemeinde sehr hoch ist. Eine große Zahl der Einwohner ist mit der Situation vor Ort sehr zufrieden. Die bestimmenden Themen in den Gesprächen waren die Kinderbetreuung und die Verkehrsbelastung.

Werden Sie Ihren Wohnsitz von Pinneberg nach Rellingen verlegen?

Trampe : Das will ich nicht ausschließen. Meine Familie und ich sind bereits dabei, uns umzuschauen. Natürlich muss das passen. Grundsätzlich halte ich eine hohe Präsenz und eine schnelle Erreichbarkeit für unerlässlich. Beides kann ich auch von Pinneberg aus garantieren. Von dort aus erreiche ich das Rellinger Rathaus mit dem Auto in acht Minuten.

Welche Konzepte haben Sie, um die Lebensqualität in Rellingen für Senioren zu verbessern?

Trampe : Die Lebensqualität für Senioren ist in Rellingen schon jetzt sehr hoch. Es gibt zahlreiche Angebote der Gemeinde auf dem kulturellen Gebiet, auch werden regelmäßig Ausfahrten organisiert. Hinzu kommen verschiedene Vereine, Organisationen und Verbände, die ein sehr gutes Programm für Senioren anbieten. Diesen Standard gilt es zu halten. Im Blick behalten müssen wir das Thema seniorengerechtes Wohnen, damit jeder Rellinger im Alter so leben kann, wie er möchte.

Wie werden Sie die Leistungsfähigkeit und die Bürgerfreundlichkeit der Verwaltung steigern?

Trampe : Die Mitarbeiter des Rathauses zeichnen sich schon jetzt durch hohe Fachkompetenz aus und bieten einen ausgezeichneten Service für die Bürger. Diesen gilt es zu halten. Es muss aber auch ein Anliegen der Verwaltung sein, neue Wege zu gehen. Ich kann mir vorstellen, viele Dienstleistungen digital anzubieten, ohne natürlich den persönlichen Service einzuschränken. Aktuell sind die Bürger auf die Öffnungszeiten des Rathauses angewiesen. Das entfällt, wenn wir verstärkt Online-Dienstleistungen anbieten.

Welche Konzepte für die Ansiedlung von Unternehmen und die Wirtschaftsförderung haben Sie?

Trampe : Die geografische Lage Rellingens ist hervorragend, die Nachfrage von Betrieben immens. Daher müssen wir in den nächsten Jahren zusätzliche Gewerbeflächen ausweisen. Wichtig ist auch, ein aktives Marketing zu betreiben, um regional und überregional auf den Wirtschaftsstandort Rellingen hinzuweisen. Mir ist es auch ein Anliegen, die weichen Standortfaktoren zu stärken. Ich denke da insbesondere an den Ausbau der Kinderbetreuung.

Wo sehen Sie sich beruflich in fünf bis sieben Jahren?

Trampe : Sofern ich gewählt werde, im Bürgermeisteramt der Gemeinde Rellingen. Ich komme, um zu bleiben. Ich kann mir sehr gut vorstellen, für eine lange Zeit Bürgermeister zu werden. Aber das entscheiden natürlich die Rellinger.

Welchen grundlegenden Veränderungsbedarf sehen Sie für Rellingen?

Trampe : Grundsätzlich wurde in Rellingen gute Arbeit geleistet. Nachholbedarf besteht bei bezahlbarem Wohnraum und bei der Kinderbetreuung. Beides hat für mich hohe Priorität. Gerade eine verlässliche und ausreichende Betreuung der Kinder ist für eine Gemeinde als Standortfaktor das A und O. Vor kurzem sind Beschlüsse gefasst worden, weitere Gruppen in bestehenden Kitas einzurichten. Auch eine neue Kita erscheint für mich nicht ausgeschlossen.

Wie und wie schnell werden Sie die Verwaltung nach umweltverträglichen Kriterien ausrichten?

Trampe : Ein Vorbild ist da sicherlich mein ehemaliger Arbeitgeber, die Kreisverwaltung. Beispielsweise haben wir Elektroautos in unseren Fuhrpark aufgenommen. In Rellingen werde ich erst einmal eine Bestandsaufnahme machen, wo die Gemeinde in diesem Punkt steht und welche Dinge unter Umständen verbessert werden können.

Inwieweit stehen Sie in der Flüchtlingspolitik für eine nachhaltige und langfristig nutzbare Wohnungsbaupolitik entsprechend moderner Integrationsvorgaben anstelle von vorübergehenden Container- und Holzständerlösungen?

Trampe : Im Herbst vorigen Jahres waren die Kommunen gezwungen, angesichts sehr stark gestiegener Flüchtlingszahlen möglichst schnell Unterkünfte zu schaffen. Rellingen ist dies sehr gut gelungen. Aktuell befinden wir uns in einer Phase, in der weniger Flüchtlinge kommen. Wir können jetzt eine Neubewertung der Unterkunftssituation vornehmen. Dort, wo es machbar ist, sollte auf eine nachhaltige Bauweise zurückgegriffen werden.

In Rellingen leben überdurchschnittlich viele ältere Bürger. Sollte die Gemeinde ein zweites Projekt für Junges Wohnen starten, um den Altersdurchschnitt zu senken?

Trampe: Es ist festzustellen, dass die Altersklasse unter 40 Jahren in Rellingen unterrepräsentiert ist. Was wir zukünftig brauchen, sind Angebote für junge Familien, damit sie sich Wohnraum in Rellingen leisten können. Ein Nachfolgeprojekt Junges Wohnen könnte da helfen. Aber natürlich müssen wir immer die Infrastruktur im Blick behalten, was Betreuungsplätze und die Verkehrsbelastung angeht.

Wie wollen Sie die Verkehrsprobleme, speziell im Ortskern, lösen?

Trampe : Wenn es dafür eine Patentlösung gebe, wäre sie längst umgesetzt worden. Mittelfristig ist eine Linksabbiegespur von der Hauptstraße in die Tangstedter Chaussee geplant. Ihre Realisierung würde den Verkehrsfluss verbessern. Aktuell verschlimmern der
A- 7-Ausbau und die Sperrung der L 76 in Richtung Quickborn die Lage.

Welches Ergebnis erhoffen Sie sich bei der Wahl, zu der Sie als einziger Kandidat antreten?

Trampe : Ich habe einen Wahlkampf unter dem Motto ,Wenn ich es mache, dann mache ich es richtig’ geführt. Ich bin seit Monaten in Rellingen unterwegs, habe Gespräche mit Vereinen, Verbänden und Institutionen geführt, mehr als 500 Hausbesuche gemacht. Ich habe alle Erstwähler angeschrieben, Wahlplakate mit meinem Konterfei aufgestellt, bisher rund knapp 4000 Broschüren verteilt. Das alles hat mir sehr viel Freude gemacht. Jetzt hoffe ich auf eine möglichst hohe Zustimmung und eine Wahlbeteiligung, die über 20 Prozent liegt.

Ihre Vorgängerin Anja Radtke trat 2010 als einzige Bewerberin an und forderte anschließend eine Wahlrechtsänderung, um solche Konstellationen künftig auszuschließen. Wäre das auch in Ihrem Sinne?

Trampe : Das Wahlrecht ist Sache des Gesetzgebers. Sollte ich gewählt werden, werde ich dennoch das Gespräch mit dem Innenministerium suchen. Schließlich sind der Aufwand und die Kosten, die für die Gemeinde mit einer Wahl verbunden sind, sehr hoch.